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Wer wagt gewinnt

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Wer wagt gewinnt

geschrieben am 08.04.2011 16:46

Mit ihrem Roman „Einladung an die Waghalsigen“ schaffte es Dorothee Elmiger sowohl Publikum als auch Jury beim Bachmannpreis und beim Rauriser Literaturpreis zu überzeugen. Ihr literarisches Wagnis wird in der Reihe „KELAGerlesen“ und in der Vorlese/Prvo Branje der BRUECKE vorgestellt.

Einladung an die Waghalsigen

KELAGerlesen startet heuer mit „seiner“ jüngsten Bachmannpreisträgerin – Dorothee Elmiger erhielt auch den Rauriser Literaturpreis 2011

„Der kurze Weg von Klagenfurt in die Buchhandlungen“, so wie er von der Schweizer Literaturkritikerin Pia Reinacher in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschrieben wurde, Dorothee Elmigers Debütroman „Einladung an die Waghalsigen“ war im Jahr 2010 auf diesem kurzen Weg unterwegs.

Es ist schön zu wissen, dass nicht wenige Bücher von Klagenfurt aus diesen kurzen Weg in die Buchhandlungen genommen haben. Elmigers Roman war noch dazu rasant auf dieser Strecke unterwegs. Dank der verlegerischen Cleverness des in Köln angesiedelten DuMont Literaturverlags, der den Erscheinungstermin von Elmigers Roman um einen Monat vorverlegte. Das Buch erschien so kurz nach den Tagen der deutschsprachigen Literatur 2010, bei denen die Autorin mit dem KELAG-Preis ausgezeichnet worden war.

Man glaubte, „bei Elmigers Klagenfurter Lesung eine neue Stimme gehört zu haben: einen etwas spröden, sachlichen, aber sehr eigenen Ton“, mit dem sie ihre Romanfiguren ausstattet, konstatierte Ulrich Rüdenauer in der ZEIT. Diesen ganz speziellen Ton konnte man auch schon ein Jahr davor im Musil-Haus hören. Die Autorin war damals, mit einem anderen Text, als Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses erstmals am Wörthersee zu Gast.

Sie habe von ihrer Nominierung für den Bachmann-Preis, so Dorothee Elmiger in einem Interview, folgendermaßen erfahren: durch eine Nachricht, die der einladende Juror Paul Jandl auf der Mailbox ihres Handys hinterlassen habe. Leider sei der Akku ihres Mobiltelefons kurz darauf leer gewesen und sie sei allein geblieben mit der Nachricht und mit der Frage, was das denn genau bedeute. Es bedeutete rückblickend: Erfolg, Preisgeld und, was vielleicht am meisten zählt, die Etablierung als Autorin. Und die ist der 1985 geborenen, aus Wetzikon in der Schweiz stammenden, Elmiger sehr schnell gelungen, nach Studien am Schweizer Literaturinstitut in Biel und am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.

Dorothee Elmiger habe ein „faszinierend furchtloses Romandebüt“ vorgelegt, meinte der Kritiker Beat Mazenauer. Die Autorin erkunde „Wege fernab des Mainstreams“ und entwickle dabei „poetischen Eigensinn“. Eigentlich schon ab dem ersten Satz, der da lautet: „Meinerseits war ich oft allein mit den Büchern“. Margarethe Stein sagt diesen Satz. Sie sitzt am Küchentisch und liest. Sie wohnt mit ihrer Schwester Fritzi gleich über der Polizeistation, deren Kommandant der Vater der beiden Schwestern ist. Die Mutter, jene „abtrünnige Frau“, lebt nicht mehr bei ihnen. Margarethe – „mir war nichts anzusehen“ – liest also und Fritzi wandert durch die Gegend. Gemeinsam ist ihnen die Suche nach dem mysteriösen Fluss Buenaventura. Margarethe und Fritzi wohnen in einem ehemaligen Bergbaugebiet. In den früheren Schächten brennt ein Feuer, das nicht gelöscht werden kann. Die Landschaft ist karg und unwirtlich. Es gebe, so die Autorin, ein konkretes Vorbild für die Situation, ein Grubenunglück mit einem Feuer im Untergrund, das sich in Centralia in Pennsylvania ereignet habe. Sie kenne zahlreiche Fotografien, auf denen dieses Unglück dargestellt werde.

„Alles Erinnernswerte hielt ich fest“, dieser Satz stammt von Margarethe Stein, er beschreibt aber auch ein wenig die poetische Methode der jungen Autorin Dorothee Elmiger, die gleichsam auch eine Einladung an waghalsige Leserinnen und Leser ausspricht ihr zu folgen. Auf einem Weg, der die Leser eben nicht auf das Terrain einer ausgearbeiteten Geschichte führt. Sondern sie finden dort „Versuche einer Chronik“ vor. Margarethe, die Romanfigur, stellt diese Versuche an. Die Autorin versucht eine Anordnung in Form von einzelnen Partikeln und Fragmenten, „die zwischen genauer Beobachtung, innerer Wahrnehmung und angelesenen Zitaten oszillieren“, so Beat Mazenauer weiter.

Die „Versuche einer Chronik“ werden in dem Bewusstsein angestellt, dass „die Chronologie eine dreiste Vereinfachung der Dinge bedeutet, zusätzlich eine Relativierung und den grundsätzlichen Verzicht auf Widerspruch“, wie es in dem Roman heißt. Die Autorin Dorothee Elmiger verzichtet in ihrem Buch keineswegs auf Widersprüche. Sie misstraut dem Festgefügten, dem was wir wissen oder besser gesagt zu wissen glauben, nimmt das quasi als Ausgangsmaterial und öffnet auf dieser Basis einen weitläufigen poetischen Raum. Wenn die beiden Schwestern den Fluss Buenaventura suchen und dabei eine alte Karte, auf der die Gegend neben der Mündung des Flusses in einen See als „unerforschtes Land“ bezeichnet wird, zu Hilfe nehmen, dann wird auch klar, wo die Autorin hin will, auf noch unerforschtes sprachliches Gebiet, „a la buena ventura“, auf gut Glück. „Wir müssen jetzt auch von den unbekannten Wegen im Gebiet sprechen“, heißt es an einer Stelle im Roman.

Deshalb liefert Dorothee Elmiger auch „keine ordentliche Bestätigung des altbekannten Gegenwärtigen, nichts Unterhaltsames über unsere Lage, in der wir uns vermeintlich so gut eingerichtet“ haben. Die Schriftstellerin Dorothee Elmiger findet auch wenig „Unterhaltsames“ in unserer gegenwärtigen Lage. Zwischenmenschliche Bindungen seien „fast verschwunden“, die Geschichte sei „scheinbar abwesend“. Es sei gegenwärtig schwierig, „Erfahrungen zu machen, echte Bezüge zu finden und Verbindungen zu ziehen“, weil dafür scheinbar auch keine Notwendigkeit bestehe, so Elmiger Ende September 2010 in einem Interview mit der in Zürich erscheinenden „Wochenzeitung“. Ihre eigenen Fragen in diesem Zusammenhang seien: „Wer ist noch da, wo sind sie und mit wem kann ich mich verbünden“. „Einladung an die Waghalsigen“ ist auch ein sehr politisches Buch.

Kein Wunder, dass Elmigers Buch von Seiten des DuMont Literaturverlags aufgrund des Erfolgs als sein „Debüt des Jahres“ bezeichnet wurde: „leuchtend, eindringlich, originell“. Das fanden viele Beobachter, beileibe nicht nur die Mitglieder der Klagenfurter Jury. Für „Einladung an die Waghalsigen“ wurde Dorothee Elmiger mit dem ZDF-aspekte-Literaturpreis 2010 für das beste deutschsprachige Prosadebüt ausgezeichnet. Und damit war der Preisregen noch lange nicht zu Ende. Die Autorin war im letzten Jahr für den Schweizer Buchpreis nominiert und erhielt Anfang April 2011 auch den Rauriser Literaturpreis.

Dass es nach dem ersten Erfolg als Autorin schwieriger werde, darauf wurde Dorothee Elmiger bereits vielfach hingewiesen, aber sie mache sich darüber keine Sorgen, so die Autorin, weil sie darauf vertrauen könne, dass sie unbedingt schreiben wolle.

Heimo Strempfl


KELAGerlesen 2011
Eine Lesereihe mit der Bruecke als Medienpartner
Dorothee Elmiger: Einladung an die Waghalsigen
27. April 2011, 19.30 Uhr
Musil-Haus, Klagenfurt

Dorothee Elmiger
Einladung an die Waghalsigen
DuMont Buchverlag, Köln 2010
144 Seiten, Hardcover, Euro 16,95
ISBN 978-3-8321-9612-7

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