Herzlich
Willkommen auf der
Kulturhomepage der Kärntner Landesregierung


Ihr Kulturreferent Landesrat DI Christian Benger
Veranstaltungstipps, Nachlese und Kulturnews aus ganz Kärnten.

Von Oxford nach Kärnten

« zurück

Beitrag teilen

Von Oxford nach Kärnten

geschrieben am 26.02.2010 13:40

Die britische Schriftstellerin Fiona Sampson sammelte auf ihrer „Literatour.at“ durch Europa auch Impressionen aus Kärnten. Das melodische Sprachgefühl, das dabei entstanden ist, wird in Beitrag und Vorlese (S. 20) vorgestellt.

Eine zart-kühle Erscheinung gepaart mit vornehm-britischer Blässe schafft es spielerisch, Neugier auf südlich positionierte Leidenschaft zu wecken. Grenzen sind für sie nur schwer auszumachen, verschwimmen in der Vielfalt der Literatur, der sie sich widmet: Fiona Sampson, eine Grenzgängerin auf Kärntner Spuren.
Bei ihrem zweiten Besuch in Klagenfurt am 11. März 2010 wird sie aus einer Auswahl ihrer Gedichte lesen, die zum ersten Mal endlich auch in deutscher Sprache (in der Übersetzung von Nicole Richter auf Anregung der Bruecke, Anm. d. Red.) erschienen sind. Damit bringt Sampson der Landeshauptstadt wohl so etwas wie hochkarätiges internationales Literatur- Flair als Geschenk mit. Die Schriftstellerin und Poetin aus Oxford ist in der Rolle als Vorleserin die ideale auditive Ergänzung zu ihren Texten. In ihren Büchern spricht sie oft über Liebesbeziehungen, auch zwischen Partnern aus unterschiedlichen Kulturen. In einer sehr poetischen und vieldeutigen Weise beschreibt sie psychologische und sexuelle Grenzbereiche, etwa in der Versnovelle „The Distance Between Us“, die sie schon 2006 im Klagenfurter Musilhaus präsentierte. Wie das Überschreiten von Grenzen überhaupt zentrales Thema in Sampsons Curriculum Vitae ist: Nach ihrem „ersten Leben“ als Violonistin mit Studium unter anderem in Salzburg, verschreibt sie sich einem anderen künstlerischen Metier, jenem der Sprache. Heute ist sie – abseits ihrer Lehr- und Forschungstätigkeit an der Oxford Brookes University, am Warwick CAPITAL Centre sowie aktuell an der Newcastle University – unter anderem Herausgeberin von „ Poetry Review“, der ältesten Poesiezeitschrift Großbritanniens. In dieser Funktion, übrigens erst als zweite Frau seit Gründung, setzt sie sich besonders für die Vielfalt an Meinungen und Kulturen innerhalb der Literaturszene ein. Im Rahmen der zweisprachigen Lesung wird sie im Klagenfurter Musilhaus gleichzeitig die neueste Ausgabe der Poetry Review – mit dem Motto „Our Disappearing World“ – vorab präsentieren.

Doch eher untypisch für britische Staatsbürger ist Sampsons Engagement in Sachen Osteuropa: Auch „Orient Express“, ein Magazin mit dem Fokus auf Gegenwartsliteratur aus den post-kommunistischen Ländern, wurde von ihr herausgegeben und stellt einen Kontrapunkt zur insulären Sichtweise dar. Als Verfasserin zahlreicher Bücher, darunter Gedichtbände, sprachphilosopische Werke sowie Arbeiten über „Kreatives Schreiben als Therapieform“, liegen ihr besonders Migration und Übersetzungsprozesse am Herzen. Fiona Sampson ist bei der Wahl ihrer Sprache alles andere als beliebig – sehr präzise vermag sie Bekanntes zu beschreiben und verschafft dem Leser damit individuelle Identifikationsebenen. Sie verweist gerne darauf, dass eben durch diese Genauigkeit ihre Texte auch nach einer Übersetzung in der Substanz erhalten blieben. Wiewohl dabei die Musik wieder eine Rolle spielt: Nicht nur in der Poesie, sondern auch in deren Übersetzung ist das melodische Sprachgefühl entscheidend für das Wechselspiel zwischen Autor bzw. Übersetzer und Leser. Die Werke der mehrfach preisgekrönten Literatin wurden in mittlerweile mehr als dreißig Sprachen, darunter Rumänisch, Serbisch, Hebräisch oder Albanisch, übersetzt.

Anlässlich ihres ersten Klagenfurt- Besuchs im Jahr 2006 hielt sie ihre bildhaften Impressionen von Stadt und Menschen in einem speziell gewidmeten Gedicht – „In Carinthia“ – fest. Ein Auszug daraus befindet sich auf Seite 20, gleichzeitig ist es auch der Auftakt im neu erschienenen Bändchen „Zweimal sieben Gedichte“ aus der Reihe Europa Erlesen Literaturschauplatz im Wieser Verlag. Fiona Sampson zeigt sich stets als tiefgründige Seelenblickerin mit dem fotografischen Auge einer ständig Wachen.
Nicole Richter

10 Jahre Literatour.at
Die Reihe „Literatour.at“ wurde im Frühjahr 2001 mit einem Text von Alois Brandstetter („Johann Beer, H.C. Artmann, Helmut Birkhan und ich“) eröffnet. Inzwischen befindet sich die kleine aber feine Einrichtung im zehnten Jahr und umfasst bis heute renommierte Schriftsteller wie junge Talente: so unterschiedliche Autoren wie Maja Haderlap, die ihre Gedichte in slowenischer Sprache schreibt, über den leider gerade erst zu beklagenden ersten Bachmann-Preisträger, Gert Jonke, bis hin zu dem Schweizer Schriftsteller Franz Hohler, der ein ganz unverwechselbarer Vortragskünstler ist. Und auch der spätere Büchner- Preisträger Josef Winkler war 2006 bei „Literatour.at“ zu Gast. Den Veranstaltern (Katholischer Akademikerverband Kärnten und Robert- Musil-Literaturmuseum), gelang es für 2010 mit Alois Brandstetter für eine Lesung im November (18. 11.) jenen Literaten zu holen, mit dem alles begann. Bis dahin gibt es im Frühjahr mit Fiona Sampson am 11. März (siehe auch Beitrag und VorLese Seite 20), Hanna Lemke (11. 5.) und im Herbst (Fabjan Hafner am 21. 10., jeweils im Musil-Haus) vieles zu erzählen. Denn während Hanna Lemke als Teilnehmerin des Klagenfurter Literaturkurses wiederkehrt und „Gesichertes“ liefert, einen Roman der jungen Generation, schöpft Fabjan Hafner sämtliche Möglichkeiten aus (mittels seiner eigenen „Freisprechanlage“), die ihm als Lyriker und Übersetzer, Germanist sowie Literaturwissenschaftler zur Verfügung stehen.

Interessiert? Bleiben Sie mit dem Kulturchannel in Verbindung!

Wir auf Facebook

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie aktuelle News und Veranstaltungen per E-Mail.