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Die Welt retten? Nicht unbedingt. Alles andere: Ja!

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Die Welt retten? Nicht unbedingt. Alles andere: Ja!

geschrieben am 31.07.2017 10:25

Im Reigen der Museumsmacher zwischen Mistelbach und Zürich tummeln sich zahlreiche Kärntner mit ganz unterschiedlichen Zugängen zu ihrem Metier. Eines haben aber alle gemeinsam: Den Wunsch, schwierige Dinge verständlich zu machen. 


Das Bundesgesetzblatt nennt sie „wissenschaftliche Anstalten öffentlichen Rechts, denen unbewegliche und bewegliche Denkmale im Besitz des Bundes zur Erfüllung ihres kulturpolitischen und wissenschaftlichen Auftrags als gemeinnützige öffentliche Aufgabe anvertraut sind“. Die Rede ist von Museen und wer die Formulierungen des Gesetzgebers liest, muss fast zu dem Schluss kommen, dass es sich dabei um eine recht leblose – um nicht zu sagen: fade – Angelegenheit handelt.

Doch weit gefehlt! Wie spannend und zeitgemäß diese Anstalten sein können, beweisen zahlreiche Museumsmacher mit Kärntner Wurzeln. In Wien, Zürich, Linz und Mistelbach arbeiten sie daran, ein uraltes Konzept den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts anpassen. 

Hemma Schmutz – Lentos & Nordico. 

Zum Beispiel Hemma Schmutz. Die Klagenfurterin steht seit März an der Spitze des Linzer Kunstmuseums Lentos sowie des Stadtmuseums Nordico. Zuvor war sie jahrelang in ihrer Heimatstadt für den Kunstraum Lakeside zuständig. Das Interesse für ihren späteren Beruf wurde der 51-Jährigen nicht in die Wiege gelegt. „In meiner Kindheit in Kärnten kam man mit zeitgenössischer Kunst kaum in Berührung“, erzählt sie. Der Groschen sei bei ihr mit 17 Jahren gefallen. Als Jugendliche absolvierte sie eine Kulturreise nach Südfrankreich. Mit ihrer Gastfamilie besuchte sie eine Picasso-Ausstellung – und war überwältigt von seiner Bildersprache. „Ich habe nicht alles verstanden“, erzählt sie. „Aber Picasso hat mich herausgefordert und nicht mehr losgelassen.“
Warum Picasso? Zufall, meint Schmutz. „Es hätte auch ein anderer Künstler sein können.“ Ausschlaggebend sei die Kunst gewesen, deren Sprache – eine gewisse Empfänglichkeit vorausgesetzt – universell verstanden werden kann. Eines ihrer Ziele ist es daher, jungen Menschen aus bildungsferneren Schichten die Scheu vor der Kunst zu nehmen. Ob sie einen politischen Ansatz verfolge? „Absolut“, sagt Schmutz. Ihr gehe es darum, die feinen, durch Herkunft bestimmten Unterschiede aufzulösen: „Die Beschäftigung mit moderner Kunst hat etwas mit Elternhaus und Bildung zu tun. Das aufzubrechen, ist unsere Aufgabe. Ein Museum muss Möglichkeiten schaffen, damit sich Potenziale entfalten können.“
In Zeiten der sozialen Medien, die Reizüberflutung und gesellschaftliche Spaltung mit sich bringen, komme dem Museum eine besondere Bedeutung zu: „Die Herausforderung liegt darin, das Museum zu einem Ort des Austauschs zu machen, einem nichtökonomischen Raum, in dem Immaterielles vermittelt wird. Wir müssen Raum schaffen für eine egalitäre Gesellschaft.“
Was Pablo Picasso einst für die 17-jährige Schmutz war, soll für heutige Jugendliche Arnulf Rainer sein, dessen Werke in diesen Wochen im Lentos ausgestellt werden. Oder die Sammlung des Berliner Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt, auf der die Schatzkammer des Linzer Museums aufgebaut ist. Am Ende kommt es darauf an, junge Menschen an der Hand zu nehmen und ins Museum zu führen – so wie es einst Schmutzs französische Gasteltern getan haben. Erst vor kurzem hat sich die Museumschefin den Ausstellungskatalog von damals, aus dem Jahr 1983, organisiert. „Ich habe es geschafft, ihn aufzutreiben.“ 

Peter Fritz – MAMUZ Museen. 

Auf ein derart starkes Schlüsselerlebnis wie Schmutz kann Peter Fritz (41) nicht verweisen. Der geborene Lienzer wuchs in Oberdrauburg auf, er studierte in Graz Geschichte und Kulturmanagement. Nach Stationen beim Ludwig-Boltzmann-Institut, wo er sich mit den Folgen des Krieges beschäftigte, und der niederösterreichischen Landesausstellung übernahm er im Jänner die Leitung der MAMUZ-Museen in Asparn und Mistelbach.
Was Fritz mit seiner Linzer Kollegin teilt, ist der Wunsch, komplexe Sachverhalte so darzustellen, dass sie jedermann und jederfrau zugänglich sind: „Diese Idee treibt mich bis heute Tag für Tag an und bildet die Haltung hinter meiner Arbeit“, sagt Fritz. Zugleich warnt der Leiter eines Geschichtsmuseums vor zu hohen Ansprüchen an sein Metier: Ein Museum wie das seine könne eine „Clearingstelle“ sein für aktuelle Fragen zum Thema, es könne auch ein Ort der Begegnung und des Erlebnisses sein. Mehr aber nicht: „Als Museum noch schnell die Welt retten – das ist Marketingsprech, eine leere Phrase und Wunschtraum.“
Ein Museum, sagt Fritz, sei ein Museum: „Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“ Wie Schmutz gelingt es auch ihm, junge Menschen für sein Thema zu begeistern: „Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, wenn wir sie ernst nehmen, sie auf Augenhöhe einladen, sie abholen – dort wo sie gerade sind.“ Bloß müsse man sie ernst nehmen. „Wir dürfen unsere Angebote nicht infantilisieren.“ Ein Museum ist den Jungen zumutbar. 

Sabine Schaschl – Haus Konstruktiv in Zürich.

Vor allzu hochtrabenden Ansprüchen an ein Museum warnt auch Sabine Schaschl. „Selbstverständlich ist es kein Ort der Heilung und es können keine politischen Wunder erwartet werden“, sagt sie. Museen seien vielmehr Orte der Freiheit, in denen Besucherinnen und Besucher „ihre Gedanken und Emotionen furchtlos austauschen können.“
Auch Schaschl wurde einst von einem Museumsbesuch im Ausland geprägt. Nach einer „beschaulichen Kindheit und Jugend in einem kleinen ländlichen Ort in Kärnten“ verschlug es sie mit 19 Jahren nach Los Angeles. Dort hatte es ihr das Museum of Contemporary Art angetan, vor allem die „großzügigen Räume und die darin ausgestellte Kunst.“ Zurück in Österreich schmiss sie nach zwei Jahren ihr Wirtschaftsstudium, um Kunstgeschichte zu inskribieren. Heute leitet die 50-Jährige das Haus Konstruktiv in Zürich. Augenmerk legt sie auf die Partizipation der jungen Besucherinnen und Besucher. Und darauf, dass deren Lebenswelten angesprochen werden: „Es ist für Museen zentral, die jungen Menschen als Zielgruppe zu begreifen und zu kennen sowie sie einzuladen, aktiv mitzuwirken.“

Christian Kircher – Bundestheater-Holding.

Von der Wichtigkeit der Partizipation Jugendlicher kann auch Christian Kircher erzählen. Der Geschäftsführer der Bundestheater-Holding war bis 2016 kaufmännischer Leiter des Wien Museums. Der Kulturmanager verbindet Liebe zu Kunst und Geschichte mit wirtschaftlichem Background: Der 52-Jährige arbeitete lange in der Privatwirtschaft, ehe es ihn in den Kulturbetrieb verschlug. Sein Interesse für Museen wurde früh geweckt: Als Gymnasiast arbeitete der Oberkärntner bei den Ausgrabungen in der Römersadt Teurnia mit. „So bin ich in die Welt der Antike eingestiegen.“
Anders als seine Kollegen ist Kircher überzeugt davon, dass Museen Bindeglieder in einer zersplitterten Gesellschaft sein können. „Ein Museum kann diese wichtige Rolle als Brückenbauer übernehmen. Allerdings braucht es dazu hervorragende Vermittlungsarbeit.“ Nachsatz: „Auf diesem Gebiet gibt es noch immer Nachholbedarf.“ 

Wolfgang Rössler
36, aus Steindorf am Ossiacher See, lebt in Wien, freier Autor und Journalist, unter anderem für die NZZ am Sonntag und das Standard-Album. www.wolfgangroessler.com 

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