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Tanz in den Herbst

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Tanz in den Herbst

geschrieben am 01.10.2009 16:42

Die „Tanzserie“ der Brücke mit berühmten Exponenten gibt es bereits seit Mai. In der aktuellen Ausgabe wird der Traum vom Tanzen in die Tat umgesetzt und welche ersten Schritte dazu nötig sind zeigt ein detaillierter Überblick über die Kärntner Ballet- und Tanzschulen – nachzulesen in der BRUECKE.

Wer kennt nicht die Tanzfilme, in denen ein verarmtes Mädchen kraft ihres Talents und ihrer Disziplin die Aufnahmeprüfung in ein renommiertes Tanzinstitut schafft? In Center Stage 2/Turn It Up (2008) oder How She Moves (2008) tanzen sich die Hauptfiguren auf Erfolgskurs, indem sie soziale Grenzen überschreiten. Gespielt von schönen Mädchen und Burschen, garniert mit einer Romanze, endet dieses Filmgenre meist am Tor zum Paradies – siehe auch Dirty Dancing mit dem gerade erst verstorbenen Hollywoodstar Patrick Swayze. Beliebt beim (ebenfalls) jugendlichen Publikum beeinflussen die Filme nicht nur deren Körper- und Selbstbild, sondern wecken häufig den Wunsch zur Nachahmung.
Oftmals bietet sich der Schulanfang an, den Traum vom Tanzen in die Tat umzusetzen. Spätestens dann im Oktober entscheiden Eltern, Kinder und Jugendliche über die Einschreibung in Tanzklassen privater Ballett- und Tanzschulen. Doch die Auswahl verursacht häufig Kopfzerbrechen, denn die fachliche und pädagogische Kompetenz lässt sich im Vorfeld schwer eruieren. Welche Kriterien sind entscheidend: Der Preis? Die Nähe zum eigenen Wohnort? Die Freundinnen der Kids, die ebenfalls die Schule besuchen?
Katarina Mackh, Leiterin der Tanzschule Nora Mackh, bedauert, dass es bislang keine Lizenz für Tanzschulen gibt: Es ist mir unverständlich, dass in einer Berufssparte, die so viel Schaden anrichten kann, jeder eine Tanzschule eröffnen darf. Die weichen Knochen von Kindern deformieren sich bei unprofessionellem Unterricht. Sie ahnen nicht, was passiert, wenn Mädchen zu früh in Spitzenschuhen trainieren!, warnt Mackh und wünscht sich ein verpflichtendes, österreichisches Gütesiegel.
Auch in Deutschland kämpfen Lehrende seit Jahrzehnten um einen Berufsschutz, allerdings auf vernetzterem Niveau. 1975 wurde der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik in Essen gegründet. Ihm gehören rund 750 Ballettund Tanzpädagoginnen und -pädagogen aus ganz Deutschland an. Der Verband führt regelmäßig Fachseminare durch, welche einen qualifizierten, gesundheitsfördernden Unterricht unterstützen und die Rolle privater Ballett- und Tanzschulen als Vorausbildung des professionellen Tanznachwuchses stärken.
Derzeit orientieren sich interessierte Eltern in Kärnten vor allem an der Mundpropaganda, meint Daniela Moser-Riff von der gleichnamigen Tanzschule. Abgesehen davon klicken sich immer mehr Eltern durch die Websites, bevor sie ihr Kind in eine Schule einschreiben, fährt sie fort. Ein weiteres Auswahlkriterium ist der Preis, denn Ballett- und Tanzunterricht kosten Zeit und Geld und sind daher primär für den bürgerlichen Mittelstand attraktiv. Die Welle des Community Dance, wo Profis mit sozialen Randgruppen tanzen, schwappt seit dem erfolgreichen Tanzfilm Rhythm Is It (2002) aus dem englischen Raum nach Europa, bedarf allerdings staatlicher Unterstützung und ist daher für private Ballett- und Tanzschulen schwer realisierbar.
Bedauerlich, denn Tanzerziehung zahlt sich aus. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen die positiven Auswirkungen von Tanz auf junge Menschen. Für die Sportwissenschaftlerin Claudia Fleischle-Braun begünstigt Tanzerziehung Freude an rhythmischer Bewegung, entfaltet Kreativität, sensibilisiert emotionale Bewegtheit und aktiviert die Ich-Stärkung. Agrippina Waganowa misst den Erfolg ihres 1932 in der UdSSR entwickelten und bis heute anerkannten Unterrichtssystems des Klassischen Tanzes an anatomischen Veränderungen: Alles beginnt mit der Grundhaltung des Körpers, mit der Platzierung der Längsachse der Füße und Beine, um eine größtmögliche Stabilität aller Gelenke und der Wirbelsäule zu erreichen. Der US-Amerikaner Steve Paxton, Begründer der Contact Improvisation, reflektiert das Bildungspotenzial von Tanz philosophisch: Tanz übernimmt die Aufgabe, Körper und Geist für einen Augenblick zusammenzubringen.
Kein Wunder, dass Eltern dem Tanz als sinnvolle Freizeitgestaltung oder leidenschaftlichem Hobby ihres Nachwuchses positiv gegenüberstehen. Solange sich die Kosten im Rahmen halten und die Schulleistungen nicht leiden, zeigen sich die Erwachsenen äußerst kooperativ, erzählt Daniela Moser-Riff. Zu lernen gibt es viel. Das Angebot der Kärntner Tanz- und Ballettschulen reicht von kreativem Kindertanz über Ballett, Modern, Jazz und Musical bis zu jugendkulturellen Tanzformen wie HipHop oder Street Dance. Der Stundenaufbau ist systematisiert, ohne zu langweilen. Eine Jazztanzstunde im Tanzkult- austria, so deren Leiterin Silke Primschitz, startet mit einer Aufwärmphase. Danach vermittelt sie Tanztechnik am Platz, etwa „isolations“, um einzelne Körperteile differenziert bewegen zu lehren. Raumgreifende Drehungen, Sprünge und kleine Kombinationen als „cross the floor“ führen schließlich zum häppchenweise Einstudieren einer flippigen Semester- Choreographie. Unterschiede zwischen Stadt und Land sind ein Klischee, so Claudia Petschenig, die ihr Tanzstudio Dancepoint sowohl in Klagenfurt als auch in Wolfsberg betreibt. „Natürlich ist die Zahl an Tanzschulen in Wolfsberg geringer, räumt sie ein, und die Kinder und Jugendlichen nehmen oft lange Anfahrtszeiten in Kauf, denn unser Einzugsgebiet reicht von Lavamünd bis Preitenegg. Unterm Strich bewegen sich Land- wie Stadtkids aber gleichermaßen gut und gerne. Alle Tanzklassen sind an eine spezielle Altersgruppe und ein bestimmtes Level gebunden, teilweise bieten Ballettund Tanzschulen einzelne Klassen geschlechterbezogen an. Daniela Mackh, Katarinas ältere Schwes ter, richtete 1994 für ihren sechsjährigen Sohn Marco auf dessen Wunsch einen Boys-Kurs ein, der bis heute boomt. Inzwischen starten insgesamt bereits die ersten Schüler von damals durch, denn zahlreiche Kärntner Ballett- und Tanzschulen leisten die Basisarbeit für internationale Karrieren.
Mit der Aufnahme ihrer Sprösslinge in ein renommiertes Institut punkten private Schulen nicht nur im Film, sondern auch in der Realität. Wie weit der Nachwuchs den Traum vom Tanzen und Spielen im Berufsalltag umsetzt, steht dabei in den Sternen. Mädchen, wie Kate aus Center Stage oder Raya aus How She Moves sind zweifelsohne die angehimmelte Fiktion. Der reale Gewinn von Kinder- und Jugendtanz in einer der vielen Kärntner Ballettund Tanzschulen bleibt unbestritten. Ingrid Türk-Chlapek

Dieser Artikel soll den Kärntner Ballett- und Tanzschulen mehr mediale Präsenz einräumen und sie dadurch als einen wertvollen Puzzlestein innerhalb der Kärntner Tanzlandschaft wertschätzen. Die Auswahl der Interviewpartnerinnen ist keine Em pfehlung seitens der Autorin. Wir haben darum versucht, eine möglichst vollständige Liste des breiten Angebots zu recherchieren und dazu einen Aufruf in der Sommer-Bruecke veröffentlicht.

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