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Elements of Sculpture

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Elements of Sculpture

geschrieben am 02.10.2017 10:48

Zur Formensprache Bruno Gironcolis.


Bruno Gironcoli, 1936 in Villach geboren, 2010 in Wien gestorben, gehört zweifelsohne zu den wichtigsten und außergewöhnlichsten Künstlern seiner Generation. Sein herausragendes künstlerisches Werk nimmt im Feld der internationalen zeitgenössischen Skulptur eine einzigartige Stellung ein. 

Ausgangspunkt für die Ausstellung „Bruno Gironcoli. Elements of Sculpture 1964 – 2008.“, die sich mit der Entwicklung der skulpturalen Formensprache des Künstlers seit den frühen 1960er Jahren beschäftigt, ist die zwischen 2003 und 2004 entstandene Skulptur „Wir Villacher Kinder“. Der Guss mit den beeindruckenden Maßen von 420 x 640 x 380 cm, eine der letzten großen Skulpturen, die im Atelier des Künstlers in der Akademie der Künste in Wien entstanden sind, steht in Villach prominent am Europaplatz. Sie besteht aus einem Halbkreis und auf tellerartigen Scheiben angebrachten Babyfiguren, die – anders als in Gironcolis früheren Werken – stark individualisiert dargestellt sind. Flankiert werden sie von Gefäßen in Herzform, die metaphorisch für Ernährung und Versorgung stehen. 

Alle maßgeblichen Komponenten dieser Skulptur sind Elemente, die der Künstler seit Jahrzehnten verwendet hat (Babys, Teller, Herzgefäße), oder Formen, mit denen er sich thematisch-stilistisch lange Zeit auseinandersetzte – etwa dem Kreis bzw. Halbkreis. Diese konstante Bearbeitung von Formen und Themen, die immer wieder neue Ausformung wiederkehrender stilistischer Module ist typisch für die Schaffensweise des Künstlers: „Meine Angelegenheit ist vielleicht das motorische Weiterschreiten, Weiterentwickeln, an einer Sache weiterzuarbeiten, sie immer wieder herzunehmen, sie immer wieder in die Hände zu nehmen und sie zu probieren, von allen Seiten, die möglich sind. Das ist mein Thema.“ (zitiert nach B.M. Busse, Die Skulpturen 1956 – 2008, Ostfildern 2008, S. 236) 

Bruno Gironcolis Vorbilder sind – insbesondere das Frühwerk betreffend – in der internationalen Kunstszene der 1960er Jahre verortet. Die Entwicklung seiner eigenständigen und auf den ersten Blick irritierenden Formensprache vollzog sich u.a. in der Abgeschiedenheit seines großen Bildhauerateliers, das Teil der Bildhauerschule der Akademie der Künste in Wien war, die Gironcoli von 1977 bis 2004 leitete. 

Nach relativ klassischen künstlerischen Anfängen mit Akten und Porträtstudien, die das Bemühen des Künstlers offenbaren, eine eigene Darstellungsweise des menschlichen Gegenübers zu finden, gelangt er über den Werkstoff Polyester, ein in den 1960er Jahren revolutionäres Material, zu einer – wie Gironcoli selbst formulierte – „eigenständigen und zeitgenössischen Darstellungsform des Menschen“. 

Für Bruno Gironcoli war die Reduzierung der Porträts auf abstrakte Formen – so genannte „Köpfe“ (1964 das erste Mal in Polyester) – der Beginn der Entwicklung seiner eigenen künstlerischen Sprache. Ausgestellt wurden diese Arbeiten das erste Mal1967 in der Klagenfurter Galerie Hildebrandt.

Neben für diese Thematik exemplarischen skulpturalen Arbeiten der Jahre 1964 bis 2008, werden in der Ausstellung in der Galerie Freihausgasse auch Arbeiten auf Papier aus der Sammlung der StadtVillach gezeigt, die danach in der Gironcoli-Ausstellung 2018 im mumok in Wien zu sehen sein werden.

Im Ausland wurde der Künstler aktuell mit einer umfassenden Präsentation seines skulpturalen Werkes im Frühjahr 2017 in der Clearing Gallery (Brüssel) gewürdigt. Seit September 2017 ist noch bis Ende des Jahres außerdem die Skulptur „Figur mit ovalförmigen Hängeteilen (4-teilig)“ von 1984 – 1990 aus der Sammlung des Museums Moderner Kunst Kärnten in Paris Meudon zu sehen – und zwar in dem zur bedeutenden Privatsammlung André Bloc gehörenden „Skulpturenpark“.

Bettina M. Busse
Kunsthistorikerin und Kuratorin, Berlin/Wien. Kuratierte zahlreiche internationale Ausstellungen und betreute ebenso viele Publikationen, etwa über Joseph Beuys, Jenny Holzer, Anish Kapoor, Jannis Kounellis, Otto Muehl u.v.a. Aktuell Kuratorin der Gruppenausstellung ICON in der Galerie Krinzinger, Wien. Von 1996 bis 2011 am MAK in Wien als Kuratorin tätig. 2003 gemeinsam mit Kasper König verantwortlich für den österreichischen Pavillon auf der 50. Biennale di Venezia. Seit 2010 Betreuung des Nachlasses von Bruno Gironcoli und Mit-Initiatorin des Bruno Gironcoli Estate, seit 2014 Kuratorin der Bruno Gironcoli Werkverwaltung/Estate Bruno Gironcoli. 






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