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Suche nach Ursprung

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Suche nach Ursprung

geschrieben am 06.06.2012 09:30

Grünspan, die Plattform für Kunst und Kultur setzt seit Jahren nicht nur im Drautal wichtige Akzente, sondern in ganz Kärnten und darüber hinaus findet die visionäre Kulturarbeit entsprechende Aufmerksamkeit. Heuer mit Kunst aus Gugging und Art Brut.

C4H6CuO4 = Grünspan

Eine Plattform für Kunst und Kultur im Drautal „auf der Suche nach der Ursprünglichkeit“

Das hätte sich die diplomierte Agrarwirtin Margot Fassler nicht träumen lassen, dass sie nämlich eines Tages zur Mitbegründerin einer der spannendsten privaten Kulturinitiativen Kärntens würde.

Alles begann durch Zufall an der Kunsthalle Krems, wo Fassler nach ihrem Studium jobbte und sowohl Kunstmanagement als auch ihren späteren Lebenspartner, den Kärntner Künstler Norbert Kaltenhofer, kennenlernte. Wieder durch Zufall entstand angesichts eines alten Stadels auf dem ehemaligen Gut Sachsenhof in Kaltenhofers Heimatort Feffernitz in der Gemeinde Paternion 1997 die Idee zur eigenen Kulturarbeit. Der Stadel wurde in einen multimedial bespielbaren, schlicht aber edel ausgestatteten Veranstaltungsraum umfunktioniert, der Name „Atelier Kaltenhofer“ kreiert und die Kulturinitiative war fertig. So leicht – so schwer. Vorerst an der öffentlichen Hand vorbei gab es erste Konzerte und Ausstellungen, die sich durch geschickte Auswahl der Künstler und der gewählten Themen auszeichneten.

Das Schöne an der Geschichte kommt noch: Ing. Werner Mayer aus Paternion hatte in der Folge die geniale Idee, auf dem „Atelier Kaltenhofer“ aufbauend die fünf regionalen Gemeinden Ferndorf, Fresach, Paternion, Stockenboi und Weißenstein für ein aufwändigeres Kunstprojekt zu gewinnen und 1 Euro pro Kopf und Nase beizusteuern – die Geburt von „Grünspan“. Das wirklich Schönste aber an der Geschichte: das Land Kärnten verdoppelte über das Budget der Gemeindeförderung jeden Euro. Kulturförderung auf Umwegen. Mit Recht verweist die Homepage von Paternion auf die hierorts ungewöhnliche Initiative. Ziel sei die Präsentation und Vermittlung zeitgenössischer bildender Kunst, Musik, Theater, Literatur und weiterer Sparten, jeweils im Rahmen eines Jahresschwerpunktes.

Atelier Kaltenhofer. Die Projektplanung des Organisatorenteams Fassler–Kaltenhofer richtet sich einerseits an thematischen Interessen, andererseits an Künstlerpersonen aus. Vieles wird geplant, manches fliegt von selbst zu. Insgesamt ist Grünspan – seit 2008 als Verein geführt – eine Kunstplattform, deren durchwachsene Buntheit die Diversität der Kunstszene widerspiegelt, wobei immer wieder auf die elementar-intuitive Kunst fokussiert wird. Neben den Ausstellungen gibt es nach Lust und Laune Konzerte oder Performances.

Exil. 2009 etwa waren unter dem Titel „Exil“ höchst unterschiedliche Facetten des Andersseins- bzw. Anderslebens zu sehen. Innere und äußere Exile, im Mittelpunkt die mystisch-rituellen Bilder des im kolumbianischen „Exil“ verstorbenen Klagenfurters Heinz Goll, der heute bestenfalls als Schöpfer des Wörtherseemanndls bekannt ist, in den Sechzigern aber als Aktionist wichtige Initiativen wie die „Grüne Galerie“, den „Kontaktofen“ oder die Käferkeusche ins Leben rief (siehe auch Bruecke Nr. 99/Sommer 2009).

Von den existenziellen Darstellungen Golls zum Programm im Jahr 2010 mit seinem regional-slowenisch-kärntnerischen Schwerpunkt führte ein direkter Weg. 2011 waren die Frauen dran. Frauen und ihre aufmüpfigen Statements spielen bei „Grünspan“ eine wichtige Rolle. Da steht schon allein die Organisatorin Pate. Selbst eine von den mutigen, unabhängigen, starken Frauen, durchsetzt Margot Fassler ganz nach dem Motto „Was man verschweigt, ist nicht“ ihr Programm immer wieder mit interessanten Künstlerinnen. Die Ausstellung „female in progress“ warf einen Blick von den Klassikerinnen wie Meina Schellander oder Ona B. bis zu den ganz jungen Künstlerinnen, die, aus der Klasse von Gunter Damisch an der Akademie der Bildenden Künste kommend, gerade ihre höchst unterschiedlichen Arbeiten vorlegen. Im Herbst 2011 war die slowenische Turbo-Allround-Musikerin Maja Osojnik mit ihrer Frauentruppe „subshrubs“ ebenfalls zu Gast (Bruecke Nr. 121/122).

Die laufende Ausstellung „Auf der Suche nach der Ursprünglichkeit“ knüpft in vielem an die visionären Präsentationen vor allem des Jahres 2010 an. Neun Künstler aus dem Gugginger Kreis beweisen, dass Kunst nichts mit Bildung oder Ausbildung zu tun haben muss, sondern Wille und Vision allein zum künstlerischen Ergebnis führen können. Schon allein die Eröffnung war eine Wucht. Nicht nur dass eine große Abordnung aus Gugging die begeisterten Besucher empfing, die stimmige musikalische Gestaltung sorgte für anhaltenden Applaus: die nahe Chikago geborene Musikerin Audrey Chen bringt ihre eigene Klang-Ästhetik im Rahmen improvisatorischer Live-Auftritte. Die US-Amerikanerin mit Chinesischen Wurzeln entwickelte nach einer klassischen Ausbildung zur Cellistin und darauffolgender Gesangsausbildung daraus ihre völlig eigenständige Klangsprache.

Für das in kultureller Hinsicht Jahrzehnte stiefmütterlich behandelte Drautal ist die Plattform ein Lichtblick. Grünspan ist Kupferacetat, das durch Einwirkung von Essig auf Kupfer entsteht. Grünspan steht für Veränderung. „Grünspan“ im Drautal hat die Kulturlandschaft Kärntens fürwahr verändert.

Ilse Schneider


Weitere Infos: www.gruenspan.org

„Art Brut – Werke der Künstler aus Gugging“
Auf der Suche nach der Ursprünglichkeit
Ausstellungszyklus Teil 1 – bis 15. Juli 2012
Teil 2: Selbst erlernt – Kosmos der Sinnlichkeit
des Malers, Dichters und Gastwirts Vratislav Krivák
10. August bis 23. September 2012
Grünspan – Plattform für Kunst
und Kultur im Drautal
Mühlboden/Feffernitz; Öffnungszeiten:
Mi u Do 15-19 Uhr bzw.
Fr, Sa, So 10-12 u. 15-19 Uhr
Tel: 0676/70 22 675

museum gugging
august walla.! weltallende
Bis 28. Oktober 2012
In der groß angelegten Präsentation wird eine der beeindruckendsten Persönlichkeiten unter den Gugginger Künstlern in allen seinen Facetten gewürdigt: als Maler, Text- und Schriftexperimentator und skurriler Environmental-Art-Künstler. Das museum gugging zeigt 2012 die bisher umfassendste Werkschau August Walla (1936 -2001).
Im Novomatic-Salon werden mit gugging favorites.! parallel zur Walla-Schau Highlights der Kunst aus Gugging und damit exemplarische Werke der Weggefährten Wallas gezeigt.
Galerie: SEXI – BLATT
Erotika in der galerie gugging
Bis 7. Oktober 2012

Audrey Chen
Berlin – Baltimore
(zurzeit Artist in Residence in Österreich, Krems)
www.myspace.com/audreychen
kamamaband.wordpress.com


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