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Glaubens-Bilder

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Glaubens-Bilder

geschrieben am 07.12.2016 19:06

Über die Kraft des Visuellen und den Dialog zwischen Kirche und Kunst:
Stand die Kunst lange im Dienst der Kirche, zentrale christliche Inhalte zu ver­ mitteln, emanzipierte sie sich zusehends von dieser Rolle, sodass sich heute zwei autonome Partner gegenüberste­ hen, die ohne gemeinsame Sprache aus­ kommen müssen (Friedhelm Mennekes). Was haben Kunst und Kirche einander aktuell also noch zu sagen? Welche Form des Dialogs können sie heute in einer Welt visueller Dominanz führen?


Mit der durch das Zweite Vatikanische Konzil signalisierten Öffnung und Erneuerung der katholischen Kirche wurden die Kirchen zu innovativen Bildorten, die auf zeitgemäße Begegnung in einer modernen Welt setzen und auf aktuelle Fragen der Gesellschaft reagieren. Für die evange­lisch-­lutherische Kirche gehört die zeitgenössische Kunst zum Selbstverständnis einer selbstbestimmten Kirche dazu. Offenheit und Begegnung auf gleicher Augenhöhe sind Voraussetzungen für diese Beziehung. Die Kirche lässt sich auf das zeitlich aktuelle Gespräch mit der Kunst ein, da diese offener macht für den Glauben.

Womöglich sind Kunst und Glaube doch nicht so weit voneinander entfernt, leben sie doch beide wesentlich von und mit Bildern bzw. durch Bilder. Die Geschichte der christlichen Kunst erzählt von dem religiösen, glaubensstiftenden Potential der Bilder, das über die rein didaktische Vermittlung von Glaubensinhalten hinausgeht. Daher wurde deren Funktion und Legitimität im Zuge von Bilderstreitigkei­ten auch immer wieder unterschiedlich diskutiert.

Kunst als Phänomen des Müssens, und nicht des Könnens, provoziert im besten, ursprünglichen Wortsinn. Sie ruft heraus, sie fordert und fördert ein dynamisiertes Sehen, Neugierde und Veränderungsbe­reitschaft. Ihre Mittel, die Bilder, wollen mehr sein, als „nur“ ein Bild, als bloße Illustration. Sie verlangen danach, dass sie bewegen und dass man sich von ihnen bewegen lässt. Kunst spricht nicht nur unseren Intellekt an, sondern unser emo­tionales und geistiges Ganzes. Sie berührt unsere innere Wahrnehmung, sie gibt – um mit Paul Klee zu sprechen – nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.

Ähnlich verhält es sich mit religiösem Glauben. Auch er ist Ausdruck der inneren Wahrnehmung des Menschen und seines individuellen Selbstverständnisses, das sich in Relation zum Gottesverhältnis begreift. Im Christentum nimmt sich der

Mensch im befreienden, erlösenden Ver­hältnis zu einem alles Leben fördernden Gott bewusst, vertieft und neu wahr. Von diesem Hoffnungsbild wird der Glaube getragen.

Das Visuelle gewinnt in unserer gesam­ten gesellschaftlichen Kommunikation weltweit zunehmend an Bedeutung, auf Kosten der Sprache und der Schrift. Bilder sind unsere Leitsysteme und Orientie­ rungsvorgaben, die täglich um unsere Aufmerksamkeit buhlen und uns heraus­fordern, Hierarchien festzulegen. Die Kompetenz, Bilder entsprechend lesen und damit durch­schauen zu können verlangt uns zusehends eine visuelle Kompetenz ab, deren Grundlage selbstreflektierendes und verantwortungsbewuss­tes Denken ist. Denn Bilder gestalten und beeinflussen unsere Konstruktion von Wirklichkeit mit und besitzen eine enor­me Wirkmächtigkeit. Ihr pädagogischer Mehrwert wirkt sich nachweislich för­dernd und unterstützend auf Lernprozes­se aus. Bilder verhelfen Kindern, noch bevor sie zu lesen beginnen, zu einem ersten vertieften Nachdenken über die Welt und sich selbst.

Zum vertieften Nachdenken regen auch in Kärnten bedeutende künstlerische Arbeiten in sakralen Räumen an. Valentin Oman, Giselbert und Tomas Hoke, Armin Guerino, Kiki Kogelnik, Werner Hofmeis­ter, Johanes Zechner und Lisa Huber, um nur einige KünstlerInnen mit Kärnten­ Bezug zu nennen, lassen sich auf den Dialog mit Religion, Kirche und Glaube ein. Kirche und Kunst scheinen einander zu brauchen, lassen sich bis heute international renommierte KünstlerInnen dafür gewinnen, in und für Kirchen zu arbeiten.

In der Gestaltung des Altars der evan­gelischen Johanneskirche in Klagenfurt durch Valentin Oman treffen wir auf die froh machende Botschaft der christlichen Verkündigung, die gute Nachricht Gottes an den Menschen. Dieser an sich ist persönliches Hauptthema von Omans auto­ nomer künstlerischer Auseinandersetzung. Kreuzigung und Auferstehung als zentrale, aufeinander bezogene christliche Glaubensinhalte, geben, in durchsichtigem Glas materiell verdichtet, das wieder, was der Verfasser des Johannesevangeliums in bildreicher Sprache als Grundmotiv seines gesamten Textes aufscheinen lässt: Die Botschaft von der Gottesherrschaft, die jenseits von Raum und Zeit existiert. Über der menschlichen Gestalt öffnet sich der Himmel. Buchstaben und Worte, die Anfang und (Neu)Schöpfung signalisieren, heben sich wie funkelnde Sterne vom gläsernen Grund ab. Das Wort, identisch mit Gott, war schon im Anfang der Welt da. Bei Gott liegt auch das letzte Wort, das über den Tod hinausgeht und als Bild der Hoffnung das Kreuz überstrahlt.

Johannes der Täufer, der Patron der Pfarrkirche Wölfnitz, steht im Zentrum der malerischen Altarraumgestaltung von Johanes Zechner. Im Jordanwasser stehend, tritt der prophetische Mahner der Endzeit auf und ruft zur Umkehr. Er, der sich selbst als „Stimme eines Predigers in der Wüste, der den Weg des Herrn ebnet“, bezeichnet, verweist auf Christus, das „Lamm Gottes“. Während er selbst nur mit Wasser tauft, wird der, der nach ihm kommt, mit Feuer und Geist taufen. Angeordnet um das zentrale Symbol des dreieinigen Gottes bilden sich die Stationen seines Lebens ab: Zacharias bei der Namensgebung seines Sohnes, der Weg, den es zu begradigen gilt, die symbolhaf­ ten Werkzeuge zur Bewerkstelligung die­ser Umkehr, der Schriftzug „Gott“ als die Wurzel der johanneischen Botschaft.

Die Allwissenheit und Allgegenwärtig­ keit Gottes durchflutet gleichsam als reines Licht die Glasfenster von Lisa Huber in der evangelischen Kirche in Fresach. Mit menschlichen Kriterien ist die Größe Gottes letztendlich nicht fassbar. Dies erkennend, bleibt der Beterin und dem Beter von Psalm 139 nur das Staunen ob der wunderbaren Schöpfung, die das eigene Leben mit einschließt. „Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne... von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir...“. Selbst „am äußersten Meer“, Bild der Orientierungslosigkeit und Gottesferne, leitet und hält diese nach dem Menschen ausgestreckte Hand. Das Licht leuchtet und erhellt die Nacht zum Tag.

Die oft spannungsgeladene Verbindung von Kunst und Kirche wird offenbar von beiden Seiten bewusst gesucht. Sie ist Ausdruck von Vitalität, von Freiheit und Verantwortung, wo auch die Kategorie des Zweifels ihren berechtigten Platz haben darf. Zweifel – in der Religion, wie in der Kunst – steht als Indikator für das freie Denken beiden autonomen Dialogpartnern zu, wollen sie nicht zu Ideologien verkom­men. Dann kann diese spannungsreiche Begegnung zu neuen Erkenntnissen füh­ren. Wie die Kunst, so braucht auch der Glaube die persönliche Auseinanderset­ zung und so sei den Lesenden dieser Zeilen abschließend ans Herz gelegt, sich direkt vor Ort selbst ein Bild vom Bild zu machen. 

Andrea Kirchmeir

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