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Bewegte Bilder, die bewegen.

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Bewegte Bilder, die bewegen.

geschrieben am 27.09.2018 11:07

Eine Filmlandschaft im grünen Bereich. 


Grüner Film in und aus Kärnten – die sprichwörtliche Definition: Ist des Filmes Wesen grün, bedeutet dies nicht, dass des Filmes Filmemacher*innen Grünschnäbel sind. Auch sind sie meist nicht grün hinter den Ohren und haben keinen grünen Daumen. Trifft doch eines dieser Sprichwörter auf sie zu, dann besteht dabei keine Verbindung zu ihrem grünen Filmschaffen. Sie sind definiert als die, die auf Gesellschaft, Umwelt und Co. blicken und außerhalb des grünen Bereichs mit ihrem Blick verweilen. Anstatt sich dann grün und grün zu ärgern über das, was sie dort sehen, greifen sie zur Kamera und verwandeln passive Meinungen in aktives Filmschaffen. Meist kommen sie dabei auf keinen grünen Zweig, schaffen jedoch im Prozess ein grünes Kunstwerk. Der grüne Film, zu dem wir hier eine Brücke bauen, ist grünpolitisch. Alternativ. In seiner außergewöhnlichen Erscheinung befasst er sich mit unkonventionellen Lebensformen, ist Umweltfilm, oder wird zum Tiefseeforscher in den Gewässern menschlichen Miteinanders. Ein grüner Film ist meist vieles, aber immer eines: Kritik.

Werner Fiedler – das Hybrid. In der grünen BRÜCKE wird der Kärntner Filmemacher Werner Fiedler zum Hybrid. Zu etwas Vermischtem. Einem Gebilde aus zwei oder mehreren Komponenten. Er vermischt in seinem Schaffen das Streben nach künstlerischer Entfaltung mit dem Wunsch nach der Rezeption durch ein Publikum. Es entstehen hybride Filme, die Kritik und Unterhaltung in sich vereinen. „Kritik muss gehört werden!“, ist der Sinnspruch Werner Fiedlers und seiner Kurzfilme, die gelungenen Manifeste seiner Sozialkritik, welche bereits auf mehreren internationalen Festivals ausgezeichnet wurden. Als er in HALIM beispielsweise eine wunderbare Freundschaft zwischen einem stillen, einsamen Jungen und Halim, einem alten Mann und Flüchtling, erblühen lässt und darin Aspekte des Fremdseins und der verweigerten Hilfestellung vermittelt – verpackt in einer Freundschaft und ihrem jähen Ende. Doch Werner Fiedlers Sozialkritik wagt sich auch in verstecktere Sphären vor und schreckt dabei vor Humor nicht zurück. In dem Kurzfilm BEINBALL zeigt uns Fiedler einen fanatischen Sportfan, der eines Tages seiner unsportlichen und langweiligen Existenz feststellen muss, dass er sich in einer Welt befindet, in der es keinen Fußball gibt. Emotionen laufen über, als der Protagonist Heimo mit selbst gebasteltem Fußball auf die Straße missionieren geht. Dort, wo zuvor das Fußballstadion stand, befindet sich in Werner Fiedlers neuer Welt bloß eine grüne Wiese. 

Ein Filmemacher der besonders grünen Art. Robert Schabus ist als wichtiger Bestandteil der Kärntner Filmlandschaft bereits allerseits bekannt, doch auch unter der grünen Lupe überzeugt er absolut. So fällt sein filmisches Schaffen zumeist in den sozial-dokumentarischen Bereich und findet sich als solches in steter Auseinandersetzung mit sozialen Prozessen. In der 2016 erschienen Landwirtschaft-Doku Bauer Unser werden österreichische Bauernhöfe zu Schauplätzen eines kapitalistischen Wirtschaftssystems. Unparteiisch eröffnet Robert Schabus tiefe Einblicke in den Wirkungsraum der Industrie, die Kapitulation von Politik und Gesellschaft und die sozialen Verhältnisse, die für den Landwirt daraus resultieren. Aber auch abseits der Ökologie arbeitet Robert Schabus mit grünen Mitteln. Seine filmischen Bestrebungen nach einem vernünftigen Miteinander spiegeln sich in vielen seiner Projekte wider – unter anderem auch in seinem neuen, 2019 in den Kinos anlaufenden, Dokumentarfilm, in dem Robert Schabus sein kritisches Auge dem aktuellen Zustand demokratischer Gesellschaften in Europa widmet. 

Stadt, Land, Fluss kann man auf mindestens zwei Arten gewinnen: man schreibt sie in kurzer Zeit auf ein Blatt Papier oder man kauft sie einfach. Mit letzteren Gewinnern befasst sich der im Dezember im ATV zu sehende Dokumentarfilm Wem gehört Österreich? – ein Titel, der ebenso als zugrunde liegende Frage agiert. In der Fernsehdoku wird nämlich wortwörtlich auf den Grund gegangen und das quer durch Österreich. Welche Besitztümer hat das Land zu bieten und welche Vorteile eröffnen diese in einer Welt des Habens und Nichthabens? Wem gehören unsere Seen, die eigentlich gar nicht unsere sind? Und warum hält ein Fleischverarbeitungsunternehmen zwei Berge in seinem Besitz? Antwort auf diese Fragen gibt uns Markus Wucherer. Der in Klagenfurt geborene Grafiker lebt seit elf Jahren in Köln und konnte sich durch diverse Jobs beim Fernsehen einen Weg in die Gestaltung von Dokumentationen und non-fiktionaler Unterhaltung bahnen. Heute ist Markus Wucherer selbstständiger Ideenlieferant, Redakteur und Produzent von Bewegbild und sieht seine Aufgabe darin, kritische Themen für den Mainstream aufzuarbeiten.

Erwähnung kurz – Beachten (s) wert. Unter dieser Kategorie nennen wir einen weiteren filmischen Spross der hier keimenden Szene, wobei es sich im Fall Hubert Saupers wohl eher um einen ausgewachsenen Ast handelt. (Ein Ast, durch den die sich anbahnende Homogenität der Geschlechterverteilung dieses Überblicks zu einer endgültigen wird.) Der in Kärnten aufgewachsene Dokumentarist Hubert Sauper wurde für sein filmisches Porträt einer afrikanischen Region rund um den Viktoriasee bereits mit einer Oscar-Nominierung ausgezeichnet. 2014 schließt er daran an und zeigt in We Come As Friends die komplexen und zerstörerischen Mechanismen von Globalisierung und internationalen Machtstrukturen am Beispiel des Sudans. Demnächst erscheint sein neuer Film Epicentro, in dem sich Hubert Sauper die Paradoxie der Zeit, den geopolitischen Schmetterlingseffekt und einen (beinahen) Untergang der Welt zum Thema macht – er bleibt damit seiner Linie monumentaler filmischer Vorhaben treu.

Wie grün ist Film wirklich? Diese abschließende Frage soll Licht auf ein Thema werfen, das bisher in diesem bescheidenen Überblick vernachlässigt wurde. Es handelt sich dabei um das sogenannte „green filming“ – das Produkt einer Entwicklung hin zu mehr ökologischer, ökonomischer und sozialer Verantwortung im Bewusstsein der Filmemacher*innen. Es steht für nachhaltiges Filmschaffen, die Reduzierung der CO2- Emissionen und ökologisches Wirtschaften in allen Phasen der Produktion und wird somit zur Antwort auf die soeben gestellte Frage. Für einige Filmemacher*innen bereits eine Realität, für viele jedoch lediglich ein utopisches Licht am Ende des Horizonts. Die Diskussion über die Dringlichkeit und Rentabilität des „green filmings“ für Kärnten als Filmland soll an dieser Stelle ausbleiben. Ein charmanter Hinweis auf Nachholbedarf und Zukunftspotenzial dieser Produktionsmethode darf in einem Artikel zum grünen Film jedoch nicht fehlen.

Lisa Maria Omelko
jung und aus Kärnten, Studentin der vergleichenden Literaturwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre in Wien.

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