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Strafe und Sühne

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Strafe und Sühne

geschrieben am 26.02.2010 14:20

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass auch der berühmte Erfinder Daidalos seiner Strafe nicht entkommen konnte. Wie die Untaten des Vaters von Ikarus bestraft wurden erfährt der Leser in einem Abstecher in die „Antike.Welt“.

Da staunten die Athener nicht schlecht, wie konnte so etwas möglich sein? Statuen mit geöffneten Augen und in gelockerter Haltung, die so lebensnah wirkten, dass man meinte, sie könnten jederzeit auf und davon gehen! Doch als sie erfuhren, wer sie mit diesen Meisterwerken verblüffte, wurde ihnen alles klar: es war natürlich einmal mehr der geniale Daidalos, Spross einer uralten Erfinderfamilie, die ihre Herkunft auf den göttlichen Tüftler und Techniker Hephaistos selbst zurückführte. Bei einer derart illustren Verwandtschaft ist es nicht weiter verwunderlich, dass Daidalos nicht nur als Bildhauer, sondern auch als Architekt und Erfinder immer neuer, ausgeklügelter Werkzeuge und Gerätschaften von sich reden machte. Nur leider konnten die charakterlichen Qualitäten des Genies beileibe nicht mit seiner überreichen technisch-künstlerischen Begabung mithalten. Das zeigte sich besonders deutlich, als er – wie damals üblich – seinen Neffen Perdix in die Lehre nahm. Dieser Knabe erwies sich nämlich schon bald als so findig und geschickt, dass er bereits im zarten Alter von zwölf Jahren für so bahnbrechende Erfindungen wie die Töpferscheibe, die Säge oder den Zirkel verantwortlich war. Doch statt stolz auf die Begabung seines Schützlings zu sein, fürchtete Daidalos um den eigenen Ruhm, zumal der Konkurrent aus der eigenen Familie ja noch sein ganzes Erfinderleben vor sich hatte. Die einzige Lösung des Problems: Perdix musste verschwinden. Und so stürzte der eifersüchtige Onkel den lästigen Neffen kurzerhand von der Akropolis, dem Burgberg Athens, in den Tod.

Zu seinem Pech wurde er aber ausgerechnet in dem Moment überrascht, als er die Leiche des Ermordeten still und heimlich vergraben wollte. Zwar gelang es Daidalos noch, sich durch Flucht aus Athen einer Verurteilung zu entziehen und mit seinem Sohn Ikarus Unterschlupf am Hof des legendären Königs Minos auf Kreta zu finden, seinem Schicksal konnte er aber dennoch nicht entrinnen. Dem Intrigenspiel am kretischen Hof war der charakterschwache Erfinder nämlich keineswegs gewachsen und so traf ihn, nachdem er der liebeshungrigen Königin Pasiphae bei einem verhängnisvollen Seitensprung geholfen hatte, die Rache des gehörnten Gatten Minos mit aller Macht. Ehe er sich versah, fand sich Daidalos mit seinem Sohn just in jenem Labyrinth gefangen, das er selbst für den kretischen Machthaber entworfen hatte.

Der tragische Ausgang seiner Flucht aus dem selbst erdachten Gefängnis ist wohl bekannt: zwar gelang es dem genialen Techniker, aus Wachs und Federn ein Fluggerät zu konstruieren, mit dem man in die Freiheit fliegen konnte, doch vergaß Ikarus ob seiner jugendlichen Begeisterung am ungewohnten Fluggefühl jede Vorsicht, stieg viel zu hoch auf und stürzte vor den Augen des entsetzten Vaters in den Tod. Diesem blieb somit nichts anderes übrig, als den Leichnam des geliebten Sohnes zu bergen und auf der nächstgelegenen Insel zu begraben, die zu Ehren des Verunglückten noch heute den Namen „Ikaria“ trägt. Ganz ungestört blieb er aber auch bei dieser bitteren Verrichtung nicht: ein Rebhuhn, griechisch „perdix“, stellte sich nämlich als ungebetener Trauergast ein und erinnerte Daidalos mit spöttischem Geschrei daran, dass er ja nicht zum ersten Mal zur Bestattung eines verunglückten Knaben aus der engsten Verwandtschaft schritt.
Mario Rausch

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