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Traditionen pflegen

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Traditionen pflegen

geschrieben am 12.12.2011 13:24

Um den Winter auszutreiben schreckt das stärkere Geschlecht nicht davor zurück, sich in tierische Kostüme aus Fellen zu kleiden und sich Hörner aufzusetzen. Wie beeindruckt sich das weibliche Geschlecht davon zeigt, schildert uns ein heiterer Blick auf scheinbar ernste Rituale.

Das Winter-Austreiben

Winterliches Brauchtum im Alpenraum und seine evolutionären Hintergründe. Eine heitere Betrachtung zu den Ritualen der Zeit der langen Nächte.


Perchtenläufe, Bälle und andere gesellschaftliche Rituale des späteren Winters zeigen deutlich und eindrucksvoll, wie nahe wir Menschen unseren EvolutionsVorfahren auch heute noch sind, wenn’s um das paarweise Zusammenkommen geht, um die Art vor dem Aussterben zu bewahren.

Blick.Fänge. Sabrina probiert ihr neues Ballkleid vor dem Spiegel. Der Ausschnitt ist schön tief, genug Platz auf dem Dekolleté für eine mehrreihige Perlenkette samt glitzerndem Anhänger. Der Blickfang liegt nicht weit von der wohlgeformten Büste, um die Taille ist das Kleid schön eng und bringt dadurch die eleganten Hüften vorteilhaft zur Geltung. Zwölf Zentimeter hohe Absätze zeigen, dass es sich um eine ernst zu nehmende Präsentation handelt, beabsichtigt, nicht zufällig. Die Absicht ist klar: Sabrina will die Schönste sein, Blicke anziehen, erwählt werden.

Von wem? Werfen wir einen Blick auf die Schmückungstraditionen des stärkeren Geschlechts: Im Alpenraum gibt es da die ganz besondere Ausprägung männlicher Werberituale in Form der „Muller“ oder „Matschgerer“, wie sie in Tirol heißen. Mit langen Peitschen knallen sie auf die gefrorenen Straßen, der Lärm zeigt – etwas aufdringlich, besitzergreifend - schaut alle her, jetzt kommen wir, und was für lange Peitschen wir haben... Andere haben einen riesigen Kopfschmuck mit Tierfedern und Spiegeln darin. Wieder andere Perchten haben unzählige rechteckige Plättchen auf ihrem Fell aufgenäht und die ganze Kompanie geht – oder besser – hüpft derart, dass ein bizarrer Rhythmus entsteht. Bei diesen Kostümen ist der Bezug zur Tierwelt ganz offen dargestellt: die Männer tragen Felle, Tierfedern, Teile von Geweihen und Hörnern, eventuell sogar Hufe. Wenn sie geschnitzte Masken tragen, so sehen diese häufig Ziegenköpfen oder anderen Horntragenden ähnlich.

Natur.Paarungen. Und was machen die Tiere am Ende des Winters? Sie mausern sich, verlieren das Winterfell, lassen sich neue Haare und Federn wachsen, balzen, manche kämpfen um die Brunft, und sie beginnen Nester zu bauen, um die Art vor dem Aussterben zu bewahren. Das ganze Geschehen ist jahreszeitlich so angelegt, dass es den Winter austreibt, und die junge Brut in die warme Jahreszeit, in den Frühsommer hineinkommt, genug Nahrung vorfindet und noch fliegen und jagen lernen kann, ehe wieder die Blätter von den Bäumen fallen.

Wie wunderbar ist doch die Natur organisiert – und der Mensch mit ihr! Sabrina, die sich für den bürgerlichen Ball schmückt und ein Hias oder Lois, der mit seinen Kumpanen „matschgern“ geht. Die Perchtenvereine arbeiten das ganze Jahr über an der Erneuerung und Verbesserung ihrer Kostüme. Der Aufwand ist groß. Sie scheuen für das schwierige Werben im kalten alpinen Winter keine Mühe. Und es ist sinnvoll: nur wer tüchtig ist, kann seine Familie unter kargen Bedingungen durchbringen. Nur der Hirsch, der die Brunft „gewinnt“, darf sich an der Reproduktion beteiligen.

Mode.Erscheinungen. Bei den Menschen zeigen besonders die Frauen dieses Streben: Ein Modetrend entsteht zunächst, um das Leben zweckmäßiger zu gestalten. Hat man hohe Stöckel, so kann man leichter höher gelegene Objekte erreichen. Eine Hose schafft Bewegungsfreiheit. Sobald die Neuerung etabliert ist, wird sie gleich künstlerisch ausgeschmückt. Man muss auch Aufmerksamkeit auf sich ziehen, um nicht übersehen zu werden und aus der Generationenkette auszuscheiden. Also ist die Hose mal „karottig“, mal „bootcut“, die Stöckel mal höher, mal niedriger, dicker oder bleistiftdünn. Alles hat seinen tieferen Sinn, nichts ist hier zufällig – und besonders nicht zu dieser Jahreszeit – der Zeit der Bälle, der PistenPartys, der Faschingssitzungen.

Lassen auch Sie, liebe BrueckeKulturgemeinde, diese Jahreszeit nicht ungenützt vorüber gehen! Leben Sie im Einklang mit der Natur: Treiben Sie den Winter aus und erleben Sie einen bunten Fasching. Denken Sie beim Besuch der Veranstaltungen an die vorangegangenen Betrachtungen aus der Verhaltensforschung und haben Sie noch mehr Spaß an allem.

Lilly Jaroschka


Prof. Dr. Lilly Jaroschka: die Psycho- und Verhaltenstherapeutin spricht acht Sprachen, lebt in Innsbruck und Klagenfurt, ist Vizepräsidentin des Katholischen Akademiker Verbandes Österreichs und langjährige Bruecke-Autorin.

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