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Spuren zum Tonhof

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Spuren zum Tonhof

geschrieben am 11.04.2013 10:06

Die ehemalige Künstlerheimat von Gerhard und Maja Lampersberg in Maria Saal erfährt eine Revitalisierung. Für die Bruecke hat die Künstlerin und Zeitzeugin Caroline in ihren Erinnerungen gekramt. Durch ihre Erfahrungen, Bezüge, Arbeiten und Gedanken zum Tonhof sowie ihre aktuelle Ausstellung erfahren wir mehr über die Rolle des Kulturzentrums für damals und heute.

Beeindruckt und beeinflusst von Avantgardeliteratur und -musik Ende der 1950er/Anfang der 60er Jahre, vornehmlich durch Begegnungen mit Künstlern in Wien und am Tonhof, entstanden reduzierte abstrakte Arbeiten von Caroline weiß auf weiß. Daran erinnern in der neuen Ausstellung die 2013 geschaffenen Objekte UNRUHEKISSEN mit Texten aus PERTURBATION von Gerhard Lampersberg sowie das Objekt GEDANKENSCHRANKEN. trümmer der gelebten zeitgenossenschaft!
Als bunten Kontrast dazu erkennt man den Einfluss des Tonhofs im sprachlichen Spiel der PAINTED POEMS, die seit Jahren ihre bildnerische Arbeit begleiten. Darin spiegelt sich die Atmosphäre der damaligen Kommunikation am Tonhof, wie: Spontanhappenings, Wortspielgefechte, Nonsensideen, Tonvergreifungen und Quere Dialoge.
Die BRUECKE: Du wolltest deine Ausstellung ursprünglich „Perturbation“ nennen. Warum?
Caroline: Gerards Buch „Perturbation“ hat mich dazu inspiriert. Perturbation ist ein Synonym für Verstörung (Thomas Bernhard), Umwälzung, Abweichung, Verwirrung etc. Maja und Gerard Lampersberg bereiteten als Mäzene den Boden für die Störungen in der damaligen Kunstszene. Die Atmosphäre am Tonhof war geprägt von einer positiven kreativen „Unruhe“.
Die BRUECKE: Kannst du uns erzählen, wie du auf den Tonhof kamst, wen du dort trafst und wie das Leben am Tonhof ablief?
In meinen Studienjahren war das Hawelka quasi mein Wohnzimmer. Dort lernte ich damals noch unbekannte Künstler kennen. Unter anderen H.C. Artmann, der mich zum Donnerstags-Salon bei den Lampersbergs in der Gumpendorferstraße mitnahm. In den Sommerferien war ich in Kärnten und wurde daher in den Tonhof eingeladen. Dort traf ich die legendären „Tonhofkinder“, unter anderen Christine Lavant, Peter Turrini, Konrad Bayer, Ernst Kölz, Friedrich Achleitner, Gert Jonke, Wolfgang Bauer und Thomas Bernhard, mit denen ich noch jahrzehntelang Kontakt hatte und habe. Die meisten Künstler reisten aus Wien zur Sommerfrische an. Manche blieben den ganzen Sommer. Die Gäste wohnten zum Teil im Tonhof, zum Teil in umliegenden Pensionen. Entweder lud Maja zum Essen ein oder man traf sich in den Maria Saaler Gasthäusern. Oft auch am Magdalensberg, wohin sich Gerard manchmal zurückzog, um zu komponieren. Nachmittags traf man sich dann am Tonhof. Nichts war geplant, doch manchmal arteten diese Begegnungen zu Festen aus, die bis in die Nacht dauerten.
DIE BRUECKE: Du warst mit dem Ehepaar Lampersberg eng befreundet. Kannst du die beiden kurz charakterisieren? Was machte ihr Charisma aus?
Große Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit, Großzügigkeit, Aufgeschlossenheit und Toleranz für avantgardistische Strömungen in der Enge der damaligen Kulturszene. Sie zeigten nicht nur Verständnis für diese Ideen, sondern unterstützten die Künstler auch bei deren Verwirklichung. Ein Beispiel: die Uraufführung „Die Köpfe“ von Thomas Bernhard im Stadel.
DIE BRUECKE: Inwieweit ergänzten sich die beiden Künstlerpersönlichkeiten?
Gerard nahm bei Maja Klavierstunden, und so lernten sich die beiden kennen. Sie war eine in Fachkreisen geschätzte Sängerin. Später begleitete Gerard sie am Klavier. Sie unterstützte und inspirierte ihn als Komponist. Obwohl sie als Adelige aus einem starren Korsett kam, bewies sie Weitblick, Offenheit und gab ihm Freiraum für seine verrückten Happenings am Tonhof.
DIE BRUECKE: Gerard Lampersberg war ja ein Exzentriker. Sind dir noch Erlebnisse mit ihm in Erinnerung? Die Sommer waren sooo lang und damals gab es keine interessanten Kulturveranstaltungen in Kärnten. Man musste sich selbst unterhalten. Die Happenings entstanden spontan, aus einer Laune heraus. Einmal feierten wir Weihnachten im Sommer, mit allem was dazugehört. Ein anderes Mal entstand der Entschluss, eine Betonskulptur von Heinz Goll niederzureißen. Ein Bagger fuhr auf, eine Band spielte und wir tanzten Twist dazu. Wieder plötzlich hatte Gerard die Idee, sich in einem hellblauen Sarg feierlich begraben zu lassen. Oder er gab Maria Saaler Kindern zwei von ihm mit Tönen codierte Würfel zum Spielen und notierte sich die Codes der aufgefallenen Würfelzahlen. Daraus komponierte er dann ein Zwölftonoratorium. Viele verkleidete Gäste waren geladen. Wolfgang Bauer komponierte einen Maria Saaler Walzer. Den ganzen Tag wurde gefilmt. Das Ergebnis wurde später zusammengeschnitten und erhielt in Deutschland einen Filmpreis. DIE BRUECKE: Deine persönliche Beziehung zu den Lampersbergs?
Die Beziehung zu ihnen hat mich menschlich und künstlerisch sehr geprägt. Ich bin ihnen unendlich dankbar für die jahrzehntelange fast familiäre Verbindung und Hilfestellung in schweren Zeiten. Das Leben der beiden endete ja eher traurig. Der Tonhof war jahrelang verwaist. Maja erlitt einen Schlaganfall und übersiedelte in ein Pflegeheim. Verblüffend war, dass sie in den beiden bescheidenen Zimmern mit einigen Kleinmöbeln und Bildern eine persönliche Atmosphäre schuf, wie sie es gewohnt war. Gerard blieb allein am Tonhof zurück, kam aber täglich auf Besuch und zum Essen ins Heim. Er verlor zusehends die Orientierung und zog sich schließlich auch ins Heim zurück. Der Tonhof stand jahrelang leer, ich bin froh, dass er jetzt mit Kulturinitiativen wiederbelebt wird. „Ende der Durchsage“, wie Gerard zu sagen pflegte.
Ingrid Freytag


Stimmen für den Tonhof
Dies wird das Jahr des Tonhofs! Die ehemalige Maria Saaler Künstlerresidenz, in die das Ehepaar Gerhard und Maja Lampersberg in den 1950er und 1960er Jahren Kollegen und Freunde wie Thomas Bernhard, Peter Handke oder Christine Lavant einluden, wurde durch den neuen Besitzer Ferdinand Schludermann saniert. Für das Jahresprogramm ist Stefan Schweiger (Verein Tonhof) verantwortlich. Dies wird auch das Jahr des Gerhard Lampersberg! Denn das Klagenfurter Ensemble (k.e.) widmet heuer alle Eigenproduktionen der Aufarbeitung seiner Rolle als Komponist sowie der Fördererrolle des Ehepaares Lampersberg (1928-2002). Als Teil des von k.e.-Leiter Gerhard Lehner initiierten Jahresprojekts TonHofSpuren binden die Produktionen Kärntner Künstler und Kulturinitiativen ein. (Seitens des Landes gab es dazu eine zusätzliche Sonderförderung in Höhe von 100.000 Euro.) www.klagenfurterensemble.at Den Beginn macht die Uraufführung von Lady’s Voice – Triptychon Posthum, bestehend aus drei Lampersberg-Stücken nach Texten von Gertrude Stein und Hubert Fabian Kulterer sowie Bildmotiven von Edvard Munch. Verdichtet, choreographiert, inszeniert und auf die Bühne gestellt wurde es vom Südburgenländer Peter Wagner (sein Roman „Kreuzigungen. Ein Triptychon“ erscheint im Herbst). Musikalische Leitung: Alexei Kornienko. In den Hauptrollen: Bella Ban und Michael Kuglitsch. Musik: Collegium Musicum Carinthia. Für eine moderne klangliche Mischung sorgt der Remix von Herwig Zamernik (Naked Lunch, Fuzzman). Die Premiere fand am 27. Feber in der Theaterhalle 11 in Klagenfurt statt. Spieltermine im Frühling: 2., 3., 4. u. 5. Mai, jeweils um 20 Uhr. www.peterwagner.at
Die im Stück mitwirkende Bella Ban nimmt gemeinsam mit Inge Vavra und eben Caroline an der dreiteiligen Ausstellungsreihe TonHofSpuren in der Alpen-Adria-Galerie in Klagenfurt teil.

Ausstellungsreihe TON.HOF.SICHT Alpen-Adria-Galerie
26. April bis 3. November 2013
- HEINER HAMMERSCHLAG
Artefakte, Fundstücke aus dem Besitz von Freunden des Ehepaares Lampersberg

CAROLINE - Unruhe (Perturbation)
Vom 26.4. bis 23.6.2013. Eröffnung: 25.4., 19 Uhr

BELLA BAN - Was ich niemals aussprach
Vom 12.7. bis 1.9.2013.
Eröffnung: 11.7., 19 Uhr

INGE VAVRA - Was noch kommt
Vom 13.9. bis 3.11.
Eröffnung: 12.9., 19 Uhr



www.stadtgalerie.net

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