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„Dass sich alles irgendwie ändern wird, war mir eigentlich klar.“

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„Dass sich alles irgendwie ändern wird, war mir eigentlich klar.“

geschrieben am 30.07.2020 11:08

1 Guido Katol im Interview.


Du hast die erste Jahreshälfte in Kärnten verbracht und im ehemaligen Maria- Lassnig-Atelier im Rahmen von CARINTHIja 2020 an deinen „Reflexionen über Anton Koligs zerstörte Fresken“ gearbeitet. Die beeindruckenden Ergebnisse stehen, die Ausstellung im Landhaus ist eröffnet, du bist zurück in Wien. Wie geht es dir nach so einem Großprojekt?
Es ist eine Art Neuanfang. Ich habe hier im Atelier in Wien einmal Ordnung geschaffen und beschäftige mich mit kleineren Arbeiten. Mir ist jedoch klargeworden, vor allem auch durch die Erfahrungen in Klagenfurt, dass ich weiterhin an großen Bildern arbeiten möchte. Ich bin einen Schritt weitergekommen in meiner Arbeit, das sehe ich deutlich, und es hat mit der Größe der Arbeiten zu tun und mit der Auseinandersetzung mit dem Raum, der in den Bildern bei dem Projekt in Kärnten eine wichtige Rolle gespielt hat.

Vermisst du etwas?
Ich bin nun wieder allein mit meiner Arbeit. In Klagenfurt gab es mehr Besuch, mehr Austausch, es gab Interaktionen, die direkt in meine Arbeit eingeflossen sind. Also das Foto zum Beispiel, das von mir gemacht wurde und in der Kleinen Zeitung erschienen ist, habe ich dann als Vorlage für die Figur des Malers im Bild „Klostergasse“ genommen, ursprünglich hatte ich vor, Anton Kolig darzustellen ...

Änderungen kennst du ja auch von früheren Arbeiten her – sind solche Verwerfungen und Neuansetzungen nicht typisch für dich?
Im Grunde genommen ja, ich bin im Zweifel bis zum Schluss. Auch bei der Ausstellungseröffnung im Landhaus habe ich noch geschaut, ob wohl alles passt und stimmig ist, und – auch das eine schöne Erfahrung – ich habe gesehen, dass ich darauf vertrauen kann, dass es bis zum Termin ein Ergebnis gibt, zu dem ich stehen kann.

Für den Betrachter, die Betrachterin ist ja immer, in allen Phasen der Bildentstehung, schon sehr viel vorhanden. Womit kämpfst du?
Ich habe meistens eine bestimmte Vorstellung, von der ich dann wieder weggehe, wenn ich merke, dass es so nicht funktioniert. Dann muss ich radikal ändern, etwas Neues aufmachen, dann muss es in eine andere Richtung weitergehen. Bei den „Reflexionen“ hat sich halt die Frage gestellt, wie weit man sich wirklich vom Ausgangsbild oder den Ausgangsbildern entfernen kann.

Das war eine wichtige Frage in dem Zusammenhang, du hast ja nach einer Vorlage gearbeitet ...
Ja, und ursprünglich war ich auch recht nahe an den Originalen dran, und dann habe ich aber gemerkt, dass zum Teil wieder ganz andere Figuren kommen oder „auftauchen“ und das Bild anders zusammengestellt werden muss. Ich habe versucht, das zu unterdrücken, aber es ist mir immer weniger gelungen.

Was war der spezielle Reiz dieses Projekts, warum hast du die Aufgabe angenommen?
Zuerst einmal habe ich gedacht, dass es doch eine große Ehre ist, etwas Besonderes, auch weil mich Cornelius Kolig gefragt hat. Und dann ging es hier natürlich auch um Anton Kolig, und ich schätze ihn sehr.

Was interessiert dich besonders an seinem Werk, was inspiriert dich?
Was mich natürlich interessiert, ist, dass er Körper gemalt hat. Und es gibt Figurenkompositionen auf den Fresken bzw. Fotos, die mir schon sehr gut gefallen. Nur habe ich gemerkt: Wenn ich Ausschnitte rausnehme, funktioniert es nicht mehr wirklich so wie am ursprünglichen Bild. Dass sich alles irgendwie ändern wird, das war mir eigentlich schon klar.

Du legst einen hohen Maßstab an dich selbst an ...
Um zu sehen, wo ich mit meiner Arbeit stehe, stelle ich immer wieder Vergleiche mit anderen Malern an. Hier wird das „öffentlich“; das ist etwas gefährlich, aber auch reizvoll und ein weiterer Ansporn. Die Qualität der Malerei soll für mich stimmen, ich muss mich aber auch in die Figuren hineinversetzen können, um etwas Lebendiges entstehen zu lassen. Eines der schönsten Komplimente, das ich jemals bekommen habe, war von Cornelius Kolig: Das hat so etwas Magisches wie bei Rousseau, hat er gemeint. Bei Rousseau als Bezugspunkt täte ich mir allerdings leichter. Von den Farben her gefällt er mir sehr gut, aber als Zeichner ist er nicht so, dass man sich vor ihm „fürchten“ muss. Bei Anton Kolig ist das allerdings schon der Fall.

Siehst du dich eigentlich in gewisser Weise dem Nötscher Kreis zugehörig?
Ich denke, ich bin irgendwie „dazugewachsen“. Am Anfang habe ich die Nötscher Maler gar nicht gekannt, und doch bin schon mit ihnen verglichen worden, da hat man Einflüsse gesehen. Und sicher gibt es Einflüsse. Es gibt immer wieder unterschiedliche Maler, an die ich denke, wenn ich arbeite, und Anton Kolig kommt da auch immer wieder vor.

Bei unserem gemeinsamen „Lokalaugenschein“ im Landhaus ist mir aufgefallen – auch bei den Fromiller- Fresken – dass du diese auf eine rein künstlerische, malerische, auch technische Weise betrachtest. Spielt der historische Zusammenhang für dich je eine Rolle?
Eigentlich weniger.

Und dass das Landhaus auch ein politischer Ort ist und als solcher auch belastet, im Speziellen der Kolig-Saal, wie ist es dir damit ergangen?
Die Geschichte der Fresken berührt mich natürlich sehr. Aber wenn ich ehrlich bin, geht es primär darum, was ich mir mit Anton Kolig ausmache, mit seinen Malereien, mit seinem Werk.

Inwiefern hat die Gestaltung des Raums durch Cornelius Kolig eine Rolle gespielt?
Zuerst habe ich mir gedacht, warum sollte ich da eigentlich etwas reingeben in den Raum, der ohnehin so schön und perfekt ist, und Cornelius, dem ich meine Arbeiten früh gezeigt habe und der als Lehrer ebenso wichtig für mich ist wie Maria Lassnig, war nach wie vor ein Kriterium. Es war vielleicht ein bissl so wie bei einem Porträt-Auftrag, da gibt es auch oft vieles, das ich berücksichtigen muss: Mir muss es gefallen, dem Porträtierten muss es gefallen, es soll, wenn es ein Kind ist, auch das Kind zufrieden sein, und die Eltern natürlich auch, und der Cornelius ist vielleicht schon auch so ein Elternteil [schmunzelt].

Dem Projekt ist eine gewisse Generationenabfolge ja immanent.
Ja, und mir gefällt auch, wie Erwin Hirtenfelder in dem Buch „Tatort Kolig-Saal“ schreibt, dass Anton Kolig sich auch nicht hat eingrenzen lassen, also dass er keinen Entwurf vorher an die Landesregierung abgeliefert hat, sondern einfach losgearbeitet hat. Und was bei den Bildern von Anton Kolig auch der Fall ist – ich weiß nicht, vielleicht hat das auch mit der Fotografie zu tun, mit dem Blitz, der da anscheinend verwendet worden ist, und mit so vielen undeutlichen Stellen –, dass alles doch recht geheimnisvoll ausschaut, das war für mich eine große Herausforderung.

Glaubst du eigentlich, dass Kunst, auch die „geheimnisvolle“, per se politisch ist?
Die Frage ist, was alles politisch ist. Wenn ich mich zum Dasein äußere, zum Menschsein, wenn ich bestimmte Personen darstelle, kann das politisch sein. Es kommt auch darauf an, welchen Stellenwert man bestimmten Figuren gibt. Früher habe ich eine Zeitlang Bilder in Brauntönen gemalt, da habe ich dann gehört, dass ich Bauern male. Oder dass ich mich über die Dargestellten lustig mache, dass alle Karikaturen sind. Das habe ich selbst nie so gesehen. Ich mag Humor, Witz in den Bildern, aber ich mache mich über niemanden lustig. Eine Zeitlang habe ich auch eher ärmere Leute gemalt, Gestrandete, aus dem Hamburger Kneipen-Milieu zum Beispiel; also, da habe ich mich dann für manche Figuren eingesetzt. In der Art war auch das Bild, das ich Maria Lassnig 1989 gezeigt habe. Das war das erste Bild, bei dem ich mir gedacht habe, das ist eigentlich das, was ich machen will.

War Maria Lassnig irgendwie präsent für dich, beim Arbeiten in den Räumen des Ateliers?
Nicht wirklich, nein. Also am Anfang war es schon so, dass ich mir gedacht habe, toll, dass ich dort arbeite, wo auch Maria Lassnig gearbeitet hat, das ist dann aber eigentlich ziemlich verschwunden. Da war vor allem der Raum, der mir gefallen hat, den ich mir dann auch angeeignet habe, und in Klagenfurt habe ich mich eigentlich auch wohl gefühlt. Dass alles überschaubarer und auch fußläufig erreichbar ist, habe ich als Vorteil empfunden, vor allem auch während der „Corona-Zeit“.

Hast du eigentlich einen Bezug zu dem Thema, das heuer in Kärnten kulturell und geschichtlich an erster Stelle steht: zu 100 Jahre Volksabstimmung, zur Mehrsprachigkeit oder zum Sprachenkonflikt?
Ich bin jedenfalls froh, dass die Sache mit den Ortstafeln einmal geregelt ist. Und dass ich bei der Galerie Šikoronja ausgestellt hab’, zu einer Zeit, als es die Galerie schwer hatte, Landesförderungen zu bekommen, da hat es mir schon gefallen, im Programm einer Galerie zu sein, die offen ist, zweisprachig.

Ist es aus deiner Sicht auch so, dass aus Kärnten besonders viele künstlerische Menschen kommen?
Ja.

Hast du eine Erklärung dafür?
Vielleicht reibt sich in Kärnten irgendetwas. Das Vermischte, denk’ ich mir, das wird vielleicht schon auch dazu beitragen, und vielleicht sind es auch die konservativen Leute, die andere reizen, aus sich herauszugehen und sich zu äußern.

Weißt du schon, wo du am 10. Oktober sein wirst?
Wahrscheinlich in Wien. Ich bin nie wegen des 10. Oktober nach Kärnten gefahren. Mich hat es auch immer gestört, wenn in Umfragen Leute gefragt wurden: Was ist da passiert, am Staatsfeiertag zum Beispiel, warum begehen wir den und so weiter. Dann gibt es bei den meisten eigentlich von vornherein schon eine Blockade. Dann kann es passieren, dass einem die einfachsten Sachen nicht einfallen. Was den 10. Oktober betrifft, bin ich jedenfalls froh, dass ich weiß, was da war [schmunzelt].

Katharina Herzmansky
Mitarbeiterin der Kulturabteilung des Landes, literarischer BRÜCKEnpfeiler.

Ausstellungen: Reflexionen über Anton Koligs zerstörte Fresken

Guido Katol
Landhaus Klagenfurt
bis 31. Oktober

Elisabeth Wedenig & Studierende
Museum des Nötscher Kreises
bis 1. November

1Das Interview basiert auf einem Gespräch im ehem. Lassnig-Atelier in Klagenfurt im Februar 2020 und wurde aus aktuellem Anlass der Ausstellung „Reflexionen über Anton Koligs zerstörte Fresken“ aktualisiert.

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