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Die Geschichten vom Franz

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Die Geschichten vom Franz

geschrieben am 12.04.2017 11:29

Ein Theaterstück von Theater WalTzwerk und KuKuKK in den Kammerlichtspielen Klagenfurt. 
 


Viel ließe sich über Christine Nöstlinger schreiben. Sie verfasste über 150 Romane, Erzählungen und Bilderbuchgeschichten, Drehbücher, Hörspiele und Theaterstücke und erhielt unzählige Auszeichnungen für ihr literarisches Schaffen – wobei sie vor allem auf den Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis (2003) besonders stolz ist, denn „in der Begründung steht ausdrücklich, dass ich den Preis bekommen habe, weil ich eine Anti-Pädagogin bin.“ Bereits in der 70er Jahren galt die Autorin als „renitent“. Und auch heute noch lässt sich im Internet in diversen Foren oft die Warnung vor Nöstlingers „Weihnachtsgeschichten vom Franz“ lesen. Darin wird klar beschrieben, dass es weder Christkind noch Weihnachtsmann gibt, sondern dass Franz‘ Mama für die Geschenke zuständig ist. Genauso bekannt ist eine Szene, in der Franz, sehr zum Leidwesen seiner Nachbarin, seine Hose fallen lässt um der ganzen Welt zu beweisen, dass er eben kein Mädchen sei.

Zwischen 1984 und 2011 wurden 19 verschiedene Geschichten vom Franz veröffentlicht, die die Entwicklung des Franz Fröstl vom Kindergarten bis in die zweite Klasse Volksschule illustrieren, wobei sich jedes der Bücher einem anderen Aspekt des Lebens des Kindes widmet. In Stefan Ebners dramatischer Bearbeitung „Geschichten vom Franz“ sind die besten dieser Erzählungen versammelt. Es kommen die wichtigsten Personen vor und ein wunderbarer Einblick in sein Leben wird geboten. In Klagenfurt kommt das Stück nun unter der Regie von Sabine Kristof- Kranzelbinder in den Kammerlichtspielen zur Aufführung. Die fast 20 Figuren werden von einem vierköpfigen Ensemble bestehend aus Markus Achatz, Sarah Rebecca Kühl, Miha Kristof-Kranzelbinder und Mathias Krispin Bucher verkörpert, wobei der Letztgenannte auch für die Musik zuständig ist.

Zum Inhalt: Zuallererst wäre da Franz. Neben den üblichen Alltagsproblemen gibt es vor allem drei Sachen, die Franz besonders zu schaffen machen. Er ist erstens zu klein für sein Alter, wird zweitens auf Grund seiner Locken oftmals für ein Mädchen gehalten und drittens wird seine Stimme ganz piepsig, wenn er sich aufregt. Franz‘ Nachbarin und gleichzeitig seine beste Freundin ist die Gabi, die zwar grundsätzlich die gleichen Interessen hat wie er, doch mindestens zweimal die Woche liegen sich die beiden in den Haaren. Auch der Klassenbully Eberhard Most darf nicht fehlen. Dazu kommen dann noch die Familie, Lehrer und weitere unzählige Rollen, die es eben braucht, um die unterschiedlichen Begebenheiten auf der Bühne darzustellen.

In Anbetracht des umfangreichen Euvres lässt sich bei Franz nicht von einer typischen Nöstlinger-Figur sprechen: ihre Figuren stammen aus allen gesellschaft- lichen Schichten. Es gibt sowohl Burschen als auch Mädchen als Hauptfiguren. Ihre große Gemeinsamkeit ist, dass sie alle ihren eigenen Kopf und ein großes Herz haben – so frech sie auch manchmal erscheinen wollen. Ein wichtiges Merkmal von Nöstlingers Büchern ist auch, dass sie nie ins Fantastische reichen. Nicht Hexen, Zauberer, Vampire oder Katzen, sondern Franz, Mini oder Frederike sind die Charaktere ihrer Bücher.

Ein weiteres Kennzeichen Charakteristikum ist die Sprache der Autorin: ein Kunstdialekt, der in der tatsächlichen Sprache von Kindern und Jugendlichen wurzelt, eine Sprache, die Nöstlinger vor allem gegenüber den Verlagen in Deutschland verteidigen muss. Sie spricht sich fortwährend gegen eine hochdeutsche Fassung ihrer Bücher und auch gegen die Säuberung von Kinder- und Jugendliteratur von rassistischen Begriffen im Sinne der Political Correctness aus. Das ist ihr alles zu erzieherisch bzw. zu sehr Ausdruck einer Besserungswut. Dementsprechend verwundert es nicht, dass sich Nöstlinger einer gendergerechten Schreibweise, insbesondere dem Binnen-I, verweigert. Bis auf Ausnahmen, wie das erst kürzlich verfilmte „Maikäfer flieg“, sind ihre Texte zwar nicht autobiografisch, um ihren Figuren jedoch etwas näher zu kommen, hilft vielleicht folgende Anekdote aus Nöstlingers Kindheit: „ Ich glaube, sie [die Schule] ist heute schon ein angenehmerer Ort als zu meiner Zeit. Mein furchtbarstes Volksschulerlebnis war, dass ich einmal in meiner Rechenhausübung ausnahmsweise zehn Fehler hatte – und weil ich mich geniert hab, habe ich ‚null Fehler‘ druntergeschrieben. Die Frau Lehrerin ist natürlich draufgekommen und hat gesagt, ich muss mich bei ihr entschuldigen, doch das habe ich nicht zusammengebracht. Andere Kinder haben wie geschmiert gesagt: ‚Ich bitte um Verzeihung, ich werde es nicht mehr tun‘, aber mir kam das nicht über die Lippen. Sechs Wochen lang bin ich jeden Tag eine Stunde vor dem Katheder gestanden und die Frau Lehrerin hat darauf gewartet, dass ich mich entschuldige. Aber ich habe gewonnen: Ich habe es nicht gesagt.“

Alle Beteiligten von „Geschichten vom Franz“ sind in der freien Kärntner Theaterszene keine Unbekannten. Sie waren schon alle als DarstellerInnen oder RegisseurInnen in diversen Produktionen zu erleben. Markus Achatz und Sarah Rebecca Kühl sind die künstlerischen Leiter des Theater WalTzwerk, Sabine Kristof-Kranzelbinder ist Obfrau des Theatervereins „KuKuKK – Kunst und Kultur aus Kärnten/ Koroška“ und Stefan Ebner ist einer der künstlerischen Leiter von TURBOtheater| KopFiNdeRwaNd. Dass sie sich alle trotz eigener Projekte für diese Produktion zusammengefunden haben, liegt einerseits in der bisherigen guten Zusammenarbeit begründet, andererseits ist es auch in Anbetracht immer geringer werdender Subventionen eine Notwendigkeit: Die „Geschichten vom Franz“ sind nur als Ko-Produktion des Theaters WalTzwerk mit dem Verein KuKuKK realisierbar.

Ungeachtet der immer schwieriger werdenden Produktionsbedingungen der freien Kärntner Theaterszene ist „Geschichten vom Franz“ dennoch nur ein Beispiel für die vielen hochkarätigen Stücke, die von den beiden Vereinen in diesem Jahr realisiert werden. Als Verantwortliche für die Kinder- und Jugendtheaterschiene in den Kammerlichtspielen hat Sabine Kristof- Kranzelbinder heuer Wiederaufnahmen der Produktionen „Angstmän“ sowie „Was tun... Ratschläge für den Kleinen Mann“ auf den Spielplan gesetzt. Dort wird im Herbst auch die Produktion „Anders“ des Theaters WalTzwerk und des Klagenfurter Stadttheaters zu sehen sein. Darüber hinaus darf sich das Publikum schon auf eine weitere Produktion von „Peterson und Findus“ vom Theater WalTzwerk freuen, das darüber hinaus „Krieg. Stell dir vor er wäre hier“ als mobiles und/oder Klassenzimmerstück produzieren wird. 

Reinhard Strobl

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