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peter krawagna naturabstraktion in österreich

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peter krawagna naturabstraktion in österreich

geschrieben am 31.07.2017 10:24

was tun, wenn das ding in den bildern von peter krawagna nicht gleich zu erkennen ist?
dieses problem ist nicht neu. es begleitet die malerei so lange es die auflösung der form gibt. in der österreichischen sonderentwicklung der naturabstraktion wird es wichtig.

sieht man das oeuvre von peter krawagna im kontext der österreichischen moderne, lässt sich die situation so systematisieren: 


die österreichische malerei des zwanzigsten und beginnenden einundzwanzigsten jahrhunderts weist bis zum generationensprung der siebziger- und achzigerjahre zwei große themen auf: den körper und die naturabstraktion. dadurch unterscheidet sie sich vom rasanten wechsel der avantgarden in europa.

das körperthema setzte zu beginn des zwanzigsten jahrhunderts mit egon schiele, oskar kokoschka, anton kolig und herbert boeckl ein und wurde nach dem zweiten weltkrieg mit maria lassnig, arnulf rainer, valie export und cornelius kolig erneuert.

beim thema der naturabstraktion griff herbert boeckl paul cezannes ansatz einer kunst parallel zur natur auf und erweiterte ihn vorläufig zu einer kunst als fortsetzung der natur. er beschrieb malerei als prozess, die mit einem farbfleck anfange, dem ein weiterer folge, der noch weitere provoziere.

max weiler beharrte auf einer neuschöpfung der natur ohne jede naturähnlichkeit durch die malerei.
wolfgang hollegha geht davon aus, abstraktion sei bereits in der natur angelegt.

herbert boeckl und max weiler begründen die entstehung der form vorwiegend prozessual. wolfgang hollegha und peter krawagna begreifen den konkreten gegenstand als angebot der begegnung mit dem realen. sie soll die basis für die visuelle farb/form-transformation sein. das ist der kern von peter krawagnas arbeit.

das bild ist die analogie der natur und nicht ihre wiederholung im sinn der mimesis.

die gegenstände, die peter krawagna wählt, sind frei von symbolischer belastung; sie sind gegenstand der beobachtung.

sie transportieren keine fremdinformation; nichts weist über sie selbst hinaus.
peter krawagna löst den gegenstand aus seinem ambiente. nur einige gestaltbildende faktoren belässt er – kurvaturen, farbflächen, auflicht und durchlicht, reflexe und schatten. volumina nimmt er zurück.

er klärt die gesehene form des gegenstandes durch die reduktion auf merkzeichen von artifizieller relevanz.
nie sind es alle seiner kennzeichen; nie definiert er das ding durch seine oberfläche, wie es die neuzeitliche kunst durch jahrhunderte praktiziert hat.
die alltagsfunktionen werden unwichtig.

peter krawagna geht von der gleichwertigkeit von kunstform und naturform aus. er installiert die kunstform als eigene realität im bild, die den gegenstand hinter sich lässt.
der maler ist der erkennende, der selektierende, der transformator des realen. er überträgt den gegenstand vom system der wahrnehmung in das system der gestaltung. der gegenstand ist der formlieferant.

keiner der vier hauptvertreter der naturabstraktion in österreich, boeckl, weiler, hollegha, krawagna, hat wert darauf gelegt, das ding möge wieder erkannt werden. ist es einmal übersetzt in eine artifizielle farb/form-konstellation, dann gibt es keinen weg zurück.

nochmals zum anfang:
vier maler haben die naturabstraktion in österreich begründet und weitergeführt. einer von ihnen ist peter krawagna. das bestimmt seinen rang in der österreichischen kunstgeschichte. ja. 

Arnulf Rohsmann

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