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Sakrale Räume öffnen

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Sakrale Räume öffnen

geschrieben am 03.08.2011 10:41

Sowohl in der Burgkapelle des MMKK in Klagenfurt als auch bei den neuen Kirchenfenstern in Fresach vermitteln die Werke der Künstlerin Lisa Huber in „bewegender“ Weise spirituelle Erkenntnisse. Menschliche Erfahrungen und Handlungen werden durch die Gestaltung der zu einem sichtbaren Erlebnis gemacht. Die Bruecke zeigt erstmals und exklusiv die Ergebnisse ihrer Arbeiten, die im Zuge der Landesausstellung 2011 am 7. August der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Füße im weiten Raum

Lisa Huber: aktuelle Arbeiten im sakralen Raum – in der Burgkapelle des MMKK – neue Kirchenfenster in Fresach wirken über die Landesausstellung011 hinaus

Wenn der Mensch die Augen erhebt, können Kirchenfenster Vermittler des Lichts und der Erkenntnis sein. Dann erfährt er sich als ebenso frei wie verbunden und gehalten. „Von allen Seiten umgibst du mich“ ist das Motiv der neuen Fenster in der Kirche von Fresach, die Lisa Huber gestaltet hat.

In Fresach, das sich zum neuen protestantischen Zentrum in Kärnten entwickelt, haben in Hinblick auf die noch bis Ende Oktober laufende Landesausstellung011 „Glaubwürdig bleiben“ große Veränderungen stattgefunden. Mit diesem wichtigen und wesentlichen Impuls war auch die Gemeinde motiviert für einen von Superintendent Manfred Sauer initiierten zusätzlichen Akzent in der Kirche, als starkes künstlerisches Zeichen mit spiritueller Note. Manfred Sauer zur Neugestaltung der Apsis, in die in der Folge auch Altar und Ambo einbezogen werden sollen: Die Fenster werden die Kirche verändern.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum,
erkennt der Psalmist im Alten Testament, dass er nicht allein gelassen ist in der Enge seines Daseins, und doch sein Leben gestalten kann. Im Psalm 139 tritt er mit seinem Schöpfer in Dialog: Wohin führen die Wege des Menschen, wer hat ihn schon gekannt, bevor er von sich selbst wusste? Wie ist er in seiner ihm eigenen Besonderheit eingebunden in den Verlauf der gesamten Menschheit? Der Psalm ergreift die umfassenden Fragen und Erfahrungen und gibt den Grundton für Lisa Hubers Gestaltung der Kirche, einem Bauwerk von 1951. Ein Kreis aus hellem Terrazzo markiert den Platz für den Altar und spiegelt die drei Fenster – eigentlich Glasbilder, die vor die sandgestrahlten Schutzfenster gehängt sind: aufgefangenes Licht von oben, Helligkeit und Farben, die Transzendenz und Lebendigkeit vermitteln.

Psalm 139. Lisa Huber entwickelt Themen und Technik gern aus den damals ungeahnten Möglichkeiten der Umbruchszeit zwischen Mittelalter und Neuzeit, geht auf die Faszination des Drucks und der Symbolik der Farben ein, auf Eindrücke und Vorstellungen. Seit Jahren arbeitet sie an sakralen Themen. In der Inspiration durch Psalm 139 fand sie die große Bandbreite und Offenheit auch für den Betrachter. Mit ihren kraftvollen und doch zärtlichen Zeichen setzt sie Spuren des menschlichen Wandelns und göttlichen Wirkens in die Fenster: Hände und Füße, die leuchtende Sonne und das glühende Feuer, die Flügel des Morgenrots, Himmel und Erde, Kommen und Gehen, Oben und Unten, Westen und Osten – eine symphonisch anmutende Begleitung des vertrauensvollen Erlebens. Der Mensch in seinem Werden und als Denkender und somit auch Dankender. Jedes Fenster ist eine eigene Betrachtung des Menschenlebens und dieser unfassbaren Erfahrung. Im mittleren verläuft die Abfolge von Rede und Antwort wie auf einem Samtmantel in Rot als Hinweis auf Liturgie, Reformation und Geborgensein, von rechts nach links entsprechend dem Hebräischen und bezogen auf die beiden äußeren: Der Dialog, den der Psalmist begonnen hat und den die Kirchenbesucher fortsetzen können. Die Fenster sind durch überlaufende Randmotive und eine Kreislinie als umgekehrte Aufnahme des Altarraums zusätzlich verbunden.

Die in Berlin und Kärnten lebende Künstlerin gestaltet Holzschnitte von monumentalen Ausmaßen. Lisa Hubers Werke erfahren durch eine spezielle, an traditionellen Arbeitsweisen orientierte Technik der Kolorierung eine malerische Wirkung, die ihre sparsamen und tiefen Symbole durchleuchtet. Die Einfühlung und das Können, diese besondere Art der Arbeit aufwändig und adäquat in Glas umzusetzen, fand sie in den Derix Glasstudios in Wiesbaden – eine weitere außergewöhnliche künstlerische Note der Fresacher Kirchenfenster. Mit einer installativen Hängung ihrer neuesten Holzschnittserie in der Burgkapelle schlägt das Museum Moderner Kunst Kärnten eine Brücke zur diesjährigen Kärntner Landesausstellung.

Tanz.Kapelle. Dort, in der Burgkapelle im MMKK, scheinen allerdings die HolzschnittBlätter im leeren Raum zu schweben und damit die thematische Bewegung nachzuvollziehen. „.Kopf.Über“ ist eine Serie, die von Tanz ausgeht und sich in punktuellem DaSein verdichtet. Nach den Bewegungen der Tänzerin Marina Koreiman geht Lisa Huber mit ihren Holzschnitten jeder kleinsten intensiven körperlichen Empfindung nach und bringt sie in andere Ebenen. Während in der Burgkapelle die Figuren an den Wänden aufsteigen, scheinen die sechs Gestalten in den Arbeiten herunterzufallen, ähnlich den kleinen Engeln hoch an der Decke. Es ist ein Fallen wie im Kosmos, das nichts Erschreckendes an sich hat, sondern ein Verharren in sich selbst, ein Drehen und Verbundensein mit dem Raum. Die Füße tanzen, das Haar weht, die Kleidung ist wie vom scharfen Luftzug gebauscht. Die Hände, ein starkes Ausdrucksmittel von Lisa Huber, bedecken das Gesicht. Es wird nicht alles preisgegeben, nicht alles sichtbar, was die Gestalt existenziell aus dem Inneren erschaut. Aber die Farben bringen etwas davon aus dem Verborgenen ans Licht. Ein Blau, das Lisa Huber mit dem Glauben in Verbindung bringt, lässt Licht erfahrbar und fast berührbar werden. Dazu kommen Schraffuren mit MetallicCharakter, sausender Hintergrund der Gestalten, Zeit und Raum für die sehr hellen Körper. Sie wirken schwerelos und selbstversunken, sich einer Tiefe überlassend, die sich durch die Schichtung der Farben mehrdimensional erschließt. Die sechs sehr großen Blätter bilden in sich einen Ablauf von festgehaltenen Bewegungsmomenten und angedeuteten inneren Wagnissen.

Annemarie Fleck


Landesausstellung Fresach 2011
Region Millstätter See
Bis 31. Oktober 2011 täglich von 10 bis 18 Uhr
GLAUBWÜRDIG BLEIBEN – 500 JAHRE PROTESTANTISCHES ABENTEUER
Die Landesausstellung011 will die 500-jährige Geschichte der
Evangelischen in Kärnten erzählen und Bezug nehmend darauf
einen Bogen in die Gegenwart spannen.
www.landesausstellung011.at

Feierliche Einweihung der neuen „Glasfenster“
7. August, 16 Uhr, Evangelische Kirche Fresach

Lisa Huber. KOPF.ÜBER
Bis 4. September 2011
Museum Moderner Kunst Kärnten
Burggasse 8/Domgasse, Klagenfurt am Wörthersee
Tel. +43(0)50.536.16252
www.mmkk.at

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