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Tussi-Monolog

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Tussi-Monolog

geschrieben am 31.03.2008 15:30

Eine junge hübsche Frau sitzt in Unterwäsche auf einem Stuhl, auf einem Tischchen stapeln sich unausgepackte Einkäufe aus Boutiquen und Parfumerien. Auf dem Tisch ein silbergerahmtes Foto von Toni Polster.

Auszug aus dem Theaterstück "Spiel mit mir. Der Ball und sein Geschlecht" von Ute Liepold.

Ute Liepold, geb. 1965 in Bregenz, Dr. phil., Studium der Philosophie, Literaturwissenschaft und Soziologie an der Universität Wien, journalistische und publizistische Tätigkeit, diverse Studien und Forschungsprojekte. Sie war Lehrbeauftragte für Feministische Wissenschaft/Gender Studies an der Universität Klagenfurt und erhielt 2001 das österreichische DramatikerInnenstipendium. Sie lebt mit dem Autor Bernd Liepold- Mosser und ihren gemeinsamen drei Kindern als freie Autorin und Regisseurin in Klagenfurt.

TUSSI-MONOLOG:
Aber hallo – Fußballerfrau und Radikal-Emanze, das geht sich sicher nicht aus. Wenn du mit einem Fußballer zusammen bist, brauchst du jede Menge Einfühlungsvermögen. Du musst IHM den Druck nehmen, wenn ER in ein Loch fällt, musst IHM viel nachsehen, wenn ER sich nach einem harten Training oder Match fallen lässt.
Mein Einsatz ist mein Körper. Das Runde – das zieht IHN an.
Kicker sind wie große Kinder. Ihre Arbeit ist ja auch ein Spiel. Bei dem für alle was rausschaut: Mein Golden Goal – SEINE platinene Kreditkarte!
Natürlich gibt es im internationalen Fußballzirkus diese Desperate Housewives, die hauptberuflich shoppen gehen, weil ihnen sonst fad wäre. Da ist die Tussidichte um einiges höher als in der normalen Gesellschaft. Die einen dribbeln über den Rasen, die anderen trippeln über den Laufsteg. Jeder kennt die Auftritte der „WAGs“, sie verstehen: Wives and Girlfriends of the Football Team“ . Die werden als Gucci-bebrillte Heuschrecken über österreichische Provinzstädtchen und ihre Designerboutiquen herfallen.
Die Blicke der Fans werden neben den Spieler-Wadeln auch auf uns hübsche Frauen der Stars fallen, deshalb habe ich mir noch schnell ein paar Glamour-Tipps von Victoria Beckham geholt:
Erster Rat: Mach dich hübsch und kleide dich adrett.
Zweiter Rat: Schau, dass du immer Spaß als Promi- und Glamourfrau hast.
Dritter Rat: Lass dir den Glanz der Glitzerwelt der Stars nicht zu Kopf steigen!
Ich find’s sexy, wenn sich mein Mann vor meinen Augen verausgabt. Fußballer sind moderne Gladiatoren. Wenn die rausgehen und kämpfen – sexy!
Ich bin da locker! Mir schmeichelt das, wenn andere Frauen meinen Typen attraktiv finden. Dass ER mit einer aus der Fankurve was anfängt, da muss ich mir keine Sorgen machen. Die tun mir ja fast leid, weil ich weiß, wie unsere Männer über sie denken.
Die Fußballsachen packt ER selbst, alles andere ich. Dafür ist ER zu bequem.
Ich fördere diese Bequemlichkeit nicht! Im Fußball kriegen sie alles hinterhergetragen. Aber zu Hause verdonnere ich IHN zum Staubsaugen oder Einkaufen. Als ich im Urlaub war, hat ER mal angerufen und gefragt, wie die Spülmaschine angeht. Das ist aber kein Fußballer-, sondern eher ein Männer-Problem...
Ich kann IHN problemlos zwei Wochen allein lassen und muss mir keine Sorgen machen, dass die Sintflut kommt. DER ist selbstständig, auch beim Kochen: Pasta, Pute, Spiegeleier kriegt ER perfekt hin.
Oh ja! ER liebt und sammelt Rotweine, am liebsten Bordeaux. Die Flasche muss mindestens eine Stunde vorher geöffnet werden – natürlich von IHM persönlich. Und dann eine Stunde dekantieren. Wenn ich einen Weißwein will, muss ich zur Tanke laufen...
ER sammelt lieber Handys oder Sonnenbrillen.
SEIN Hobby sind Modell-Helikopter. Die sind teurer als mein Auto. Und ER hat jetzt auch noch ein Meerwasser-Aquarium, für 500 Liter. Der Preis liegt auch auf Kleinwagen-Niveau.
Auch wenn das einige jetzt nicht gerne hören: Ich denke schon, dass die Fußballer zu viel verdienen. Es steht in keiner Relation zu dem Aufwand, den sie betreiben.
ER denkt, dass jeder Cent verdient ist. Er steht unter riesigem Druck. Und er kann sich jederzeit derart verletzen, dass alles vorbei ist.
Wir leben ganz normal. Alles ist ihm untergeordnet und dann gibt es noch das tägliche Match. Kicker sind entweder nicht zu Hause oder sie stehen unter Strom. Ich muss IHM viel nachsehen.Verständnis ist der Schlüssel zum Glück.
Schöner Fußball macht sexy – schauen sie sich doch Ronaldinho an. Der ist mit seinen Hasenzähnen ziemlich hässlich und doch einer der begehrtesten Junggesellen der Welt. Heute sind die Kicker von Welt teuer frisiert, tragen durchgestylte Oberkörper wie Cristiano Ronaldo, schrille Tattoos wie David Beckham oder knackige Gesäße wie Francesco Totti, der mal beim Trikottausch die Hose gleich mit ablegte. Sie verströmen eine geschmeidige, stilsichere Körperlichkeit. Und: es stinkt nicht einmal mehr in ihren Umkleidekabinen.
Das hat Aura: Echte gepflegt-animalische Männlichkeit. Das lockt uns Frauen wie Hündinnen an. Kicker-Groupies versprechen Sex als Siegesbeute, und schon mancher hat die eigene Unwiderstehlichkeit überschätzt - und ist in die Falle getappt.
Und was läuft wirklich bei der EM? Ich sag mal Fast Food Sex!

Textauszug aus dem Theaterstück für das klagenfurter ensemble.

Spiel mit mir. Der Ball und sein Geschlecht von Ute Liepold
Eine One-Woman-Show mit Sissy Noe
im MMKK
In Kooperation mit dem ke-Theater / Klagenfurter Ensemble
Termine: 28., 30., 31., Mai, 5., 6. und 13. Juni 2008
Tickets: ke: T: 0463 310 300

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