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Urlaub wie im Film

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Urlaub wie im Film

geschrieben am 12.04.2017 11:01

Aus der Faszination für Drehorte und Schauplätze aus Film und Fernsehen hat sich ein weltweiter Wirtschaftszweig entwickelt. Hollywood hilft bei der Ferienplanung. 


Tausende Touristen tummeln sich jedes Jahr auf den nordirischen Schauplätzen für „Game of Thrones“, suchen eine blaue Tür in Notting Hill oder machen „Sound of Music“-Bustouren durch Salzburg. Filme sind Auslöser einer neuen Form des Kulturtourismus, die sich vor allem in den letzten beiden Jahrzehnten zu einer populären Urlaubsaktivität entwickelt hat. Millionen von Menschen lassen sich von Filmen und Serien in ihren Reiseentscheidungen beeinflussen. Es gibt deshalb auch zahlreiche Beispiele für Filmproduktionen, die an den Drehorten für einen Tourismusaufschwung gesorgt haben – der legendäre Ansturm von Rucksacktouristen auf die thailändische Insel Phi Phi nach Erscheinen des Films „The Beach“ hält immer noch an, die Besucherzahlen der Rosslyn Chapel in Schottland erhöhten sich um das 15fache nach dem Erfolg der Dan Brown-Verfilmung „The Da Vinci Code“; und „Frühstück bei Tiffany“ machte die Filiale des amerikanischen Juweliers auf der Fifth Avenue in Manhatten zum millionenfachen Fotomotiv.

Wie lässt sich diese Faszination, die Filmschauplätze und Drehorte offensichtlich auf uns ausüben, erklären? „Ein Film oder eine Serie verleiht einem Ort einen gewissen Status beziehungsweise einen emotionalen Zusatznutzen“, so Stefan Rösch, internationaler Experte für Filmtourismus. Überhaupt kann man wohl von einer emotionalen Verwandtschaft des Mediums Film mit dem Reisen sprechen – beides bietet die Möglichkeit, für kurze Zeit aus dem Alltag herauszutreten und in eine andere Welt einzutauchen. Eine moderne Form des Eskapismus also. Aus der Bindung des Zusehers an einen Schauplatz, die sich aus der Wechselwirkung mit Handlung und Filmcharakteren ergibt, entsteht dann der Wunsch, den Drehort selbst einmal zu bereisen. „Für glühende Fans“, erzählt Stefan Rösch, „kommt die Reise an Drehorte oftmals einer Pilgerung gleich. Als ich im Jahr 2005 mit einer Gruppe von Star Wars-Fans diverse Drehorte in Tunesien bereiste, besuchten wir unter anderem den Schauplatz von Luke Skywalkers Zuhause auf dem Planeten Tatooine. Einer der Fans warf sich eine Jedi-Robe über und blickte andächtig Richtung Sonne. Als ich ihn später darauf ansprach, was in ihm vorging, sagte er zu mir: «I did experience Luke Skywalker at the igloo with the sunset. I was living that moment».“ Klingt ein bisschen schrullig. Solche Reenactments - am Schauplatz in die Rolle eines Protagonisten zu schlüpfen, um sich wie im Film zu fühlen - sind aber typische Rituale für echte Drehorttouristen. Sie machen laut Stefan Rösch allerdings nur drei bis zehn Prozent aller filminduzierten Touristen aus. Die größere Gruppe der Filmtouristen werde durch einen Film eher inspiriert eine Region zu bereisen, die Drehorte zu besichtigen hat nicht oberste Priorität. In der filmtouristischen Vermarktung spielen freilich diese generellen Filmtouristen die zentrale Rolle. 

Städte und Regionen wetteifern heute weltweit im so genannten Location Placement: sie investieren gezielt in Filmproduktionen, um durch diese Präsenz ihr Profil als Destination zu schärfen und sich einem bestimmten Zielpublikum zu präsentieren. Die Vorteile für Tourismusdestinationen liegen auf der Hand: keine Marketingkampagne wird so intensiv, so lange und von einem so großen Publikum wahrgenommen wie ein Film. „Filmförderung wird zur Standortförderung“, so Stefan Rösch zu dieser Entwicklung. Die direkten Effekte von Film- und Serienproduktionen auf einen Drehort sind dabei natürlich ein gewichtiges Argument. Sie lassen sich gut beziffern, mit Besucher- und Übernachtungszahlen oder regional- wirtschaftlichen Ergebnissen. Laut Österreich Werbung wurden beispielsweise durch das Fördermodell Filmstandort Austria seit 2010 91 Produktionen mit 23,9 Millionen Euro gefördert, wodurch in Österreich ein Investitionsvolumen von 192,9 Millionen Euro ausgelöst wurde. Die sekundären Effekte sind dagegen schwer in Zahlen auszudrücken. „Es gibt aber zahlreiche Studien, die bestätigen, dass gerade die indirekten Vor-Ort-Effekte von Film- und Serienproduktionen äußerst nachhaltig sein können“, betont Experte Rösch. Ein österreichisches Beispiel dafür ist „The Sound of Music“, aus dem Jahr 1965, basierend auf dem gleichnamigen Musical über die singende Familie Trapp. Im deutschsprachigen Raum war der Film zwar ein Misserfolg, weltweit ist es aber bis heute eine der meistgesehenen Produktionen der Filmgeschichte. Das klischeehafte Österreich-Bild des Films hat in Ländern wie den USA, Lateinamerika und Asien lange Zeit unser Image geprägt. Bis heute kommen jährlich rund 350.000 Touristen nur aufgrund dieses Films nach Salzburg.

Sein Profil durch die Präsenz in einer Serienproduktion beeinflussen konnte auch Nordirland. Es ist seit 2010 Drehort der HBO-Serie „Game of Thrones“ und kämpfte davor mit einem Imageproblem: die politische Vergangenheit war das einzige Thema, mit dem Nordirland international assoziiert wurde. Erst durch „Game of Thrones“ konnte sich das Land einem weltweiten Publikum von einer anderen Seite zeigen, was die Wahrnehmung Nordirlands grundlegend verändert hat. Die Serie wird aktuell in 99 Ländern ausgestrahlt. Eine klassische Marketingkampagne auf all diesen Märkten wäre schlicht unfinanzierbar gewesen. Stattdessen hat Nordirland seit 2010 13,75 Millionen Pfund in die Produktionsförderung der Serie investiert, während HBO im selben Zeitraum 146 Millionen Pfund in Nordirland ausgegeben hat. Man nennt das wohl eine Win-Win-Situation.

Drehort einer erfolgreichen Serie zu sein, das wäre wohl auch für das Filmland Kärnten ein kleiner Meilenstein. Dass wir es können, zeigt ein Blick in unsere Filmgeschichte: die Wörtherseefilme der 50er bis 70er Jahre sowie die in 65 Ländern ausgestrahlte Serie „Ein Schloss am Wörthersee“ haben das Phänomen Massentourismus am Wörthersee damals deutlich beeinflusst. Ohne nun die „guten alten Zeiten“ beschwören oder das dadurch entstandene Wörthersee-Image interpretieren zu wollen, zeigt das zumindest eines ganz klar: dass Kärnten das Instrument Filmtourismus in der Vergangenheit sehr gut beherrscht hat. Es würde sich lohnen, dieses Instrument in Zukunft wieder für Kärnten zu entdecken. 

Barbara Wedenigg

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