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Von Emotionen überwältigt

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Von Emotionen überwältigt

geschrieben am 10.12.2014 16:00

Als Komponist und Musiker leitet Edi Oraže seit Jahren mit großem Erfolg eine große Anzahl an Musikprojekten und Chören – ein ganz besonderer darunter ist der sogenannte „Gefangenenchor“.

Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik

Über den Gefangenenchor zu Klagenfurt und sein Weihnachtsprogramm

Zu den besonderen Erinnerungen, die Eduard Oraže als Chorleiter mit seinem menschlich herausforderndsten Projekt verbindet, zählt diese: Ein Chormitglied hatte sich vor drei Jahren dazu durchgerungen, ein Solo zu singen. Die Melodie entstammte dem bekannten Song „Großvater“ von STS. Den Text, eine Klage über die Unzulänglichkeit der Welt, hatte der Sänger selbst verfasst. In den Proben funktionierte der Auftritt perfekt. Beim Konzert aber kam es zu einem kompletten Aussetzer, der nur deshalb weniger bemerkt blieb, weil Oraže, der die Not mitbekam, als Soufleur einsprang.

Von Emotionen überwältigt. Nach dem Event wurde klar, was den Zwischenfall verursacht hatte: Peter Bevc, der Leiter der Justizanstalt Klagenfurt, hatte zu dem Konzert des hauseigenen Gefangenenchors die Mutter des Solisten eingeladen, die dieser im Publikum während seines Auftritts wahrnahm. Wie er auf sie geschaut hat, war alles weg, schildert Oraže die Panne, die er als positives Zeichen sieht: Er wollte wirklich wieder auf einen geraden Weg, und ich hoffe, es ist ihm gelungen.

Musik und Literatur und Kunst. Was macht die Musik mit uns? Heinrich von Kleist hat in seiner Erzählung „Die heilige Cäcilie“ den Volksglauben aufgegriffen, dass die Musik ein Linderungsmittel gegen kriminelle Energien ist. Dem entsprechen Sprichwörter wie Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, schlechte Menschen singen keine Lieder. Die Klagenfurter Wirtschaftspsychologin Linda Pelzmann hat mit ihren Forschungen über den Einfluss der Musik auf Häftlinge vor fünf Jahren den Anstoß dazu gegeben, dass der Ideengeber Brigadier Peter Bevc an den bewährten Musiker, Komponisten und vielfachen Chorleiter Edi Oraže mit der Frage herangetreten ist, ob er bereit wäre, die Leitung eines Häftlings-Chores zu übernehmen.

Weitere Ausweitung der Aktivitäten. Inzwischen hat der Chor schon 30 Mitglieder und ich freue mich über jede schöne Stimme, die neu dazu kommt, gibt Oraže unumwunden zu. Seit dem Vorjahr sind auch Frauen dabei, und es gibt auch eine eigene Rhythmusgruppe, deren Leiterin Natascha Konzilia ist. Derzeit probt man mit den rund 40 Häftlingen wöchentlich mindestens zwei Stunden für das Highlight des Konzertkalenders: die jährliche „Weihnachtsmesse“ am 16. Dezember in der Hauskapelle der Justizanstalt Klagenfurt. Die Kapelle ist zu diesem Anlass randvoll besetzt, auch wenn zu dem mit dem Katholischen Bildungswerk gemeinsam veranstalteten Anlass aus rechtlichen Gründen nur geladene Gäste erscheinen können.

Gefangenenchor wird immer stärker. Trotz der starken Fluktuation der Mitglieder empfindet Oraže das musikalische Niveau seines Chores als stetig steigend, ich weiß auch nicht, wie das geht. Vom berühmten „Gefangenenchor“ aus Verdis „Nabucco“ könne man zwar erst den Anfang summen, aber das Repertoire erweitere sich ständig. Wegen der afrikanischen Chormitglieder fänden Gospel- Songs wie „Oh happy Day“ oder Leonard Cohens „Hallelujah“ bei seinen Mitwirkenden regen Anklang, aber im Vorjahr wäre etwa auch der sehr alpenländische „Andachtsjodler“ ein toller Erfolg gewesen.

Vielfalt der Herkunft und Nationen. Es handle sich bei seinen Sängerinnen und Sängern natürlich um Laien, um Menschen unterschiedlichster Herkunft und verschiedenster Nationalität, von denen viele noch nie gesungen haben. Aber gerade die Frage, ob man solche Leute zur Musik bringen kann, ist für mich ja auch als Lehrer besonders wichtig, und ich bin heute noch überzeugter davon, dass es geht, als ich es jemals war, versichert der Mann, der hauptberuflich die zweisprachige Volksschule 24 in Klagenfurt leitet.

Michael Cerha


Weihnachtskonzert-Messe des Gefangenenchores und der Rhythmusgruppe
am 16. Dezember 2014 um 14 Uhr
in der Anstaltskapelle der Justizanstalt Klagenfurt für die Häftlinge selbst – Eintritt
für wenige andere Gäste (aus Sicherheitsgründen) nur mit Einladung.

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