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Und Gott spricht Armenisch

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Und Gott spricht Armenisch

geschrieben am 09.04.2015 15:35

Der in Kärnten lebende Pianist und Komponist Karen Asatrian ist wieder on Tour: mit Echoes from Armenia sowie seiner neuen Messe Prayer Wheel. Geprägt ist sein Werk durch die Fusion verschiedener Stile und Genres, wobei seine armenischen Wurzeln immer wieder das Klangbild beeinflussen. Armenian Spirit erinnert an historische Gräueltaten und gibt Beispiele für die künstlerische Aufarbeitung kollektiven Schreckens.

„Und Gott spricht Armenisch“ – Armenian Spirit

Eine fulminante Tournee von Karen Asatrian und seinem Ensemble unter dem Motto: 100 Jahre Diaspora – eine musikalisch-literarische Reise in ein niemals verlorenes Land.

Wer Trost sucht und wieder lachen lernen will, sollte nach Armenien fahren. Kaum ein Land ist so untröstlich in seine Geschichte verstrickt, kaum anderswo wird das „Trotzdem“ des Lachens so gelebt wie dort. Woher kommt das? Einerseits ist es die Geschichte jenes ersten Völkermords des 20. Jahrhunderts, der bis heute nachwirkt und präsent ist, andererseits ist es der Lebensmut, der gerade daraus entstanden ist. Kaum ein Volk lebt so selbstverständlich international, in jeder Familie werden viele Sprachen gesprochen, die „Nation“ ist das eine, die „Resig-Nation“ das andere. „Armenian Spirit“ bedeutet vor allem in diesem Jahr, in dem der 100. Jahrestag des Völkermordes international präsent ist, Lebendigkeit. Sowohl die Musik, die uralte Wurzeln hat, wächst in die Zukunft, und auch die Literatur wächst weiter und wird jünger. Karen Asatrian schlägt hier mit großer Bravour eine Brücke zwischen der „alten“ Musik und frischen, kraftvollen musikalischen Ideen.

Der Stolz auf das Eigene, die Berge, die Kirchen, die Tradition, der Stolz aufs Überleben ist das Eine, die Neugier und die Lust auf etwas ganz Neues ist das Andere. Zwischen all dem leben die Armenier in diesen Wochen und Monaten besonders intensiv und wir mit ihnen. Vor allem dann, wenn wir uns auf diesen „Armenian Spirit“ einlassen wollen. Karen Asatrian ist hier als Musiker ein Dolmetscher und präsentiert damit auch armenische Tradition. Seit vielen Jahrhunderten sind die Armenier Übersetzer zwischen Kulturen, aufgrund der Sprachgewandtheit, aufgrund des Interesses für alles Moderne, aufgrund der Neugier für Ideen der Verständigung. „Armenian Spirit“ kann uns vielleicht nicht trösten, denn die Traurigkeit und unser aller Traurigkeit sitzt tief. „Armenian Spirit“ kann uns aber beflügeln, damit wir aus der Dunkelheit in ein gutes Licht fliegen können und dieses Licht kann durchaus auch das Licht Armeniens sein – denn: Wer liest, der muss die Augen öffnen. Oft ist das Licht des Papiers strahlender als der Himmel.

Wenn es ein Buch gibt, mit dem Titel „Und Gott spricht Armenisch“, dann wird vieles darin erzählt: Der Alltag, die Versuchungen der Gemütlichkeit, die Erotik des grausamen Wetters, das Reden übers Überleben, die Ratlosigkeit im Umgang mit der eigenen Geschichte, aber vor allem das eine: Sprache, das Miteinander-Sprechen kann Menschenleben retten oder immerhin Hirne am Leben erhalten, um nicht in die Dumpfheit des Nationalismus, der Folk lore, der Phantasielosigkeit zu verfallen. Nur keine Uniformen, nur keine Trachten, lesende Menschen wissen das. Auch das Lesen kann trösten und hat es schon immer gekonnt, vor allem für die Armenier, die mit großer Leidenschaft ihr Leben lesen – und wir mit ihnen. So wird die Traurigkeit der Vergangenheit überlistet und die Zukunft erfunden, armenisch inspiriert.

Herbert Maurer


PRAYER WHEEL
Die vergangenen gemeinsamen Konzerte der Missa in Jazz von Peter Schindler inspirierten Karen Asatrian zu einem klangvollen cross-over- Projekt in Zusammenarbeit mit dem Kammerchor Norbert Artner unter der Leitung von Herwig Wiener-Püschel. Im Stil der abendländischen Musiktradition hat der aus Armenien stammende Pianist und Komponist eine Messe geschaffen, die auf der frühchristlichen Liturgie aufbaut. Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei erklingen in neuem Gewand, das aus orientalischen und abendländischen Klangmustern gewoben ist. Die lateinische Sprache und die beschwörenden Wiederholungen lassen aber auch an buddhistische Gebetsmühlen denken und geben dem Werk seinen Namen: PRAYER WHEEL. Karen Asatrian mit seinem Ensemble ist außerdem in den nächsten Monaten in Österreich „on tour“ und mit einem Armenien- Schwerpunkt im Porgy & Bess.
www.asatrian.net

Herbert Maurer ist Schriftsteller, Übersetzer und Armenienkenner; lebt derzeit in Wien; Werfel-Medaille, Rheingau-Literaturpreis etc. Sein Buch „Und Gott spricht Armenisch – zwischen Menschen und Sprache“ ist im Klever- Verlag erschienen. www.herbertmaurer.at
Weiters zu empfehlen: „Bitte Regen“, eine Anthologie neuer armenischer Literatur, Wieser Verlag.

ECHOES FROM ARMENIA
Drei Tage Musik, Kunst, Film, Literatur und Kulinarik aus Armenien.
23. – 25. April 2015 | Porgy & Bess | Wien
25. April: Rita Movsesian & Karen Asatrian Band (ARM|IRQ|AT|HR). Idee & Musik: Karen Asatrian | Sprecher & Moderation: Herbert Maurer
24. April: PRAYER WHEEL
Messe für Chor und Jazz-Quartett von Karen Asatrian. Mitwirkende: Kammerchor Norbert Artner, Dirigent: Herwig Wiener-Püschel,
Piano: Karen Asatrian, Trompete/Flügelhorn: Daniel Nösig, Bass: Stefan Gfrerrer, Drums & Percussion: Emil Krištof.
Wiederaufnahme PRAYER WHEEL in Kärnten:
18. April, 19 Uhr in St. Michael (bei Bleiburg) und
19. April, 19 Uhr im Alban Berg Konzertsaal, Ossiach

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