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Stillstand und Bewegung

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Stillstand und Bewegung

geschrieben am 28.01.2010 10:19

Die Tanz.Serie blickt gemeinsam mit der Kritikerin und Expertin Andrea Hein auf die Bedeutung für die heimische Bewegungsvielfalt. Während in Kärnten eine Tanzszene kaum mehr vorhanden ist, werden zumindest Beispiele außerhalb des Landes herangezogen.


Kritikerin aus Leidenschaft


Andrea Hein wirft sich seit Jahren heftig für den Tanz in die Szene

Sie ist die Grande Dame der Kärntner Tanzkritik. Zart und zierlich sitzt sie mir im Café gegenüber. Jung wirkt sie mit ihren hellen, kinnlangen Haaren. Kaum zu glauben, dass sie kürzlich ihren 59er feierte und sich den Geburtstag mit George Balanchine (1904-1983), dem berühmten, neoklassizistischen Choreografen, teilt. Über Andrea Hein ein Porträt zu schreiben, erfordert Hartnäckigkeit. Mit: „Ich bin nicht wichtig“ und „Ich möchte nicht im Mittelpunkt stehen“, versuchte sie ein Interview charmant zu umschiffen. Erst das Versprechen, das Gespräch auf den Tanz in Kärnten zu fokussieren, ließ sie einwilligen.

Seit 1992 schreibt Andrea Hein Kulturkritiken für die Kronenzeitung und weitere Medien, beispielsweise das online-Fachmagazin tanz.at. Internationale Festivals und den Alpen-Adria-Raum bereist sie systematisch. Im Sommer kann es passieren, dass sie mit dem Rad bis zum Teatro Nouvo Giovanni da Udine fährt, denn der Drahtesel ist ihre zweite Leidenschaft neben der Kunst. Fundierte Seh-Erfahrung, breite Allgemeinbildung, Fachwissen und leidenschaftliche Liebe zum Theater, das sind die entscheidenden Voraussetzungen jeder Kritik.

Andrea Heins Werdegang war keineswegs vorgezeichnet: Geboren und aufgewachsen in Graz wurde sie als talentierte Turnerin an die Grazer Oper zum Ballettunterricht geschickt. Eine professionelle Tanzkarriere sollte erst ihre Tochter, die inzwischen vielfach ausgezeichnete Anna Hein, einschlagen. Sie selbst hatte nie derartige Ambitionen, blieb aber dem Theater und Tanz eine treue Besucherin. Neben dem Gymnasium absolvierte sie das Konservatorium in den Fächern Flöte und Klavier. Nach der Matura studierte sie Französisch und diplomierte zur akademisch geprüften Übersetzerin. Drei Söhne und eine Tochter ließen sie ihre Schreibambitionen jahrelang auf Sparflamme köcheln, ehe sie Anfang der 90er – inzwischen Wahlkärntnerin – beruflich erneut durchstartete.

„Professioneller Tanz ist in Kärnten nicht (mehr) vorhanden“, urteilt Andrea Hein hart, in einer Mischung aus Ärger und Resignation. Neidvoll blickt sie über die Grenzen des Bundeslandes. Peter Breuer beispielsweise, der Ballettdirektor des Salzburger Landestheaters, bietet seinem Publikum kontinuierlich hausgemachtes Ballett. Obwohl Breuer als Choreograf nicht in der Top-Liga spielt – dazu ist seine künstlerische Handschrift zu blass –, schätzt Andrea Hein, dass er sich seit 19 Jahren mit kleinem Ensemble und bescheidenem Etat wacker schlägt. Davon kann man in Kärnten nur träumen. Dietmar Pflegerl sperrte 1992 die Sparte Ballett am Stadttheater Klagenfurt zu. Josef Köpplinger beließ es dabei. „Inzwischen ist viel Tanzwissen im Publikum verloren gegangen“, so Andrea Hein. Mindestens drei professionelle Tanzproduktionen seien pro Saison an einem Stadttheater notwendig, um die Zuschauer mit unterschiedlichen Stilen und künstlerischen Ansätzen vertraut zu machen. Die Wunschliste von Andrea Hein für Kärnten ist lang: Eine professionelle Tanzausbildung, eine lebendige zeitgenössische und klassische Tanzszene, ausreichende Fördermittel für lokale Tanzschaffende und für viele, viele, spannende Gastspiele. Bis dahin bleibt ihr nichts anderes übrig als weiterhin zu reisen, um uns schreibend auf dem Laufenden zu halten. Als nächstes besucht sie Peter Breuers neue Choreografie „Marilyn“ in Salzburg, die hoffentlich – wie schon andere Breuersche Tanztheater – zumindest im Congress Center Villach Station machen wird.

Ingrid Türk-Chlapek


Marilyn
Ein Ballett von Peter Breuer und Andreas Geier
10., 20. 2. u. 18. 3. 2010
Ausstattung: Dorin Gal
Musik: Franz-Josef Grümmer und Rolf-Theo Schulte
Video: Thomas Zengerle
Landestheater Salzburg
www.salzburger-landestheater.at
Tel.: 0662/871512-222

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