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Von A nach B

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Von A nach B

geschrieben am 10.12.2014 16:00

Eine ganze Reihe an im wahrsten Sinne des Wortes „ausgezeichneten“ Architekten werden in der Doppelnummer Dezember/Jänner in den Focus gerückt oder kommen selber zu Wort: z.B. Roland Winkler in der Rubrik AUF.GE.WORFEN über Lärmschutz(wände).

Scotty: Beamen!

Captain Kirk an Bruecke: Scotty: Beamen. tuijuijuijuijuijuijuijuijuijuijui. Erledigt. Mehr Geräusche gibt es nicht.

Leider sind wir nicht soweit und brettern noch mit viel Krach in fetten Blechkisten auf schwarzen Teerstreifen durch die Gegend. – Gegendverkehr.

Der schwarze Teerstreifen wurde – leider – notwendig, als man feststellte, dass Pferde besser über Felder laufen können als Räder. Das daraus resultierende notwendige Übel zwischen Absicht und Ziel war die Straße. Eigentlich haben Straßen gar nichts mit unseren Zielen zu tun: Sie gehen selten direkt in die von uns angepeilte Richtung. Dazu hätte man anfangs eine isotrope Straße bauen sollen. Eine einzige! Die allerdings führte in alle Richtungen zugleich – eine Fläche! Fahrschaft statt Landschaft. Da dies aus unerfindlicher Bescheidenheit – sonst sind wir ja nicht so – dem Automenschen vorenthalten blieb, müssen wir stets Umwege auf schmalen Bahnen in Kauf nehmen, die uns noch dazu durch die übrig gebliebene Landschaft zwingen. So ein Schlamassel. Denn was wir bei der Straße nicht geschafft haben – die isotrope Flächenstraße – ist uns bei der Besiedlung gelungen: die Zersiedelung – ein Flächendorf voller Gutshäuser stolzer Demokraten. Eine Stimme – ein Haus – ein Zaun. Ermöglicht durch Erdöl, mit dem man die Straße baut, auf der ein Auto fährt, das mit Erdöl angetrieben wird und zwar so wohlfeil, dass ein jeder es sich leisten kann, auch wenn keiner weiß, wie viel es wirklich kostet, denn die Straße bezahlt ja der Steuerzahler…

So liegt die Straße also im Flächendorf und ist – laut. Da Straße und Reifen aus dem selben Stoff gemacht sind, sollten sie sich eigentlich vertragen. Tun sie auch. Bei 130 Sachen allerdings ist die Kommunikation unter ihnen recht beschwingt und die Bewohner der Flächenstadt nehmen live daran teil, ob sie wollen oder nicht. Darüber sind sie nicht erfreut. Wer interessiert sich schon für die Kommunikationsinhalte zweier notwendiger Übel – dem des Reifens und der Straße – die nur entstanden, weil alle, die in A lebten, nun in B arbeiten wollten. So proben die Bewohner der Flächenstadt den Aufstand und wollen die Straße unhörbar machen. Weil aber die Straße eben nur ein notwendiges Übel ist, machen wir daraus keine Kulturfrage und kümmern uns somit entsprechend (un)ambitioniert um das Thema. Zwei hässliche Wände flankieren die Seiten der Teerfläche, was bewirkt, dass plötzlich aus einem zweidimensionalen ein dreidimensionales Konstrukt wird. Ein langes, stilles Elend, nur plötzlich sichtbar in all seiner unschönen Unabsichtlichkeit.

Ich fasse zusammen: Der moderne Mensch will von A nach B. Pferd zu langsam. Auto braucht Fläche. Fläche wird Band. Band liegt in Landschaft. Auto auf Band durch Landschaft macht Lärm. Landschaft zersiedelt. Zersiedler wollen Ruhe. Ruhe sieht hässlich aus. Und alles zusammen kostet ein Volksvermögen!

…vielleicht hätten wir doch mehr Geld in die Forschung des Beamens stecken sollen, als in den Verkehr… tuijuijuijuijuijuijuijuijuijuijui…

Roland Winkler


DI Roland Winkler, geb. 1965 in Klagenfurt.
Architekturstudium, Technische Universität Graz.
Diplom bei Giselbert Hoke. Seit 1998 winkler +
ruck architekten mit Klaudia Ruck in Klagenfurt.
Lehrtätigkeiten Universität Innsbruck und FH
Spittal/Drau. www.winkler-ruck.com


Bauherrenpreis der ZV:
2014/Schatzkammer Gurk
Landesbaupreise:
2013/Neue Mittelschule Wölfnitz
2012/Parkhaus LKH Villach (mit A4+ Hoke-Leiler- Vögele)
2007/Stadtgartenzentrale Klagenfurt
2001/Loft I
Landesbaupreise – Anerkennung:
2012/Backboard Krumpendorf
2010/Schulzentrum Kühnsdorf
Das Beste Haus:
2013/Backboard
2009/Rundbogenhaus Klagenfurt
Holzbaupreis:
1996/Haus hinter der Mauer Klagenfurt
Holzbaupreis – Anerkennung:
2013/Warm Anziehen Klagenfurt

„Billig bauen will jeder! Auch der, der teuer baut. Wer weiß wirklich, ob er billig gebaut hat. Manch einer baut billig, aber dafür alles zweimal, ein anderer zahlt beim Bau die Hälfte, bei den Fixkosten das Doppelte. Oder man hat ein Passivhaus gebaut, das im Winter zu warm wird. Viele bauen ihr Haus auf einem billigen Grundstück im Grünen und sind ihr restliches Leben unbezahlte Chauffeure im Zweitberuf. Ist es billig, den Stadtrand mit Billigwohnbauten zu vermüllen, während die Stadt voll teurer, aber leerer Wohnungen ist? Baut jeder, der billig baut, wirklich billig?“ Zitat Architekt Roland Winkler, Themengruppe Billig bauen.

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