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Ingeborg Bachmann in der Klischeeanstalt

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Ingeborg Bachmann in der Klischeeanstalt

geschrieben am 31.05.2017 11:20

„Ob genannte Anstalt, deren Inhaber weder der NSDAP noch einer ihrer militärischen Gliederungen angehörte, plant mit dem hierzu notwendigen und bereits sicher gestellten Personal, die Herausgabe einer wöchentlich erscheinenden überparteiischen Kärntner illustrierten Zeitung deren Inhalt sich ausschliesslich auf die Ansprüche der breiten Masse abstimmen wird und so in Bild und Schrift für ein freies demokratisches Kärnten im neuen unabhängigen Staate Österreich einzutreten.“

So beginnt das Schreiben des Inhabers der Klischeeanstalt in der Burggasse 8 mit Betrieb in der Hagenstraße 3, Roman Ritter, an die britische Militärregierung, Abteilung Presse Klagenfurt; datiert 6.5.1945, zwei Tage vor dem offiziellen Kriegsende. 


Im Juli 1946 betritt, mit einem Manuskript unter dem Arm, in Begleitung eines ihr vertrauten Journalisten eine Zwanzigjährige, Tochter einer Nazi-Familie, die trotz ihrer Nazierziehung Thomas Mann, Stefan Zweig, Bert Brecht, Schnitzler und Hofmannsthal gelesen hatte, und die durch ihre nahe Bekanntschaft mit dem als jüdisches Kind in Wien geborenen britischen Besatzungsoffizier Jack Hamesh auch mit den Werken von Marx und Adorno (beide von den Nazis als jüdisch- bolschewistische Autoren gebranntmarkt) vertraut war, die Redaktion in der Klischeeanstalt. Roman Ritter muss wohl gewusst haben, dass diese junge Frau zwar nicht „den Ansprüchen der breiten Masse“ entspricht, aber er muss wohl geahnt haben, dass dieses zarte Wesen den Geist eines „freien demokratischen Kärnten“ verkörperte.

Am 4. August 1946 (sowohl in Werke Band II als auch in Text + Kritik mit 31. Juli 1946 falsch datiert) erschien in Kärntner Illustrierte:

Die Fähre. Ingeborg Bachmanns allererste Erzählung und ihr erster veröffentlichter Text. In jener Zeit notierte Bachmann in ihrem Tagebuch: Das ist der schönste Sommer meines Lebens, und wenn ich hundert Jahre alt werde – das wird der schönste Frühling und Sommer bleiben. Hundert Jahre waren ihr nicht gegeben und es vergingen weitere drei Jahre bis zu ihrer nächsten Veröffentlichung, aber zwanzig Jahre später erinnerte sie mit dem Wort der schönste Frühling in ihrem Roman Der Fall Franza an die Zeit der Befreiung vom Krieg 1945.

Seit 1949 wurden ihre Texte regelmäßig publizert und mit dem schmalen Gedichtband Die gestundete Zeit, 1953 erschienen, war ihr Name schlagartig allen bekannt, auch solchen, für die Lyrik nicht eben zur Lesegewohnheit gehört. Nach ihrem Tod schrieb die Neue Zürcher Zeitung: „Dieses Œuvre gehört zu den großen dichterischen Leistungen unseres Jahrhunderts, es ist von jener Schönheit die allem innewohnt, was rein gedacht und gelebt worden ist.“

Die allerersten Seiten dieses Œuvres wurden in Roman Ritters Kärntner Illus- trierten gedruckt. In der Burggasse 8 ist heute die RitterGallery. Betrieb und Ritter Verlag sind nach wie vor in der Hagenstraße 3. 

Wilhelm Huber

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