Herzlich
Willkommen auf der
Kulturhomepage der Kärntner Landesregierung


Ihr Kulturreferent Landesrat DI Christian Benger
Veranstaltungstipps, Nachlese und Kulturnews aus ganz Kärnten.

Vorhang auf fürs Welttheater

« zurück

Beitrag teilen

Vorhang auf fürs Welttheater

geschrieben am 13.06.2014 14:30

Die „Stille im Dramolettenwald“ wird von Staatspreisträger Antonio Fian unterbrochen, um mit literarischen Konstruktionen dem Theater (in der Halle11) zu begegnen. Dazwischen bleibt Platz ihm als ersten Humbert Fink Literaturpreisträger zu applaudieren.

Gepriesen sei der Dramolettenwald

Fink-Literaturpreisträger Antonio Fian wird im k.e. uraufgeführt

Der Humbert Fink-Literaturpreis, benannt nach dem Bachmannpreismitbegründer und mit 12.000 Euro dotiert, geschaffen für Autoren mit Kärntner Wurzeln, die in deutscher oder/und slowenischer Sprache schreiben, wird nach dem Entscheid der Juroren Maja Haderlap und Josef Winkler – der auch die Laudatio halten wird – am 2. Juni erstmals von der Stadt Klagenfurt im Musilhaus verliehen. Preisträger ist der in Spittal an der Drau aufgewachsene und in Wien lebende und mit allen literarischen Wassern gewaschene Schriftsteller Antonio Fian (geb. 1956). Er schreibt und schrieb neben Hörspielen – manche gemeinsam mit dem Meister der üblen Nachrede Werner Kofler – Erzählungen, wie den wunderbaren Band Im Schlaf, leider viel zu wenig beachtete Gedichte und legte zuletzt den vom Feuilleton überwiegend positiv aufgenommenen Roman Das Polykrates-Syndrom vor.

Welttheater. Mehr als ein Dutzend Bücher von Fian sind aufgelegt, die meisten bei Droschl. Aber berühmt ist der Österreichische Staatspreisträger für Kulturpublizistik als Meister der Dramolette. Man kann sehr spielen mit der Sprache, was ich immer gern getan habe. Man kann in Versen arbeiten, man kann Szenen bauen … Jede Einzelne ein kleines Welttheater. Das andere Schöne ist, dass die Dramolette in der Gesamtheit ein Drama ergeben, sagt Fian, und Sprache sei für ihn das faszinierendste Mittel, um Wirklichkeit abzubilden.

Ernst.
Fian, der immer wieder die bizarren Vorkommnisse in seinem Heimatland satirisch beäugt, sagt auch, dass ihn schon immer die mathematischen Konstrukte, die einer Sprache zugrunde liegen, begeistern haben. Gustav Ernst konstatiert Fian ist in seinen Dramoletten extrem beleidigend, ungerecht, einseitig und gemein, schadenfroh, boshaft und auch bösartig, gewissermaßen alles, was beste Literatur auch sein soll. Karl Markus Gauß findet Fians Dramolette sind ein wichtiges Moment der österreichischen Literatur, mehr noch: ein witziger Einspruch wider die Gegenwart, die Fians Ahnherr Karl Kraus bekanntlich als Widerpart bezeichnete.

Austriazismen.
Auf jeden Fall hebt sich der Fian’sche Vorhang über all jenen, die uns hinters Licht führen wollen, und es genügt der entblößende Minutenblick, um sich dessen gewahr zu werden, was los ist in Politik und Kultur und dabei ist es egal, welcher Denkart die Darsteller gerade angehören. Die Neue Zürcher Zeitung schrieb über Fians Dramolette: Die Texte für seine satirischen Kürzestdramen muss er nicht erst erfinden, die austriakische Kultur- und Politprominenz liefert ihm ausreichend Originalzitate, die sich blendend montierten und in einen neuen szenischen Rahmen setzen lassen. Fians Kunst der Verfremdung ist dabei erhellend und amüsant zugleich.

Vorhang auf.
Für das Klagenfurter Ensemble hat Peter Wagner aus Fians Dramoletten das Stück Stille im Dramolettenwald mit drei schematisch geordneten Akten eindrucksvoll gebaut, wovon der erste die eher poetischen Sprachbilder bedient, der zweite einer österreichischen und der dritte einer kärntnerischen Färbung unterliegen. Zur Musik von Primus Sitter lässt Wagner in seiner Inszenierung fünf Schauspielerinnen, die allesamt mehrheitlich Männerrollen beeindruckend verkörpern, königlich köstlich auftreten, um die Wirklichkeit des Unwirklichen zu betonen. In jedem Fian-Dramolett wendet er die – bereits erwähnten – mathematischen Konstrukte, die der Sprache zugrunde liegen, auf die öffentliche Sprache an. Und so kann man die gesprochenen Sätze auseinander nehmen, man kann sie untersuchen und die öffentlichen Floskeln wie ein Tuch aufheben, um schließlich zu sehen, was darunter steckt.

Wilhelm Huber


Tipp: Antonio Fian liest am 6. September 2014 um 19.30 Uhr im St. Veiter Rathaushof als Vorbote der St. Veiter Literaturtage.

Antonio Fian
Man kann nicht alles wissen
Dramolette V, 2011
Droschl Verlag
Gebunden, 192 Seiten


Stille im Dramolettenwald
Antonio Fian (UA)
klagenfurter ensemble Produktion; Regie und Choreografie: Peter Wagner;
Musik: Primus Sitter, Kostüme: Bella Ban
Es spielen: Hemma Clemmenti, Petra Staduan, Angie Mautz, Susanne Kubelka, Katharina Schmölzer
Theater Halle 11, Klagenfurt; 5., 6., 7., 11., 12., 13., 14. Juni 2014, 20 Uhr;
www.klagenfurterensemble.at


Wie kein anderer hat Antonio Fian im vergangenen Vierteljahrhundert das Dramolett zu einem eigenen literarischen Genre entwickelt, das auf manchmal witzige, manchmal poetische Weise den politischen und gesellschaftlichen Alltag Österreichs kommentiert. Peter Wagner hat aus hunderten dieser Minidramen eine Auswahl zusammengestellt und zur Uraufführung verwoben. Unter seiner Regie entwickeln fünf Frauen unverhohlen zur Schau gestellte Lust an einem „choreographierten Sprachbegängnis“.

Interessiert? Bleiben Sie mit dem Kulturchannel in Verbindung!

Wir auf Facebook

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie aktuelle News und Veranstaltungen per E-Mail.