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Alpinismus als Lebensentwurf

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Alpinismus als Lebensentwurf

geschrieben am 24.07.2018 11:26

Kurt Diemberger (86): Extrembergsteiger und Alpin-Geschichtsschreiber, Bergphilosoph, <Sehn>Suchender und Kristallfinder, Entdecker neuer Welten, Autor, Kameramann der Achttausender und Glücksritter. 


Am Fuße der Gerlitzen, auf etwa 500 Metern über der Adria,
steht am Ossiachersee ein verstecktes Blockhäuschen.
Hier, an diesem schmucken Ort aus Kurt Diembergers
Kindheitstagen, treffe ich die Berglegende.
Für mich ein Gipfeltreffen, zu dem ich Schaumrollen mitbringe ...

1956 haben Sie in einem waghalsigen Manöver die bis dahin scheinbar unüberwindliche Riesen-Schaumrolle überstiegen – die imposante, eben wie eine Schaumrolle aussehende Gipfelwechte der Königspitze im Ortler-Massiv. Dieses alpinistische Husarenstück hat Ihnen das Tor zur großen weiten Bergwelt aufgeschlossen ...

Ja, das war wohl die wildeste von allen meinen Unternehmungen und Abenteuern. Dabei hab ich mehr riskiert als bei jedem Achttausender. Hermann Buhl hat das imponiert und er hat mich daraufhin für seine Expeditionen im Himalaya und Karakorum angeworben. 

Sie beschreiben sich selbst als einen, der immer auf der Suche ist. Auf der Suche nach dem „es“. Ein ewig Suchender ... und Findender? 

Suchen und Finden ... das ist das Leben. Ich bin einfach neugierig. Ich ... möchte ... wissen. Das treibt mich an.

Ihren Weg in die Berge fanden Sie über die Faszination für Kristalle und die Suche nach diesen. Irgendwann rückten dann die Gipfel in den Blick des <Sehn>Suchenden ...?

Mit sieben Jahren nahm mich mein Vater mit zum Granaten suchen am Kumitzberg in Villach. Das waren dann so winzige, rote Tupfen im Fels, davon war ich recht enttäuscht. Meine Fantasie hatte Prächtigeres erwartet. Dem wurden dann später die Hohen Tauern gerecht. Mit Hammer, Meißel und einer alten Landkarte war ich unterwegs und fand meine ersten Bergkristalle – darunter auch einen herrlichen, grünleuchtenden Smaragd.

Damals schienen mir die Berge so groß und unirdisch. Es lag ein Tabu in dem strahlenden Weiß. Ich fragte mich, warum Menschen auf Gipfel steigen, wo sie doch nichts mit herunterbringen.

Eines <Jugend>Tages aber, mich trieb das Begehren nach den zartgrün-glitzernden Phrenitkristallen auf beinahe 3.000 Meter Höhe, da sah ich dann in der Morgensonne den Larmkogel über mir aufragen ... seine Gesteinsblöcke übereinandergeschichtet gegen das Blau. Ich verspürte einen mir bis dahin unbekannten Drang dorthin zu gelangen. Mit jedem Schritt fühlte ich, wie ich in einen Bereich vordrang, den ich noch nie betreten hatte. An der Umgebung, an dem Berg hatte sich nichts geändert – aber an mir.

Dieser mein erster Gipfelmoment war dann ein zauberischer. Die Wolken kamen wie Schiffe an, umhüllten mich und den Gipfel und zogen dann wieder weiter ... mir war so wohl ums Herz. Ich war einfach glücklich. Seither waren und sind mein Leben und die Berge untrennbar ineinander verwoben.

Treibt Sie auch die ewige Frage nach dem Horizont ... und dem Dahinter...

Ja absolut. Die Frage nach dem Danach und Dahinter ... nach dem nächsten Winkel und Gipfel und dem was dahinter steckt.

Der Sehnsuchtsort bleibt ewig unerreichbar? Man kommt nie – oder immer nur für einen Augenblick – an?

Manches Mal findet man das reine Glücklichsein. Das möchte man dann halt wieder und wieder erleben. Man sehnt sich danach. Man wird süchtig danach. Eine Sucht des Sehnens. Man kommt auch an, diesen <Zeit>Punkt gibt es jedenfalls. Aber man wird nie fertig. Im <Gipfel>Moment stellt man sich nicht unbedingt diese Frage. Meist kommt die Überlegung nach dem „Weiter“ später, wenn man wieder unten ist.

Sie sind ein Mann mit Ecken und Kanten ... Bergkanten, die viele hundert Meter über Ihnen verlockend in den Himmel emporranken ... die haben Sie in Ihren wilden 20ern bevorzugt „gesammelt“.

Die Kletterei ist ein regelrechtes Heil und eine Lebensschule für junge Menschen. Weil es sie aus einem Wirrwarr von Möglichkeiten zu einem fixen Punkt hin bringt. Man muss alle Sinne offen halten und den Geist wach. Dass man mit der Wildheit und den Kräften der Natur zurechtkommt, schenkt einem dann auch eine gewisse Befriedigung und Ausgeglichenheit. Man findet zu einer inneren Klarheit und Ruhe.

Zimmern Sie uns bitte ein Kaleidoskop Ihres Abenteurerdaseins in den höchsten Bergen der Welt: Welches sind die funkelnden Edelsteine, die <über>lebensgroßen Augenblicke Ihres alpinistischen Lebenswerks?

Einer ist jener Moment, als ich bei Sonnenuntergang gemeinsam mit Hermann Buhl auf meinem ersten Achttausender, dem Broad Peak, stand. Wir gipfelten dort oben auf einer im letzten Tageslicht strahlenden Insel aus Schnee, unter uns war es bereits dunkel ... einer der gewaltigsten Augenblicke in meinem Bergsteigerleben. 

Auch drei Jahre später am Dhaulagiri waren wir eingesponnen in ein Stück Gebirgsmagie. Am Gipfel war es windstill, während 4.000 Meter unter uns heftige Gewitter zürnten. Der Dhaulagiri gilt als „Berg der Stürme“ und wir hatten zuvor wochenlang gegen schlechtes Wetter gekämpft. Im Moment des Ankommens wehte dann kein Lüftchen. Wir lagen in der Sonne und haben diesen Moment so intensiv ge- und erlebt. Beispiellos. 

Unvergleichlich war es auch, nach den vielen Anläufen und Mühen mit Julie schließlich am Gipfel des K2 zu stehen. In diesem Raum aus durchscheinendem, bald hellerem, bald dunklerem Grau. Für einen Augenblick der Ewigkeit gehörte uns der K2 [Anm. dessen Form übrigens einem Kristall ähnelt]. Der Gipfel, den wir uns am meisten gewünscht hatten. Das war auch so ein Moment des Findens.

Ihnen gelang die Besteigung von insgesamt sechs Achttausendern1 – zwei davon haben Sie als der erste Mensch überhaupt betreten. Können Sie uns davon mit Worten eine Momentaufnahme zeichnen?

Das sind geheimnisvolle Augenblicke wenn du weißt, da an diesem Felsen, an dieser Wechte, da war noch nie ein Mensch. Man fragt sich, was geschieht, wenn du dort hinkommst? Umfangen dich dann plötzlich die Berggeister? Oder entschwebt irgendetwas von diesem unberührten Ort? Dieses Gefühl, das dich einerseits von diesem Ort abstößt und zugleich wie ein Magnet anzieht, das ist außergewöhnlich.

Wenn Sie von diesen Erlebnissen sprechen, verrät das Funkengewitter in Ihren Augen, dass Sie jetzt gerade wieder genau dort sind ...?

Ja, auch das sind Geschenke der Berge. Ich kann mich mit Haut und Haar in diese Situationen zurückversetzen. Die Geräusche, das Licht, der Wind, die Sinnesempfindungen und Gefühle ... das kann einem niemand mehr nehmen.

Sie haben als junger Mann Ihren sicheren Lehrerjob aufgegeben und sind Ihrem Herzen aus der Komfortzone hinaus auf die wilden Berge und auf deren Himmelslinien gefolgt. Sie haben keine fixen Grenzziehungen um Ihr Erdendasein erlaubt und sich die große Freiheit bewahrt ...?

Ja, ich „musste weiter“. Das ist das wirkliche Leben. Als junger Lehrer war mir die Einzäunung um mein Leben zu groß. Die Gleichmäßigkeit der Ereignisse war für mich zermürbend, ich sehnte mich nach der Freiheit. Man hat im Nacken diesen siebten Sinn, der einen immer wieder vorantreibt. Damit meine ich den Drang zur Verwirklichung. Ein stark schöpferisches Momentum. Die Verwirklichung schenkt einem eine Art Erfüllung.

In Wirklichkeit geschieht ja gar nichts, wenn ein Mensch auf so einen hohen Felsen hinaufsteigt. Wenn dort z.B. eine Gämse emporklettert, für die ist das einfach nur ein Teil des Weges. Der Mensch bildet sich halt ein, das ist etwas Besonderes. [lacht] Und für einen Menschen ist es nun mal auch etwas Besonderes.

Die Berge „verdichten“ ein Leben?

Sie verdichten und sie vertiefen es. Das nach oben Steigen bringt Tiefgang in <m>ein Leben.

Sie haben Ihre Träume verwirklicht?

Ja das habe ich. Aber dafür auch „die andere Seite“ kennengelernt. Mit Julie haben wir unseren Traum verwirklicht, auf dem K2 zu stehen ... und sie ist nicht mehr heruntergekommen. Darüber denke ich noch oft nach.

Es wird immer wieder der Punkt genannt, als Julie und ich auf 8.500 Metern waren und wir über uns diese Kringel in der Luft tanzen sahen, die auf einen Wettersturz hindeuten ... etwa 150 Meter unterm Gipfel. So nahe! Wir sind stehen geblieben und es war uns klar, jetzt geht’s um alles. Dann hat einer den anderen gefragt, „Gemma oder gemma nicht?“, und wir haben beschlossen – völlig losgelöst von den bisherigen vier gescheiterten Besteigungsversuchen – dass wir gehen. Das war riskant. Das war uns klar. Wir haben alles abgewogen. Bis heute nörgelt halt der eine oder andere an mir herum und sagt, wenn ihr nicht weiter gegangen wäret, wär Julie wahrscheinlich noch am Leben ... aber die Ursache, warum Julie nicht mehr am Leben ist, die lag nicht in diesem Entschluss. Sonst müsste man bei jeder gefährlichen Bergtour am besten schon überhaupt gar nicht erst losgehen. Dann kann man überhaupt mit dem Bergsteigen aufhören. Oder mit dem ganzen Leben.

Am Gipfel ging es uns prächtig, wir haben den Abstieg – trotz Sturz – problemlos gemeistert und wir haben auch das nächtliche Biwak überlebt. Aber dann waren wir plötzlich auf fast 8.000 Meter die vielen Tage im Schneesturm auf der Schulter gefangen ... Erschöpfung und vermutlich Höhenkrankheit ließen dort einen nach dem anderen sterben.

Aussteigen aus der zivilisierten Welt und Einsteigen in einen archaischen <Natur>Raum ... warum machen Sie das? Warum nehmen Sie ohne messbaren Gewinn diese außerordentlichen körperlichen und seelischen Strapazen auf sich?

Man weiß, dass das Erreichen des Glücks Opfer <er>fordert. Da sind wir jetzt an einem für mich besonders wichtigem Punkt: man soll sich dieser Strapazen bewusst sein und man darf sie nicht beseitigen, indem man z.B. über sie mit einem Helikopter drüber fliegt und auf einfachem Wege dort landet, wo man ansonsten nur mit Mühe hinkommen kann. Das nenne ich die Barriere der Mühe. Diese Schranke darf man nicht beseitigen. Die Folgen sind schrecklich. Das verträgt die Natur nicht. Und der Mensch genauso wenig.

War es z.B. den Preis einiger abgefrorener Fingerglieder wert?

Ja. Ich denke schon. Genau diese Frage habe ich auch immer wieder mal Bergsteigerkolleg*innen gestellt. Auch die haben stets mit „Ja“ geantwortet. Der ganze Arm wäre wohl ein zu hoher Preis, aber ein paar Fingerspitzen ... man gewöhnt sich daran.

Das Glück – jenes, wenn man nach unermesslichen Mühen über den Wolken auf den Gipfeln <des Lebens> steht wie auch jenes, wenn einem in entscheidenden Momenten das Schicksal [oder wer auch immer da oben hängt] hold ist – war Ihr steter, treuer Begleiter.

Ich durfte beides erleben. Große Momente des Glücklichseins und auch, großes Glück zu haben. Im Abstieg vom K2 ist z.B. unter Julies Fuß eine Schneetafel ausgebrochen, sie ist gestürzt und hat mich am Seil mitgerissen. Es war kein Halten. Und da haben wir wirklich das höchste Quantum Glück gehabt, das überhaupt möglich ist. Wenn zwei abstürzen und einer den anderen immer wieder mitreißt, gibt es dazwischen – wenn man wirklich großes Glück hat – einen Augenblick, in dem alle beide nicht stürzen. Und das ist uns passiert. Wir sind beide im selben Augenblick zum Stillstand gekommen. Das ist mir heute noch nicht so ganz klar, wie das möglich war.

Darüber hinaus habe ich es auch meiner steten Vorsicht zu verdanken, dass ich noch am Leben bin. Und ohne Zweifel habe ich aber auch oft einen starken Schutzengel gehabt.

Wer fern der Zivilisation staunend inmitten der Fels- und Eiskulissen steht, mag sich manchmal „wie im Zentrum der Werkstatt eines Bildhauers fühlen – umringt von Skulpturen, die hunderte Meter hoch sind und die der unbekannte Auftraggeber einer anderen Welt nicht abgeholt hat. Sie lassen die Hand eines einzigen großen Künstlers erahnen.“2 – Sind Sie religiös oder spirituell verankert? 

Meine Religiosität oder Spiritualität lässt sich nicht in einem ganz bestimmten Zirkel erfassen. Aber ja. Am Everest z.B. habe ich mich auf den Schnee geworfen und hab einfach gedankt.

Die Berge formen den Menschen und lehren uns Lebenslektionen: das Ablegen von Selbstmitleid, dass wir sterblich und endlich sind, dass man in Grenzmomenten mehr Vermögen in sich trägt, als man wusste ... sie lehren uns Mut und Demut, Eigenverantwortung aber auch das überlebensnotwendige Miteinander ... Welche Haltung macht eine*n gute*n Bergsteiger*in aus?

Dass sie oder er genau ist, dass er manchmal an Zuhause denkt ... was dort geschehen würde, wenn er herunter fällt. Und dass er sich Zeit lässt. Das heißt zum einen, dass er schrittweise sein Können steigert und nicht auf einmal mit einem riesen Sprung in der Fähigkeitsskala weiß Gott wo anlangen will. Und zum anderen, dass er sich auch am Berg selbst Zeit lässt. Meine Maxime lautet: „Wer langsam geht, geht gut. Wer gut geht, geht weit.“ Auch wenn ich damit derzeit nicht im Trend liege, denn der ist die Rennerei. Mit der bin ich einfach nicht einverstanden. Manche Leute können glücklich sein, wenn sie schnell rennen. Das sehe ich auch wieder ein. Aber ohne Langsamkeit lässt sich vieles nicht entdecken. Auch „die Renner“ sollten von Zeit zu Zeit still sitzen und mal rund um sich blicken, denn die Berge erzählen einem vor allem auch dann etwas, wenn man nicht auf die Uhr schaut. Rekorde sind nur Ziffern. Alle Ziffern überleben sich. Früher oder später. 

Die 14 Achttausender gibt es ja auch nur im Metermaß ... eine Zufallserscheinung, die durch die Länge eines Meters bedingt ist. Der Achttausender-Kult ist ein menschliches Hirngespinst, für die Natur völlig unbedeutsam...

Ja, alles nur menschengemachte Zahlenspielerei. Es genügt, in den englischsprachigen Teil der Welt und ins Längenmaß Fuß zu wechseln, schon dort gibt es keine Achttausender mehr...

Wie sehr war das Bergsteigen auch <macht>politische Mission? Es gab damals doch auch einen kulturellen Auftrag, die Berge für das Vaterland zu erobern?

Der Patriotismus war keine meiner Antriebsfedern und ich stand nie in seinem Dienste. Aber ja das war es wohl auch bis zu einem gewissen Grad – egal wie die eigenen Ambitionen und Motive waren. Bei Erfolg wurde man als „Nationalheld“ gefeiert, das ließ sich gar nicht verhindern. Wir Österreicher*innen sind im Übrigen die Nation, die die meisten Achttausender erstbestiegen hat – nämlich fünf an der Zahl.

Verrückt, ein „willkürlich ersponnenes Staatengebilde“ einem Berg überstülpen zu wollen ...? Ich erlebe die Berge heute dem entgegengesetzt als Raum, in dem sich Nationalismen auflösen und reinere Menschenbegegnungen ermöglichen. Wie sehen Sie das?

Ja, das ist ganz wichtig. Der Alpinismus ist eine völkerverbindende Kulturäußerung. Wenn auf der ganzen Welt nur die Alpinisten die verschiedenen Verhandlungen bestimmen könnten, dann gäbe es keinen Krieg.

Das Wagnis von Träumen, die Ungewissheit von Plänen, das Scheitern von Vorhaben sind untrennbar mit einem Abenteurerleben verwachsen. „Auch ein Künstler kann mit einem falschen Schlag seine Skulptur ruinieren. Gelobt sei das Leben, in dem wir nicht wissen, ob etwas gelingt!“2

Man muss lernen das Scheitern anzunehmen. Man hat keine Wahl. Dafür habe ich dann „meine drei Grönlandworte“ parat, da steckt die ganze Philosophie der Grönländer drin: Sussa heißt „nicht ärgern“, denn mit Ärger ändert man gar nichts. Tessa steht für das „Vergessen“ von dem was bereits vorbei ist. Egal ob gut oder schlecht, es ist vorbei. Und dann kommt Imaka im Sinne von „vielleicht“, das auch für die Hoffnung darauf steht, dass sich etwas verwirklichen lässt und einen somit weiter antreibt.

Triumphe und Tragödien liegen sehr dicht beieinander. Sie sind dem Tod oft nahegekommen. Ihre Bergkameraden und Freunde Hermann Buhl und Julie Tullis starben vor Ihren Augen. Sie selbst waren immer wieder in lebensbedrohlichen Situationen. Stellt man sich da nicht irgendwann die Frage, ob man das Bergsteigen sein lässt?

Nein das tut man nicht. Das kann man gar nicht. Man kann es vorübergehend bleiben lassen, weil man das Geschehene erst verarbeiten muss ... aber du kannst keinen Seemann plötzlich zu einem Ackerbauer machen, aus dem Anlass heraus, dass jemand ertrunken ist. In meinem Fall ist das Bergsteigen nun mal eine Welt, zu der ich gehöre.

Das Entdecken ist für Sie noch lange nicht zu Ende?

Nein. Ich entdecke immer wieder etwas Neues. Die Freude und die Lust weiter zu entdecken sind ein Teil von mir. Entdecken ist auch eine Lebenshaltung. So wie es die Berge sind. Ich gehe heute immer noch auf die Berge ... auch wenn es „nur mehr Hügel“ sind. Man kann von oben besser schauen – das ist eine alte Regel.

Welche Abenteuer warten als nächstes auf Sie? Wollen Sie als „Hausmeister des Shaksgam“ in dieser entrückten Bergwüste jenseits des K2 nochmal „ein Fass aufmachen“? [Anm. dort im Karakorum-Gebirge hat K.D. für seine nächste Expedition ein Fass mit Ausrüstung und Thunfisch versteckt]

Ja! Ich möchte gerne nochmal dort hin! Das würde mich schon sehr freuen. Aber das ist eben über 4.200 Metern Seehöhe und jetzt muss ich erst hier in unseren Breitengraden schauen, wie’s mir auf der Höhe und mit den Strapazen geht.

Und die Barriere der Mühe ausnahmsweise anders überschreiten?

Mit dem Helikopter ... nein das möchte ich nicht! Entweder selber gehen oder gar nicht.

Welche Pioniertaten wünschen Sie sich für die Welt von heute?

[denkt nach] ... etwas das sich nicht machen lässt: ein Ende der vielen Kriege.

Aber irgendwann hat auch mal jemand gesagt, man könne auf keinen Achttausender steigen...

[lacht]

Gabbi Hochsteiner 
Chefredaktion DIE BRÜCKE

1 Broad Peak, Dhaulagiri, Gasherbrum II, K2, Makalu, Mount Everest
2 aus: Kurt Diemberger: Aufbruch ins Ungewisse, 2009

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