Herzlich
Willkommen auf der
Kulturhomepage der Kärntner Landesregierung


Ihr Kulturreferent Landesrat DI Christian Benger
Veranstaltungstipps, Nachlese und Kulturnews aus ganz Kärnten.

Unheimlich schön. Stillleben heute

« zurück

Beitrag teilen

Unheimlich schön. Stillleben heute

geschrieben am 07.02.2017 12:20

Alex Amann I Christy Astuy I Catrin Bolt I Theres Cassini I Dietmar Franz I Sonja Gangl I Bernadette Huber I Richard Kaplenig I Cornelius Kolig I Gerhard Lang | Karin Pliem I Barbara Putz-Plecko I Silvano Rubino I Thomas Stimm I Stefan Waibel I Thilo Westermann –
Museum Moderner Kunst Kärnten, 2. Februar bis 14. Mai. 


Bei der Stillleben-Malerei handelt es sich um ein Thema der Kunst mit einer langen und abwechslungsreichen Entwicklungsgeschichte, das bereits in der Antike seine Wurzeln findet. Seit dem 17. Jahrhundert gilt das Stillleben als eigenständige Gattung der bildenden Kunst. Seine Blüte erlebt die Stillleben-Malerei im 17. Jahrhundert in den Niederlanden, danach verliert sie, als minderwertiges Genre hinter Historienbild, Porträt, Tierdarstellung und Landschaft angesiedelt, zunehmend an Bedeutung, bis sie schließlich in der Kunst der Moderne zu einem wichtigen Experimentierfeld der Avantgarden avan-ciert und wieder mit neuem Leben erfüllt wird.

Im Verlauf der Zeit erfährt die Spezies des Stilllebens eine Entwicklung, die sie in einer Weise modifiziert, dass sie innerhalb der modernistischen Kunst neue Bedeutung erlangen kann, die in neuen Medien, wie der Fotografie, dem Film bis hin zur Installation, ihren adäquaten Mitteln begegnet. So verharrt das Stillleben also weder in seinen klassischen Typen noch in seinem herkömmlichen Sinngehalt und bleibt auch innerhalb der gegenwärtigen Kunst von höchster Aktualität und größtem Interesse.

Selbst heute, in einer Zeit, in der das Stillleben als Aufgabe keinen prioritären Platz in der rezenten künstlerischen Produktion einnimmt, die Gegenstandsdarstellung als solche im Allgemeinen keinen großen Stellenwert in der Kunst hat, trifft man dennoch auf eine überraschende Fülle und Vielfalt von Werken, die das Thema betreffen. Sie bezeugen, dass das Stillleben offensichtlich immer noch ein interessantes Betätigungsfeld für die KünstlerInnen ist, sodass seine lange Geschichte und starke Symbolik sich scheinbar geradezu als ideale Anknüpfungspunkte für eine neue inhaltliche Aufladung und Ausweitung seines Bedeutungsradius darstellen, die in unterschiedlichster Weise von den Kunstschaffenden wahrgenommen werden.

In der Ausstellung im Museum Moderner Kunst Kärnten sind in sieben der vierzehn Ausstellungsräume sowie in der Burgkapelle Beiträge von sechzehn zeitgenössischen KünstlerInnen versammelt, die sich mit gegenwärtigen Mitteln und aktuellen Fragestellungen der Thematik des Stilllebens annähern. Dabei handelt es sich um eine beschränkte Auswahl, die in einem Querschnitt, ohne Anspruch auf umfassende Darstellung, einen repräsentativen Überblick über heutige Möglichkeiten und Formen des Stilllebens vorstellen soll.

Die aktuellen Arbeiten faszinieren allesamt auf den ersten Blick durch unterschiedliche, ästhetische Phänomene, durch besondere Techniken, durch außergewöhnliche Materialien, die überraschende optische Effekte hervorgerufen, durch beeindruckende Dimensionen und gelungene Inszenierungen und nicht zuletzt durch große handwerkliche Könnerschaft und mitunter auch durch einen hohen Grad an erzielter Naturtreue. Die bestechende Wirkung der Werke verbindet sich mit brisanten gesellschaftlichen oder kunsttheoretischen Problematiken, die zur Diskussion gestellt werden. Damit wird das klassische Anforderungsprofil des Stilllebens – Täuschungseffekt und Verweisfunktion der Darstellung – mit der heutigen Herausforderung an das Genre, es mit einer zeitgemäßen Relevanz auszustatten, verbunden. Die zeitgenössischen Arbeiten reihen sich auf diese Weise nahtlos in die traditionelle Entwicklungsgeschichte der Gattung ein und setzen diese aktualisiert und auf logische Weise fort.

Die unterschiedlichen Werke umfassen sämtliche Medien. Die Kunstschaffenden bedienen sich heute beliebig sowohl herkömmlicher als auch neuer Mittel und Methoden. Sie arbeiten in bekannter Weise mit Malerei und Zeichnung, ebenso mit Fotografie und Film, Objekt und Installation. Sie ziehen zeitgemäße Verfahren heran wie das Scannen und Vergrößern, arbeiten mit dem Computer oder anderen, auch an und für sich kunstfremden Geräten an der Herstellung ihrer Werke, nutzen technische Errungenschaften wie die Diaprojektion oder das Tieffrieren, verwenden neuartige Materialien wie Kunststoffe oder fluoreszierende Farbe.

Die Bandbreite, in der das Genre beschrieben wird, reicht vom Stillleben als Arrangement im klassischen Sinne mit Blumen, Speisen, allerlei Gegenständen oder totem Getier, verwirklicht in Zeichnungen, Gemälden und Fotoarbeiten oder als reale Situation im Raum sowie in bewegten filmischen Bildern, über Installationen von Pflanzen, die sich außerhalb gemalter Tableaus in quasi landschaftlichen Situationen zu Erfahrungsräumen ausbreiten, als auch durch Lichtprojektionen in flüchtigen Phänomenen auftauchen, bis hin zu Früchten, Blumen und Gegenständen, die durch moderne Werkstoffe und Praktiken, in Wesen und Form transformiert, in unterschiedlichsten Objekten an der Wand oder im Raum neu erschaffen werden.

Inhaltlich geht es bei den Zeitgenossen nur noch im weitesten Sinne um das Stillleben in einem traditionellen Verständnis. Seine überkommene Definition hat sich in der Postmoderne endgültig aufgeweicht. Die KünstlerInnen beschäftigen sich nun in differenzierter Weise und subjektiven Strategien mit aktuellen Themen von Kunst und Gesellschaft. Sie greifen brisante sozio-politische Problematiken auf, besonders in Bezug auf Wirtschaft, Natur und Umwelt. Sie begeben sich in eine formal-ästhetische Auseinandersetzung, in der sie die künstlerischen Wege einer zeitgemäßen Annäherung an das Thema Stillleben reflektieren. Sie beschäftigen sich mit kunsttheoretischen Fragen, beziehen sich in einem künstlerischen Affirmationsprozess auf Geschichte und Bedeutung der Gattung und laden diese mit persönlichen Gehalten auf. Sie gehen auf typische Themen oder Produkte der modernen Konsumkultur ein, werken mit banalen Gegenständen, untersuchen die Dinge des Alltags und natürlich – jenseits aller klassischen Erhabenheit – den Abfall der Zivilisation: Müll, Plastik, Sammelsurien. Diese werden abgebildet oder im Sinne von Readymades inszeniert bzw. als solche gemäß ihrer ästhetischen Dinghaftigkeit, ihrer oftmals bizarren, auch poetischen Schönheit in den Kunstkontext eingebracht und in durchaus kritischer Weise bezüglich ihrer gesellschaftlichen, ökonomischen wie ökologischen Relevanz befragt, in einem neokapitalistischen Zusammenhang analytisch betrachtet und kritisch erfasst. 

Christine Wetzlinger-Grundnig 

Interessiert? Bleiben Sie mit dem Kulturchannel in Verbindung!

Wir auf Facebook

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie aktuelle News und Veranstaltungen per E-Mail.