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Rückkehr der „alten Herren“

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Rückkehr der „alten Herren“

geschrieben am 01.06.2010 21:00

Bob Dylan und Leonard Cohen haben schon längst Musikgeschichte geschrieben. Deshalb müssen sie sich und der Welt auch nichts mehr beweisen. Die aktuellen Songs dieser Legenden, die „in sich ruhen“ und entspannter denn je sind, versprechen gerade auch live jede Menge „Spannung“.

The good old days are good and gone now…

… that`s why they`re good. Because they`re gone. Es ist so eine Sache mit dem Altern, den Eltern, den Tatsachen und den viel zu vielen Umständen. Man kann sie nicht ändern. Und so scheint die einzige Möglichkeit in Würde zu altern – es zu(zu) lassen. Ein alter Mann, der sich keinen Millimeter Leben wegglätten ließ und gerade deshalb nichts von seiner Faszination von damals verloren hat, hätte dieser Tage unweit von Klagenfurt ein Konzert geben sollen. Die Absage aufgrund einer Rückenverletzung machte traurig. Umso erfreulicher, dass die Tournee nun doch stattfinden wird.

Leonard Cohen, dessen unverkennbare Stimme man weniger mit erleichterten Frühsommermomenten, als mit der Düsterheit der Endlichkeit des Lebens verbindet, wird zwar leider nicht in Laibach spielen. Aber nur drei Autostunden von Klagenfurt entfernt am 25. Juli in Zagreb auftreten. Nach 15 Jahren Bühnenpause überraschte er 2008 sein Publikum mit einem sensationellen Live-Comeback. Mehr als 700.000 Besucher in 84 Ländern kamen zu den Konzerten. Anlässlich seines 75. Geburtstages im Vorjahr erschien ein grandioses Greatest Hits- Album. Ansonsten sei das unlängst erschienene Buch Leonard Cohen: Titan der Worte ans Herz gelegt. In dieser Biografie beschreibt Christof Graf, der sich seit 30 Jahren intensiv mit der Legende beschäftigt, dessen erste literarische Gehversuche, schildert Cohens Weg vom Underground-Literaten zum Rock-Poeten, handelt von Depressionen, Drogenexzessen, Trips nach Indien und Klosteraufenthalten bis heute.

Als Kind jüdischer Eltern 1934 in einem Vorort von Montréal geboren, berührt und inspiriert er seit mehr als vierzig Jahren mit melancholisch schönen, puristisch arrangierten Songs, durch sein Charisma und seiner unverkennbare Stimme sein Publikum. 1956 publizierte Cohen seinen ersten Gedichtband. Zu dieser Zeit war er Teil eines eingeschworenen Dichterzirkels, zusammen wurde getrunken, gegessen und man las sich gegenseitig die neuesten Arbeiten vor und diskutierte darüber. Im Zuge eines ausgedehnten Europaaufenthalts entstand auf der griechischen Insel Hydra der Roman Beautiful Losers – komplett im Freien geschrieben – und er ließ sich zunächst dort als Schriftsteller nieder. Bevor er seine erste Schallplatte aufnahm, hatte er schon vier Gedichtbände und zwei Romane verfasst. Sein Debüt als Sänger gab Leonard Cohen 1967 auf dem Newport Folk Festival. Der Produzent John Hammond von Columbia Records entdeckte ihn, wodurch sein erstes melancholisches Album Songs of Leonard Cohen zustande kam, das ein großer Erfolg wurde. Hammond sah in ihm einen zweiten Bob Dylan, jenen Folksänger, den er Jahre zuvor (1961) auf einer Session für Carolyn Hester entdeckte und unter Vertrag nahm.

Damals kam der zwanzigjährige Bob Dylan gerade als magerer charmant unbeholfener Junge mit einer Gitarre und einer dunklen Vergangenheit aus Minnesota nach Greenwich Village in New York. Drei Jahre später war er mitten im Zentrum des sozialen Wandels und politischen Umsturzes. Dylans Lieder wurden zu den Hymnen der Protestbewegung und mit 25 Jahren hatte er sich seinen Status als Ikone des 20. Jahrhunderts bereits gesichert. Als er sich Mitte der 60er Jahre vom Folk dem Rock zuwandte und seine Lieder neu interpretierte, konnten viele Fans seinen Wandel nicht nachvollziehen. Doch davon ließ sich der Folk- und Rockmusiker, Dichter und Maler nicht entmutigen. Gab die kleingewachsene Legende bis dahin surreal bis unverständliche, immer jedoch messerscharfe Interviews, hörte Bob Dylan irgendwann in den Neunzigerjahren damit auf, der Presse Rede und Antwort zu stehen und ging stattdessen auf Welttournee. Seit 1988 nahezu ununterbrochen – weit mehr als 2000 Konzerte gab Dylan in den letzten zwei Dekaden. Eines davon sollte man am 13. Juni in Laibach nicht versäumen. Dort kann man jenen Mann live erleben, der weltweit als Prototyp des amerikanischen Künstlers der Moderne (Alexander Kluge) gesehen wird. Den Mann der vielen Gesichter und Masken, als der er bezeichnenderweise von mehreren Schauspielern (u.a. Cate Blanchet) in Todd Haynes Film I’m Not There dargestellt wird. Den Bob Dylan, dem im Film Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe inhaltlich der Nobelpreis verliehen wird. Was durchaus irgendwann passieren könnte. Robert Zimmermann, so lautet Dylans bürgerlicher Name, wurde im Mai 69 Jahre alt. Leonard Cohen ist 76. Doch nur das Alter scheint alt an ihnen zu sein.

Marion Schaschl


Bob Dylan
12. Juni 20 h, TipsArena Linz
13. Juni 20 h, Hala Tivoli,
Celovška cesta 25, Laibach
www.bobdylan.com

Leonard Cohen
25. Juli 20 h, Arena Zagreb, Lanište bb, Kroatien
27. Juli 20 h, Salzburgarena, Salzburg
28. Juli 20 h, Stadthalle Graz, Graz
www.leonardcohen.com
Tickets: www.oeticket.com
(oder: offiziele Ö-Ticketverkaufsstelle in der Buchhandlung Heyn, Tel.: 0463/54249)

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