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Über die Bilderflut

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Über die Bilderflut

geschrieben am 28.01.2010 10:08

Das neue Filmepos „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ von James Cameron überflutet das menschliche Auge mit Bildern, ohne es dabei zu überlasten. Die vielen Dimensionen und die Computertechnik lassen den Zuschauer tief in die Geschichte eintauchen und führen die Filmkunst in die nächste Epoche.


Selten eine Bilderflut so genossen...


Die vielen Dimensionen von James Camerons „Avatar“

„Selten eine Bilderflut so genossen. Vor allem auch die ruhigen, poetischen Szenen. Wahrlich ein Sprung in eine neue Kinodimension“ – mehr stand nicht in der knappen E-Mail, die ich meinem Sohn nach Graz sandte, nachdem ich „Avatar“ gesehen hatte, in 3D und digital. (Dass ich dazu ins Cineplexx nach Villach fahren musste, verschwieg ich ihm schamhaft. Es ist eine Schande für Klagenfurt, dass der hiesige Kinomonopolist es nicht für nötig befand, einen Kinosaal rechtzeitig umzurüsten.)

Mehr fiel mir anfänglich auch nicht ein dazu. Ich wollte die Bilder, die mir buchstäblich noch vor Augen schwebten, nicht zerreden, sondern mich so an sie erinnern, wie ich sie gesehen und empfunden hatte, durch die schwarze Brille, die jeder zum Aufsetzen bekam und die zum ersten Mal eine wirklich räumliche, dreidimensionale Sicht ermöglichte. Man befand sich nicht mehr vor einem Filmbild, sondern plötzlich mitten drinnen, wollte sich schon um drehen, wenn ein unbekanntes, seltsames Lebewesen an einem vorbeischwebte, ähnlich einem der Geschöpfe aus der Tiefsee, die bis vor wenigen Jahren noch keiner gesehen hatte.

„Aliens of the Deep“ (Aliens der Meere) hieß der Dokumentarfilm, den James Cameron vor „Avatar“ gemacht hat. Schon in „Abyss“ (1989) gaben traumhaft schöne Aliens, die in ihrem riesigen Raumschiff in den Meerestiefen warteten, der Menschheit eine letzte Chance, sich zu besinnen. Aber erst jetzt, 20 Jahre später, ist die fotorealistische Computeranimation technisch so weit entwickelt, dass sie überzeugende Resultate liefert und uns das Ambiente eines fremden Planeten vorzaubert, an dem wir uns nicht sattsehen können. Und die Methode des „Performance capture“ bewirkt, dass wir es bereits hinnehmen, dass virtuelle neben realen Darstellern so selbstverständlich agieren, und wir es nicht als Beleidigung unseres ästhetischen Empfindens auffassen (ohne Zweifel hat James Cameron die besten Animatoren, Designer und Zeichenkünstler der Branche dafür verpflichtet).

Im Gegenteil, wir verstehen, warum jetzt plötzlich wir Menschen als Aliens bezeichnet werden, die eine fremde unbekannte Welt und ihre phantastische Flora und Fauna verwüsten. Wir verstehen, warum sich der Held in die unwiderstehliche Na’vi-Eingeborene verliebt, auch wenn diese fast drei Meter groß ist – eine originelle Pocahontas-Variante des Planeten Pandora – und stürzen uns mit ihm als wilden Drachenreiter in die Tiefen. „Avatar“ ist kein SF-Film, sondern ein Fantasy-Abenteuer, eine seltsame Lovestory, ein Antikriegsfilm („Apokalypse Now“ lässt grüßen) und noch vieles mehr im neuen Gewande. „Avatar“ ist auch ein ökologischer Thriller, der alle Sünden des Menschen auf seiner rücksichtslosen Jagd nach Rohstoffen zusammenfasst.

Nur in den Kampf- und Actionszenen überfordert er mein Aufnahmevermögen. Hier hätte ich gerne noch länger hingesehen, die Bilder fliegen zu schnell vorbei. Ich gehöre offensichtlich nicht mehr der Computergame-Generation an, die Egoshooter- gehetzt (der Spieler nur als Anhängsel einer Waffe) durch die Szenerien rasen und für die solche Filme im Wesentlichen auch gedreht werden. Das gleichnamige Computerspiel kam gleichzeitig auf den Markt.

Aber die grandiosen Bilder bleiben dem Film vorbehalten, der eine neue Ära des digitalen 3D-Films einläuten dürfte – und damit ein neues Kapitel der Filmgeschichte. Aber das Schöne an „Avatar“ ist, dass er die alten Mythen des Kinos ernst nimmt und sie nur in modernste Technik kleidet. „Avatar“ kann man – und muss man – wie ein Kind erleben, das zum ersten Mal im Kino sitzt.

Horst Dieter Sihler

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