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Der Skulpteur

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Der Skulpteur

geschrieben am 29.01.2020 10:14

Ein Ortsaugenschein bei den plastischen Künsten Johann Feilachers.


Ein ehemaliger Gutshof in Hausleiten in Niederösterreich ist Atelier, Lager und zuweilen auch Ausstellungsraum des Bildhauers Johann Feilacher. Ein besonderer Ort, der bereits im 14. Jahrhundert Erwähnung fand und im 16. Jahrhundert durch die Grafen von Hardegg ausgebaut wurde. Vom ehemaligen Glanz dieser Herrschaft ist heute kaum mehr etwas zu sehen. Doch besitzt der Hof mit seinem umgebenden Areal ein besonderes Flair, nicht zuletzt durch die Skulpturen, die im Freiraum stehen und die Hölzer und Baumstämme, die Feilacher hier lagert und die es zu bearbeiten gilt. Ein ideales Atelier für einen Bildhauer, der in großen Maßstäben denkt und arbeitet.

Werkstoff Holz. Feilachers Material ist das Holz, auch wenn es zuweilen Objekte mit Metall und Kunststoff gab. Damit gehört der 1954 in Kärnten geborene Künstler mit David Nash oder Karl Manfred Rennertz zu jenen international agierenden Bildhauer*innen, die trotz der radikalen Erweiterung der Werkstoffe im Medium der Skulptur das Holz mit großer Konsequenz in den Mittelpunkt stellen. Ein Statement für die Haptik und Sinnlichkeit eines Materials, das im Zeitalter der „Digitalen Moderne“ wieder in den Fokus rückt.

Der Raum in dem Feilacher seine Skulpturen aufstellt ist dabei stets eine Dimension, die der Künstler als Faktum ansieht, den es gilt einzubeziehen, sodass ein definiertes Miteinander entsteht. Erfahrung damit hat er genug, stehen seine Arbeiten doch in den bedeutenden europäischen wie amerikanischen Skulpturenparks. Feilacher verwendet Hölzer, die von Bäumen stammen, die aufgrund von Sturmschäden, Alter, Krankheit oder Blitzschlag gefällt wurden. Durch den künstlerischen Eingriff werden sie aus dem „Kreislauf des Vergehens“ herausgenommen und in einen neuen Kontext gesetzt. Die Widerständigkeit oder Verletzlichkeit des Materials wird dabei ebenso einbezogen wie die Veränderung des Holzes durch die verschiedenen Witterungseinflüsse.

Basisformen und Archetypen. Aus den massiven Baumstämmen befreit er sowohl geometrische Basisformen als auch Archetypen wie in den Serien Shields und Tools, in denen er sich auf Formen archaischer Werkzeuge bezog. Durch das Einschneiden serieller Strukturen fächert er massive Holzblöcke auf oder verwandelt schwere Eichenhölzer, wie in der Werkgruppe Cutted, in filigran wirkende, sich öffnende Säulen und Monolithe. Eine eigene Serie bildet auch die Werkgruppe der Schlichtungen, in denen er die Tradition der Holzstapel im Kärntner Gailtal aufnahm.

Das Material stellt dabei das verbindende Feld dar, in dem sich diese Formen konstituieren. Es besitzt an sich bereits eine große Wirkung, die es für den Künstler einerseits zu respektieren, aber auch zu durchbrechen gilt. Viele seiner Skulpturen folgen der gewachsenen Struktur des Baumstammes. Dessen abstrakte Qualität wird durch den künstlerischen Eingriff in den Vordergrund gerückt, indem der Künstler Form wie auch die Oberflächenstruktur betont.

In den aktuellen Arbeiten, die im Atelier, aber bis 29. Feber auch in der Wiener Galerie Artecont in einem Dialog mit der Malerei von Maria Moser ausgestellt sind, greift Johann Feilacher viel radikaler in die Oberfläche des Holzes ein. Die mittels Kettensäge gekonnt gesetzten Schnitte zerfurchen das Holz und dringen zuweilen tief in das Material ein und legen den Kern des Stammes offen. Ein Akt der Zerstörung, den Johann Feilacher durch das Brennen der Oberfläche noch verstärkt. Neben der Lust an diesem expressiven Eingriff sieht er diesen Prozess auch als Metapher, in der aus dem Akt der Zerstörung – wo durchaus auch alte Arbeiten daran glauben müssen – wieder etwas Neues entsteht. Allerdings wahrt selbst hier Feilacher stets eine gewisse Struktur und Ästhetik. Die ehemaligen Baumstämme formen sich zu neuen Sinngebilden, denen eine gewisse Archaik allein schon durch das Material und das Brennen mit Feuer innewohnt und die sich – wie alle Skulpturen Feilachers – unmissverständlich in den Raum einschreiben.

Silvie Aigner
* 1965 in Wien, Kunsthistorikerin, Autorin und Kuratorin im Bereich der zeitgenössischen Kunst und Kultur für internationale und österreichische Museen und Sammlungen, Chefredakteurin der Kunstzeitschrift PARNASS.

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