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Stätten der Rezeption

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Stätten der Rezeption

geschrieben am 11.06.2013 15:30

Die Erinnerung wird sowohl am Peršmanhof als auch im Hotel Obir Reception in Bad Eisenkappel als ein lebendiges Stück Kultur aufgenommen, um Geschichte(n) zu erzählen. Sie erzählen von Kriegsverbrechen, die betroffen machen, wie von kunstvollen Entwicklungskonzepten, und bringen die Besucher zum (er)staunen.

Erinnern für die Zukunft

An der Grenze einchecken: vom Peršmanhof bis zum Hotel Obir

Eisenkappel-Vellach ist zweigeteilt – unten im Tal an der Vellach liegt das Städtchen bzw. der Markt mit Kirche und Friedhof, Cafés, Restaurants, Zadruga und Billa- Markt – beschaulich-bürgerlich, wenige Läden gibt es noch, die sich wacker gegen den Leerstand in der Nachbarschaft halten. 13 schmale Seitentäler zweigen vom Ort ab in die Berge, in die Welt der Bergbauern und ihrer Höfe. Manche stehen schon lange leer, auf anderen Höfen fehlen die jungen Leute, andere Familien betreiben die Landwirtschaft nur noch als Nebenerwerb. Wer durch Bad Eisenkappel hindurch fährt und kurz vor dem Kurzentrum links abbiegt und dann der Straße lange folgt, gelangt schließlich über eine Schotterpiste zum Peršmanhof in Koprein-Petzen. Hier ermordete eine Einheit des SS- und Polizeiregiments 13 am 25. April 1945 elf Angehörige der Familien Sadovnik und Kogoj, davon sieben Kinder. Es wurde an diesem Tage Mist geführt, wird Ana Sadovnik, die das Massaker überlebte, später über diesen Tag vor dem Untersuchungsrichter aussagen. Das heutige Gebäude ist auf den abgebrannten Ruinen des alten Hauses gebaut. Der Verband der Kärntner Partisanen hat den Hof gepachtet und dafür Sorge getragen, dass das Denkmal, das ursprünglich 1947 auf dem Friedhof in St. Ruprecht als Grabmal für ein Massengrab von unbekannten gefallenen Partisanen errichtet worden war, hier 30 Jahre nach seiner Zerstörung wieder aufgestellt wurde. Eine besondere Gedenk-Geschichte für sich. Dass sich der Partisanenverband den Peršmanhof für das Gedenken der eigenen Gefallenen aneignete, dieser Entscheidung haftete stets etwas Widersprüchliches an – denn als das Massaker geschah, waren auch Partisanen im Gelände, sie griffen aber nicht ein, um das Massaker zu verhindern.

Die inhaltliche Neugestaltung als Gedenkstätte und Museum übernahm der Društvo/Verein Peršman unter der Leitung der Diplompädagogin Gudrun Blohberger: Viele Menschen, die den Peršmanhof besuchen, bleiben an dieser – teilweise sehr verwirrenden und irritierenden – Geschichte und Landschaft auf wundersame Weise hängen und kommen immer wieder. Manche entwickeln auch den Wunsch, etwas zu tun – vielleicht zur Befriedung und Befreiung der wunderschönen, tieftraurigen Landschaft beizutragen. Ich bin eine davon, erklärt die Museumspädagogin ihr Engagement. Drei Jahre dauerte das Forschungsprojekt des inzwischen verstorbenen Professors für Zeitgeschichte an der Universität Klagenfurt, Karl Stuhlpfarrer, in Zusammenarbeit mit dem Psychologen und Pädagogen Peter Gstettner, dann war die inhaltliche und formale Basis für die Aufarbeitung des Massakers in der neu eingerichteten Ausstellung gelegt. Was sich damals am Hof im Detail abspielte, lässt sich seit dem vergangenen Jahr dank dem erfahrenen Kuratorenteam Lisa Rettl, Werner Koroschitz und Uli Vonbank- Schedler an Ort und Stelle erfahren. Einige der Überlebenden waren in die aktuelle Aufarbeitung der Geschichte aktiv mit Interviews eingebunden und stellten auch Fotografien für die Ausstellung zur Verfügung. Dies sei ein Ort der Erinnerung, der auch als Ort der Bildung genutzt werde, so Blohberger. Ganz unterschiedliche Menschen suchen ihn auf, Schüler, Studenten, zeitgeschichtlich interessierte Menschen, Wandergruppen und Touristen. Zdravko Haderlap, Bergbauer, Journalist und selbsternannter Kulturarbeiter in der Nachbarschaft, führt oft seine Wandergruppen zum Peršmanhof und durch die neu gestaltete Ausstellung: Die Reaktionen sind immer tiefe Betroffenheit verbunden mit Neugierde oder großem Interesse, sich jetzt noch mehr in die ihnen bis dahin meist unbekannte Materie einzuarbeiten.

Bis Oktober hat das Museum von Freitag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. So mausert sich der Peršmanhof bei Bad Eisenkappel zu einer der wichtigsten Gedenk- und Bildungsstätten Kärntens mit überregionaler Bedeutung und Strahlkraft – und die Besucher machen sich nachdenklich auf den Rückweg, wieder hinunter in den Ort, wo vor 70 Jahren aus Nachbarn Feinde wurden, sich Freunde verrieten, hinter Gardinen zugeschaut wurde, wie die Bauernfamilien aus den Gräben von Polizei und Wehrmacht deportiert wurden, damit Kärnten befreit von den Kärntner Slowenen endlich „deutsch“ werde.

hotel obir reception – Kunst statt Leerstand. Linkerhand, kurz bevor sich die Hauptstraße verengt, macht etwas protzig ein modernes Betonbauwerk der Kirche Konkurrenz. 30 Jahre später wird ein slowenisch und deutsch geführtes Hotel städtischer Mittelpunkt. Das Hotel Obir, in den 70er Jahren vom serbischen Architekten Ilja Arnautovic´ entworfen und gebaut, ist ein Sehnsuchtsort. Damals wie heute brachte das Hotel Modernität und Chic in den ehemaligen Standort für die Zellstoffproduktion, es war die Hochzeit von Disco, Fox, Jive und Partystimmung – und die Kleinstadt Bad Eisenkappel an der Grenze zum damaligen Jugoslawien hatte auf einmal – ein Nacht- und Kulturleben. Gefeiert wurde alles und immer und stets – im trendigen Obir-Ambiente. Leider kam das Hotel in die Jahre. Zu wenig wurde in die Instandhaltung investiert, schließlich rechnete sich der Betrieb nicht mehr und der letzte Gast gab 2003 seinen Zimmerschlüssel an der Rezeption ab.

Dieser verlassene Ort, randvoll gefüllt mit persönlichen Erinnerungen, dazu die große architektonische Geste in der kleinen Stadt – das alles reizte Norbert und Brigitte Klavora, die mit Andreas Jerlich und der Galerie Vorspann/Galerija Vprega den österreichischen Südpol der Kunst definieren – sie entwickelten „hotel obir reception“, immer entlang an der Schnittstelle zwischen Kunst und Architektur. Lukas Vejnik leitete den Architekturworkshop: Ziel ist es, Konzepte möglicher Nachnutzung für das Hotel Obir und regionale Entwicklungspotenziale aufzuzeigen. Norbert Klavora, der künstlerische Vorspann- Leiter und der Interventionen im Hotel, will mit der temporären Belebung Impulse setzen. Das ist schon jetzt geschehen: Die Gemeinde unterstützt das Projekt finanziell und mit Arbeitsleistung. Die Studenten erarbeiten architektonische Zukunftsszenarien. Und die internationale Künstlerliste ist mehr als ansehnlich geworden – sie haben alle eingecheckt an der Reception, derzeit sind alle Zimmer ausgebucht.

Und für alle, die einen Blick werfen wollen in ihr persönliches, altes Hotel Obir oder auf mögliche Zukunftsvarianten – das Hotel ist wieder telefonisch erreichbar: Unter 0650-9800400 können Hotelgäste bis 16.6. noch unter sachkundiger Führung durch die neue Kunst im Bau flanieren. Danach gibt Klavora die Hotelschlüssel wieder zurück. Wird das Hotel wie ein Raumschiff abheben? Oder wird es nur einfach wieder leer stehen? Dazu Andreas Jerlich als Organisator: Wenn der Satz ‚Scotty beam mich rauf‘ funktionieren würde, würde das Hotel wahrscheinlich längst nicht mehr hier stehen. Doch auf jeden Fall bleibt eine Dokumentation in Buchform, die dieses einzigartige Projekt nach einer Idee von Norbert Klavora festhalten wird. Und damit noch eine Erinnerung an und in Eisenkappel mehr – dieses Mal an Glanz und Gloria der 70er Jahre.

Birgit Sommer


Ausstellungen Hotel Obir Reception
Bis 16.6.2013
www.galerievorspann.com/hotelobir
geöffnet täglich ab 10 Uhr, Führungen nach Vereinbarung.

Museum Gedenkstätte Peršmanhof
Koprivna pod Peco/Koprein-Petzen 3
9135 Bad Eisenkappel/Železna Kapla
Tel: +43 4238 25060
www.persman.at

Öffnungszeiten: Anfang Mai bis Ende Oktober
Freitag – Sonntag und an Feiertagen von 10 – 17 Uhr

Seit 1982 befindet sich auf einem abgelegenen Bergbauernhof ganz in der Nähe der slowenischen Grenze, das einzige Museum in Kärnten, das der Geschichte des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus gewidmet ist. Im 30. Bestandsjahr erarbeitete das Kuratorenteam Lisa Rettl, Werner Koroschitz und Uli Vonbank-Schedler im Auftrag des Društvo/Verein Peršman und des Verbands der Kärntner Partisanen eine neue zeitgemäße Dauerausstellung.

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