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Vorspann nach dem Abspann

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Vorspann nach dem Abspann

geschrieben am 09.04.2014 09:07

Die Diagonale lenkte wieder alle Blicke der heimischen Kinofreunde auf sich. Doch am Ende wird das Festival des österreichischen Films in einem Interview mit der Leiterin Barbara Pichler neu aufgerollt, um die Höhepunkte Revue passieren zu lassen und den Blick in die Zukunft zu werfen.

Nach der Diagonale ist vor der Diagonale

Das 17. Festival des österreichischen Films in Graz bringt ein positives Resümee – und wir dürfen uns auf viele spannende Produktionen freuen

Die Diagonale 2014 machte Graz einmal mehr zum Zentrum des Filmgeschehens. Die 17. Diagonale zeigte 192 Filme, davon 106 im Wettbewerb. Nicht weniger als 44 Uraufführungen und 28 Österreich-Premieren standen auf dem Programm. 104 Regisseure waren persönlich bei den Vorstellungen anwesend. Volle Kinos und zahlreiche bis auf den letzten Platz ausverkaufte Vorstellungen – dem strahlenden Frühlingswetter zum Trotz kann die Diagonale mit rund 25.500 Besuchern einen leichten Anstieg zum ohnehin bestens besuchten Vorjahr vermelden. Doch nicht nur die zahlreichen mit Spannung erwarteten Premieren erwiesen sich als Besuchermagnete. Auch bei Werkstattgesprächen und Podiumsdiskussionen, beim Branchentreffen, bei den Ausstellungen oder der Nightline herrschte großer Andrang. Die Leiterin der Diagonale, Barbara Pichler zog Resümee.

Sie leiten seit 2008 die Diagonale. Worauf legen Sie Wert?
Barbara Pichler: Das Programm spiegelt in einer fokussierten Auswahl die Lebendigkeit des aktuellen österreichischen Filmschaffens wider. Vielfalt, Eigenwillen, Experimentierfreudigkeit, Qualität und Nachwuchs sind nur einige Begriffe, mit denen das Festival vielerorts kommentiert wird.

Was fiel heuer Besonder(e)s auf?
Einen Höhepunkt markierte die dem Wiener Filmkünstler Manfred Neuwirth gewidmete Personale. Zum Publikumsliebling avancierte der diesjährige Tribute- Gast Agnès Godard aus Frankreich – eine Ausnahmeerscheinung, die ihre Kamera für Regisseure wie Agnès Varda, Ursula Meier, Wim Wenders und immer wieder Claire Denis führte. Viel Zuspruch fanden auch die Spezialprogramme zu Peter Lorre und Austrian Pulp. Positives Echo von den rund 150 Fachbesuchern gab es auf das diesjährige Branchentreffen „Digital Revolution Meets Reality“.

In ganz Graz sah man die roten Sackerln, Plakate, Fahrräder, Fahnen … was macht die Diagonale richtig?
Von Festivals kann man lernen, dass kein Film funktioniert, nur weil er ein „guter Film“ ist. Man muss sich bemühen, das Kino muss sich bemühen, diesen Produktionen eine Bühne zu bieten. Das Publikum bekommt etwas, was es im regulären Kinobetrieb nicht bekommt – nämlich das Gespräch mit den Filmschaffenden, mit anderen Cineasten und natürlich die Filme, die im normalen Kinobetrieb zum Teil nicht mehr laufen.

Wie kann man diese Lust weiter wecken?
Man muss ein Angebot schaffen, immer wieder darauf hinweisen, dass es dieses gibt, Geduld haben und nachhaltig denken. Dass es funktionieren kann, beweisen die ermutigenden Besucherzahlen und die positiven Rückmeldungen auf die vielen Filme im Programm der Diagonale, die im regulären Kinobetrieb nur am Rand oder teilweise gar nicht vorkommen. Auffallend ist, dass sich das Publikum in den letzten Jahren häufiger für Dokumentarfilme entschieden hat und die Sonderprogramme haben sensationellen Zulauf.

Was sagen Sie zur Entwicklung des Filmlandes Österreich?
Vor allem in den letzten zehn Jahren hat der österreichische Film eine ausgesprochen hohe Qualität entwickelt, und er zeigt in seiner Vielfalt, was möglich ist. Die Basis des Erfolgs liegt in den 1980er Jahren, als Regisseure wie Haneke oder Seidl und viele andere ihre individuellen Vorstellungen von Film etabliert haben. Wir haben – trotz aller Einschränkungen – ein Selbstverständnis in der Förderung, und es gibt trotz Geldknappheit eine Förderstruktur, die unterschiedlichste und auch innovative Projekte fördert. Österreich war heuer mit zwölf Filmen auf der Berlinale vertreten, das ist für ein kleines Filmland ein geradezu unglaublicher Erfolg. Und das Schöne: Die Filme sind höchst unterschiedlich.

Gab es auch heuer wieder erfreulichen Bezug zu Kärnten, woher Sie stammen?
Neben bekannten Namen wie dem letztjährigen Personale-Gast Josef Dabernig (River Plate) und den Produzenten Helmut Grasser (Allegro Film: Das finstere Tal, Blutgletscher) sowie Gabriele Kranzelbinder (sie war gleich mit vier Filmen erfolgreich vertreten) tauch immer wieder auch neue Namen aus Kärnten auf, die ein Versprechen für die Zukunft abgeben – diesmal ist das Maria Petschnig mit ihrer experimentellen Videoarbeit „Petschniggle“.

Wird ein Film durch einen Preis automatisch erfolgreicher?
Ein ausgezeichneter Film wird wertgeschätzt, bekommt auf alle Fälle mehr öffentliche Aufmerksamkeit und das hat auch eine tolle Werbewirkung. Aber auch Preise garantieren nicht unbedingt Erfolg. Dieser hängt auch vom richtigen Timing beim Kinostart und natürlich von der Konkurrenz ab.

Was haben Sie 2015 vor, Ihrem letzten Jahr als Leiterin der Diagonale?
Ich werde es so wie immer machen: Ich möchte Ideen und Tendenzen in der österreichischen Filmlandschaft zeigen. Jedes Festival ist für mich ein neues. Es ist immer wieder spannend, was die Filmemacher schaffen.

Gibt es Wünsche für die Zukunft der Diagonale?
Ich hoffe, dass die Vielfalt weiter gefördert wird und somit auch erhalten bleibt. Auf einer gesellschaftlichen Ebene wünsche ich mir mehr Verständnis für Kultur und Kulturveranstaltungen, damit der Reichtum, der hier präsentiert wird, auch sichtbar wird. Und ich erwarte mir von der Politik eine differenzierte Diskussion auch finanziell, ohne dass Ressorts wie Soziales, Bildung oder Kultur gegeneinander ausgespielt werden.

Als Vorspann zu den Filmen wirkte eine Videobotschaft, in der 20 Prozent der ORF-Gebühreneinnahmen für die Vergabe von Produktionen in Österreich gefordert werden …
Wie immer positionierte sich das Festival als unverzichtbarer Ort der Begegnung und des Austausches von Filmbranche und Publikum. Zehn Jahre nach der Widerstands-Diagonale regt sich nun erneut Protest. So warnen zahlreiche prominente Vertreter vor den unmittelbaren Auswirkungen der drohenden Mittelkürzung des ORF nach dem Wegfall der Gebührenrefundierung durch die Bundesregierung. Wir sollten alle unterschreiben!*

BB

* www.filmfernsehfreunde.at


Filmpreise der Diagonale 2014
Bei der festlichen Preisverleihung zum Abschluss der heurigen Diagonale wurden im Orpheum Graz 18 Filmpreise verliehen, darunter die mit je 21.000 Euro dotierten Großen Preise für den jeweils besten österreichischen Kinospielfilm bzw. Kinodokumentarfilm. Bester österreichischer Spielfilm wurde Der letzte Tanz von Houchang Allahyari. Nach dem Kurzdoku-Preis 2012 für Das persische Krokodil ist dies die zweite Auszeichnung für den Regisseur bei der Diagonale.
Der Film erzählt von einem jungen Zivildiener, der für einen vermeintlich nicht akzeptablen Akt der Liebe und der Menschlichkeit von der Gesellschaft ausgeschlossen wird.
Those who go Those who stay von Ruth Beckermann – ein Film über das Unterwegssein in der Welt und im eigenen Lebenslauf – gewann den Großen Diagonale-Preis Dokumentarfilm. Der Preis Innovatives Kino ging laut Jury an ein „cineastisches Haiku“ High Tide von Lukas Marxt. Gloria Dürnberger wurde für den sehr persönlichen Dokumentarfilm Das Kind in der Schachtel mit dem Publikumspreis geehrt.
Mit den diesjährigen Schauspielpreisen wurden Erni Mangold für ihre außergewöhnliche Darstellung einer Alzheimerpatientin, ebenfalls in Der letzte Tanz und Gerhard Liebmann für seine bemerkenswerten Auftritte in Blutgletscher, Das finstere Tal und Bad Fucking ausgezeichnet. Bereits bei der Eröffnung war Georg Friedrich mit dem Großen Diagonale-Schauspielpreis für Verdienste um die österreichische Filmkultur gewürdigt worden. Insgesamt wurden im Rahmen der Diagonale 2014 Preise im Wert von knapp 165.000 Euro vergeben.


Großer Diagonale-Preis des Landes Steiermark
Spielfilm: Houchang Allahyari für Der letzte Tanz
Dokumentarfilm: Ruth Beckermann für Those who go Those who stay

Diagonale-Preis Innovatives Kino der Stadt Graz
Lukas Marxt für High Tide
Lobende Erwähnung: Josephine Ahnelt für Wasser aus Korn

Kurzspielfilm von ServusTV
Stefan Bohun für Musik
Lobende Erwähnung: Alexandra Makarová für SOLA

Kurzdoku der Jury der Diözese Graz-Seckau
Antoinette Zwirchmayr für Der Zuhälter und seine Trophäen

Diagonale-Preis der Jugendjury
Britta Schoening, Michaela Taschek und Sandra Wollner für Uns geht es gut

Bildgestaltung des Verbandes Österr. Kameraleute AAC
Thomas W. Kiennast für Das finstere Tal (Spielfilm)
Joerg Burger und Attila Boa für Das große Museum (Doku)

Schnitt des Verbandes Film- und Videoschnitt aea
Karina Ressler für Oktober November (Spielfilm)
Dieter Pichler für Das große Museum (Dokumentarfilm)

Sounddesign des Verbandes Österr. Sounddesigner VOESD
Christoph Amann für Shirley – Visions of Reality (Spielfilm)
José Miguel Enriquez und Alejandro de Icaza für Calle López (Doku)

Szenenbild und Kostümbild des Verbandes Österreichischen Filmausstatter
Christina Schaffer für Fieber (Szenenbild Spielfilm)
Theresa Ebner-Lazek für Die Werkstürmer (Kostümbild Spielfilm)

Diagonale-Publikumspreis der Kleinen Zeitung
Gloria Dürnberger für Das Kind in der Schachtel

Schauspielpreis in Kooperation mit der VDFS
Erni Mangold für Der letzte Tanz
Gerhard Liebmann für Blutgletscher, Das finstere Tal und Bad Fucking

Innovative Produktionsleistung der VAM Verwertungsgesellschaft für audiovisuelle Medien
Prisma Film- und Fernsehproduktion für Alphabet und Dor Film für Der Letzte der Ungerechten

www.diagonale.at


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