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Tradition, Moderne und Authentizität

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Tradition, Moderne und Authentizität

geschrieben am 03.03.2008 09:30

Traditionelle Malerei, Vermittlung Moderner Kunst und Architektur – die Werner Berg Galerie fördert(e) Impulse für ein kulturelles Bewusstsein in und aus Unterkärnten.

Werner Berg war in vielfacher Hinsicht Pionier. In der österreichischen Kunstszene war er der Erste, der – von Ideen der Lebensreform getragen – aus zivilisationskritischen Motiven ein selbst bestimmtes Eremitenleben in einer als ursprünglich und unkorrumpiert empfundenen Lebenswelt suchte. Land und Leute Unterkärntens schienen ihm geeignet, die permanente Suche der modernen Kunst nach vorindustrieller Authentizität mit einem endlosen Schatz an visuellen Fundstücken zu befriedigen – eine durchaus intellektuelle Konstruktion, die das Gegenteil von Verklärung oder gar Folklore ist. Das war in den 1930er Jahren und die nachfolgende NSZeit war keine günstige Periode für derlei Lebensexperimente, da die ländliche Ursprünglichkeit damals für völlig andere Zwecke nachhaltig missbraucht wurde. Es brauchte lange, bis dieses mutige Experiment wieder verstanden werden konnte und es ist vielleicht kein Zufall, dass gerade die Avantgarde der 1960er Jahre wieder ähnliche Ansätze verfolgte. Zivilisationshype und Aussteigertum lagen damals eng nebeneinander und nicht wenige Künstler begeisterten sich zunächst für neue Techniken und Materialien, bevor sie dieser Welt den Rücken kehrten und eine von Grund auf neue, selbst bestimmte Lebenskonstruktion – wieder meist in abgeschiedenen ländlichen Gebieten – wagten. Die Motivation dafür lag auch im Unvermögen traditioneller Kunstinstitutionen, der weit über traditionelle Werkbegriffe hinausgehenden Arbeit dieser notorischen Grenzerweiterer, zu denen Walter Pichler, Hermann Nitsch oder Cornelius Kolig (siehe auch Seite 7) zählen, einen adäquaten Produktions- und Präsentationsrahmen zu bieten. Auch aufgrund dieses Defizits der Museen wuchs so nach und nach das Interesse an Künstlermuseen, die in Frankreich mit zahlreichen Beispielen vom Musée Rodin über das Musée Moreau bis zum Atelier Brancusi schon seit Jahrzehnten etabliert sind und vom Publikum begeistert angenommen werden. Ein Hauptgrund dafür ist zweifellos das Authentizitätserlebnis, das man beispielsweise im Atelier von Cézanne in Aix-en-Provence sehr intensiv erfahren kann. Authentizität ist schließlich jene Qualität, die in der industriellen und postindustriellen Konsumgesellschaft zunehmend zum raren Gut wird. Und auch auf diesem Gebiet war Werner Berg Pionier. Seine eigene Idee, eine Auswahl seiner Werke auf Dauer in einem eigenen Museum in jener Region zu präsentieren, in der sie entstanden waren, führte in den 1970er Jahren zur Gründung der Werner-Berg-Galerie in Bleiburg, die in einem der schönen Altstadthäuser am Hauptplatz untergebracht wurde. Jahrzehnte vor dem derzeitigen Gründungsboom an Künstlermuseen (Nitsch-Museum in Mistelbach, Frohner-Museum in Krems-Stein, Gironcoli- Museum in Herberstein) hatte er damit ein geradezu missionarisches Ziel erreicht: Moderne Kunst ist am Land nicht nur als individuelles Lebensexperiment möglich, sondern auch als öffentliche Institution, die weitreichende Impulse setzen kann – sowohl in der Kunstszene selbst als auch in der Entwicklung eines regionalen kulturellen Bewusstseins und letztlich sogar im Tourismus. Solche Projekte sind jedoch nur mithilfe strategischer Allianzen realisierbar, und im Falle der Werner-Berg- Galerie war es die Freundschaft mit dem ortsansässigen Unternehmer Gottfried Stöckl und die Unterstützung der Kärntner Landesregierung, die das Projekt nach und nach wachsen ließ.

Das neue Haus. Die Landesregierung war es schließlich auch, die sowohl die Sanierung des alten Hauses als auch den Zubau einer hochwertigen Ausstellungshalle finanzierte – eine durchaus weitsichtige Entscheidung. 2001 begann Architekt Peter Fleiß, der nach seinem Studium an der TU Wien bei so bedeutenden Architekten wie Roland Rainer, Manfred Wehdorn und Boris Podrecca gearbeitet hatte, mit der Planung dieser intelligenten und in ihrer Sprache äußerst knappen und stimmigen Anlage. Ausgeführt 2002/03 durfte ich 2004 an ihrer ersten und zugleich erfolgreichen Erprobung unter musealen Anforderungen mitwirken: Am Bleiburger Standort der Landesausstellung „Eremiten-Kosmopoliten“, welche die moderne Malerei Kärntens zum Thema hatte, wurde das beeindruckende internationale Netzwerk an Künstlerfreundschaften von Werner Berg präsentiert. Die städtebaulich- architektonische Lage mit den stark wirksamen Elementen der sie umgebenden Mauer, der wuchtigen Häuser, der zarten Hausgärten mit ihren kleinen Werkstätten (ein paar Häuser weiter liegt das Ensemble, in dem die Künstlerin Kiki Kogelnik aufwuchs) bot dem Architekten reichlich Motive, die er in seinem Entwurf transformieren konnte. Es spricht sehr für seine planerische Ausgewogenheit, den Zubau nicht mit Metaphern und Zitaten überfrachtet zu haben. So wurde nicht einfach der lokale Stein verwendet, sondern eine sinnvolle Verbindung von traditionellem Umgang mit diesem Material und zeitgenössischer Technik: Die Außenwände bestehen aus Betonfertigteilen, deren Oberfläche mit Dolomitschotter belegt wurde. So und ähnlich ging Fleiß auch in den übrigen Bereichen des Baus vor. Innen gibt es im Übergangsbereich zum alten Haus, der taillenartig eingeschnürt ist, viel Holz und große Glaswände, und am Dach, das mit seinen blechernen Sheds die Werkstättenatmosphäre der alten Hinterhöfe sehr stimmig reflektiert, bedient sich Peter Fleiß einer sehr lapidaren Ästhetik, die nirgendwo mehr will als in diesem Kontext angemessen ist. Eine perfekte Hülle zwischen der Kunst im Inneren und dem Baugeflecht der Bleiburger Altstadt-Rückseite rundherum. Auch in technischer Hinsicht ist das Haus bemerkenswert – in den Außenwänden gibt es eine Niedertemperaturheizung und das innere Beleuchtungskonzept ist einfach und effizient. Kein Wunder, dass diese Bemühungen auch anerkannt werden. Als ältestes und eines der schönsten Künstlermuseen Österreichs war ihm ja von Anfang an einige Aufmerksamkeit sicher. Dennoch beeindruckt die Einhelligkeit der überaus positiven Rezeption in Medien aller Art und auch in der Fachwelt (Anerkennungspreis Kärntner Landesbaupreis 2005 durch eine prominent besetzte Jury mit dem Schweizer Stararchitekt Daniele Marques und dem renommierten Wiener Architekturkritiker Otto Kapfinger). Die Tradition von künstlerischer Authentizität, die einst Werner Berg an diesen Ort gebracht hatte, setzt sich so bis zu ihrer jüngsten baulichen Manifestation ungebrochen qualitätsvoll fort.
Matthias Boeckl

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