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All That [dʒæz] - Kein blasser Lampion

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All That [dʒæz] - Kein blasser Lampion

geschrieben am 27.03.2019 12:11

Berühmte Jazz-Musikerinnen und -Musiker besingen den Mond und sehen dabei vieles klarer als bei hellem Sonnenlicht.


With moon in her hair. Dem Jazz sagt man nach, er finde sowieso meistens im Dunkeln statt: in Kellern, bei Freiluft-Konzerten mitten in der Nacht, bestenfalls im Scheinwerfer- oder Mondlicht. Vielleicht gibt es deswegen so viele Songs, die von Mond und Sternen handeln. Die Sterne sind dabei wohl ein bisschen romantischer, ein bisschen salonfähiger als der Mond, dieser blasse Lampion und schwache Reflektor der Sonne.

Der Mond weckt jedenfalls Assoziationen. So etwa im Song Stella by starlightvon Victor Young: „Have you seen Stella by starlight / with moon in her hair, /that’s Stella by starlight / raptures so rare.“ Eine hübsche Alliteration, vor allem, wenn die große Ella Fitzgerald sie singt. Die Sterne funkeln, aber sie beleuchten nichts.Der Mond hingegen trägt dick Farbe auf. Wir wollen ja was sehen von unserer Stella und vom Mond in ihren Haaren. Nicht unbedingt geschickt gereimt dann von hair auf rare, aber ehrlich gesagt, die meisten hiesigen Opern- oder Operettenlibretti taten es auch nicht viel geschickter. Dafür kann die Melodie überzeugen. Mit Inbrunst ruft Ella diese Stella in uns wach. Wir können gar nicht anders, als sie anbeten (She’s everything that you’d adore).

Schon sind wir mitten drin in dieser besonderen Mond-Stimmung. So wenig der Mond beleuchtungstechnisch mit dem klaren Sonnenlicht mithalten kann, so deutlich legt er Verborgenes offen. In unserem Fall etwa Zwischenmenschliches wie Liebe oder Trennungsschmerz, auch in der überspitzten wahnhaften Variante. Der Mond hat also mitunter seine Schattenseiten.

Den Mond hinters Licht führen? Im Jahr 1955 hat Frank Sinatra – damals beim Label „Capitol“ – mit dem Nelson-Riddle-Orchestra ein legendäres Album aufgenommen: In the wee small hours. Im Titelsong geht es zwar um die frühen Morgenstunden, danach aber auch immer wieder um Nacht, Mond und Sterne. Das schönste Klagelied darauf ist der Hoagy-Carmichael-Song I get along without you very well. Da versucht sich einer von Strophe zu Strophe immer wieder einzureden, dass er sehr gut ohne seine Ex auskomme. Aber wenn dann z.B. der Regenvon den Blättern tropft, erinnert er sich doch wieder daran, wie aufregend es war, in ihren Armen beschützt zu werden. Am Höhepunkt des Liedes bezeichnet er sich schlicht als Idioten, weil er glaubte, sein gebrochenes Herz könne den Mond hinters Licht führen („my breaking heart could kid the moon“). Erst das Mondlicht macht ihm klar, dass er sich nicht mehr in den eigenen Sack lügen kann. Zur zart melancholischen Sinatra-Version gibt es übrigens auch noch eine ordentlich selbstzerstörerischere vom nur oberflächlich kühl singenden Jazztrompeter Chet Baker.

Licht aus! Ein weiteres derartiges Pärchen gefällig? Wir starten wieder bei Sinatra und Nelson Riddle sowie dem Song When your lover has gone von Einar Aaron Swan. Frankie-Boy singt: „When you‘re alone, the magic moonlight dies, / at break of dawn, there is no sunrise / when your lover has gone.“ – Wenn du allein bist, dann stirbt das magische Mondlicht, bei Tagesanbruch gibt es keinen Sonnenaufgang, wenn dein Geliebter/deine Geliebte weg ist. Da legt sich dann auch der große „Entertainer“ richtig ins Zeug, wird laut, und das Orchester heult regelrecht auf. Denn je lauter es wird, desto finsterer wird es auch. Sogar das Mondlicht stirbt und – eh klar – die Lichtquelle der Reflexion des Mondes, die Sonne, geht gar nicht mehr auf. Stellen Sie sich nun zum gleichen Text die weinerliche schwermütige, gleichmäßig klagende Stimme der großenBillie Holiday vor. Ihr geschundenes Leben kulminiert in diesen paar Worten. Welch eine Ironie, dass ihr der Saxophonist Lester Young den Spitznamen „Lady Day“ verpasste, wo sie doch ein Nachtmensch durch und durch war. Mondsüchtig eben.

Gilbert Waldner
Der gebürtige Klagenfurter ist Jahrgang 1959 und arbeitet als Pressereferent in der IV Kärnten. Er begann sich in der Schulzeit für Jazz zu interessieren und hat später als Kulturjournalist in der Volkszeitung, der Kleinen Zeitung und dem Magazin Jazzthetik dazu veröffentlicht.

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