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Totenkultur

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Totenkult<ur>

geschrieben am 02.10.2017 11:15

Kalt macht er jeden. Aber kalt lässt er wohl niemanden, der Tod. Die Unentrinnbarkeit macht ihn zu einer zeitlosen Angelegenheit. Eine das Ende greif- und spürbar machende Diagnose, der Verlust eines geliebten Menschen oder die Diskurse über das Recht auf Leben, Sterbehilfe, Abtreibung oder die Todesstrafe erhitzen die Hirne und Herzen und Seelen. 


Häufig ist er Opfer einer Doppelmoral – abhängig davon ob man selbst, die uns Nahestehenden, gesichtslose Fremde oder gar Schuldbeladene betroffen sind. Vor der Schöpfung aber ist jedes Leben gleich unbedeutend oder wertvoll. Vom eigenen Ich ausgehend bis hin zum großen Ganzen ist der Tod vielleicht der wirkmächtigste Lehrmeister zum Begreifen der uns innewohnenden Schöpfungsverantwortung. Die Verantwortung für jedes Leben und die höchst persönliche Verantwortung zu leben. Diese Schöpfungsverantwortung gebietet und gebiert auch das Schöpferische – in all seinen Spiel- und Eigenarten. Der Kunst ist der Tod wohl eine der beflügelndsten Musen. Manche werden zu seinem exzessiven Voyeur, manche versuchen ihn in seinem drastischen Spannungsfeld zwischen Todesfurcht und -faszination zu fassen, manche philosophieren, malen, musizieren, spielen oder schreiben gegen ihn an und manche heben ihn empor oder entmachten ihn indem sie ihn transzendieren. Oftmals rittert Mensch wohl auch um die Illusion eines Quäntchens Unsterblichkeit.

DIEse BRÜCKE ist eine kleine, feine Momentaufnahme verschiedener Denkarten, Geschöpfe und kunstvoller Schöpfungen zum großen Übergang ins Unfassliche.

„alles ist rand
und vergessen und übergang.“

<Maja Haderlap> 

Gabbi Hochsteiner

 

welter.skelter 

Das wird nichts mehr 
mit dem Schnitter und mir. 

Verehrte Damen und Herren, sollten Sie an dieser Stelle inspirierte und salbungsvolle Worte zum zentralen Thema der aktuellen BRÜCKE, dem Tod, erhoffen oder gar erwarten, dann würde ich Sie bitten, diese Zeilen einfach zu überspringen. Allen anderen sei Folgendes ins Stammbuch geschrieben: Der Tod und ich, wir pflegen nicht das allerbeste Verhältnis. Und dafür trägt dieser elendige Hund allein die Schuld! 

Ich bin noch keine elf, da kommt er, der Schnitter, und nimmt mir die Mutter. Unangemeldet und ohne jegliche Vorwarnung taucht er auf, erledigt in einem Akt erbärmlicher Feigheit die friedlich Schlafende, ignoriert dabei die Kinder im Nebenzimmer, nimmt die Mutter mit und legt sie ab auf einem Haufen von allem, was schon gestorben war, oder lässt sie, die Tote, einfach fallen und dann liegen, irgendwo, am Rande zur allumfassenden Dunkelheit vielleicht oder möglicherweise gar mitten im Herzen der Finsternis. Ich weiß es doch nicht und es ist mir im Grunde auch völlig egal. Alles, was ich weiß, ist, dass man nicht einfach eindringt in verschlossene Häuser, um sich zu nehmen, was man will. Das ist, im Falle dieses Unerbittlichen, nicht nur nicht anständig, sondern in höchstem Maße lebensverachtend.
Mit anderen Worten: ein No-Go! 

Und er, der nimmersatte Henker, belässt es ja nicht bei dem Vorfall. Nein. Keine 25 Jahre sollten seit dem gewaltsamen Fortschaffen der Mutter vergangen sein, eh diese feige Bestie mir jeden genommen hatte, der in der Familie vor mir auf die Welt gekommen war. Und dazu – das verzeihe ich dem Totmacher niemals – auch noch den besten irdischen Freund, den ich mir vorstellen kann. 

Dem immer noch nicht genug, wird er, der Knochenmann, am Ende aller Tage mich und jeden dahingerafft haben, den Sie und ich kennen, und in seiner unermesslichen Gier nach allem, was lebt – es tut mir leid, dies Ihnen hier so unverblümt stecken zu müssen –, so lange nicht ruhen, bis er auch Ihnen schlussendlich den Garaus gemacht hat. So einer ist das nämlich, der Tod. Einer, der einfach keine Ruhe gibt. Einer, der keine Ruhe geben kann, eh er nicht alles, was auf diesem verfluchten Planeten kreucht und fleucht und tut und macht, gemordet hat. Ein rasender Berserker, genau so einer ist das nämlich.
Sollten Sie selbst – was ich Ihnen von Herzen wünsche –, sei es durch gewachsenen Glauben, sei es durch fernöstliche Gelassenheit, diesem Ungeheuer, wenn er irgendwann dann an Ihre Tür klopft, dennoch mit Respekt oder gar Demut begegnen, so will ich Ihnen zu Ihrem Mut und Ihrer unerhörten Stärke gratulieren und mich gebührend vor Ihnen verbeugen: dafür dass Sie dem nämlichen Konzept von Leben und Tod, von der Vergänglichkeit alles Irdischen und derlei Nonsens, wohl etwas Gutes abgewinnen können.
Ich selbst bin für solche Größe leider zu schwach, zu angsterfüllt und auch zu nachtragend, und ich befürchte, dass es in diesem Leben nichts mehr wird mit dem Schnitter und mir.

Oliver Welter
Musiker, Schauspieler und Autor. Geboren in Klagenfurt, lebt in Klagenfurt und Innsbruck, stirbt vermutlich in Klagenfurt oder Innsbruck oder gar nicht. 

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