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edition B kunst.aus.druck

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edition B kunst.aus.druck

geschrieben am 06.06.2018 09:31

kopf.über

Katharina Steiner 


Kopf.über

Blumenwiesen stehen Kopf
wir schauen das Gras von unten an
Erinnerungen werden munter
duftende Heublumen
als wir die Wiesen hinunterkugelten

in den Raum gebracht
verwandelt sich Unscheinbares
herausgehoben aus der Bedeutungslosigkeit
wächst es über unserem Kopf

der Blick nach oben
zeigt uns das, was wir uns unten erwarten
hemmungslos ändern sich Paradigmen
neue Blickwinkel
schaffen neue Durchsichten

über.Kopf

<Katharina Steiner> 

kopf.über oder über.kopf Installation nennt die am Wachsenberg bei Feldkirchen lebende Künstlerin Katharina Steiner ihre farbenfrohen Blumenwiesen, die sie kopfüber hängend an Decken befestigt. Diese hängenden Gärten hat sie bereits an einigen Orten installiert, wie letztes Jahr im Kunstcontainer am Hauptplatz in Gmünd oder im Eingangsbereich des Römerbades in Bad Kleinkirchheim, in der Kaslab ́n in Radenthein oder im Sagamundo in Döbriach. Der Künstlerin geht es um Achtsamkeit der Natur gegenüber. Sinne werden angeregt, Duft und Farbe berauschen beim Vorübergehen. Der Blick nach oben auf bunte Blumenwiesen erfordert eine andere Art der Wahrnehmung, eine andere Form des Betrachtens. Zu oft rauscht man gedankenverloren an Naturmomenten vorbei. Katharina Steiner lädt zum Innehalten ein und regt an, den Kopf einen Augenblick unterzuordnen und bedingungslos über eine Momentaufnahme des Vergänglichen zu staunen. 

Katharina Steiner hat Blumenbinderin gelernt und ihre Meisterprüfung in Zwettl abgelegt. Während ihrer Zeit in St. Moritz in der Schweiz, wo sie acht Jahre gearbeitet hat, stellte sie über ihre eigentliche Tätigkeit hinausgehend zunehmend künstlerische Ansprüche an ihre Blumengebinde. Zurück in Kärnten entstand 2015 ihre erste über.kopf Installation, Ende 2016 gestaltete sie den „Zauberwald“ in der Kaslab ́n Nockberge, 2017 die „Heuwiese“ ebendort. Dafür verwendete sie Blumen und Kräuter einer Blumenheuwiese, wie man sie von früher kennt und wie man sie heute aufgrund von Verbauung und Bewirtschaftung kaum mehr sieht. Die echten, eigenhändig gesammelten Blüten ergänzte sie bewusst mit künstlichem Hahnenfuß und künstlichen Glockenblumen – Pflanzen, die immer mehr verschwinden. 2017 gestaltete sie eine „Sommerwiese“ in dem von Jens August konzipierten mobilen Kunstcontainer in Gmünd, eine weitere in der Galerie Beau in Linz am Rhein in Deutschland. 2019 plant sie eine kopf.über Installation zu den Europäischen Toleranzgesprächen in Fresach. 

Je nachdem, für welchen Ort und welchen Anlass Katharina Steiner die hängenden Pflanzen zusammenstellt, wählt sie bestimmte Blumen, Farne, Kräuter oder Gräser aus, die sie entweder sammelt oder kauft und anschließend aufhängt. Manchmal ergänzt sie die Wiesen mit Kristallen oder wie im Windfang des Römerbades mit Schmetterlingen. Um die 3000 Blumen hat sie für die Arbeit „Ein Ausgang“ in Bad Kleinkirchheim verarbeitet. Alpen-Mannstreu, Rittersporn und Strandflieder in blauen und lila Tönen nehmen Bezug auf das Thermalwasser und korrespondieren mit der umgebenden Landschaft. Der botanische Name des blauen Rittersporns Delphinium leitet sich ab aus dem griechischen delphínion für Delphinpflanze, denn die Knospe der Blüte ähnelt dem Tier. Der Strandflieder, auch Meerlavendel genannt, ist häufig an Küsten zu finden, die distelähnliche Alpen- Mannstreu oder umgangssprachlich Blaue Distel, wächst in den Alpen, sehr selten in Österreich, aber ist in den Karnischen Alpen und in Vorarlberg nachgewiesen. Um die 100 Stunden Arbeit stecken in der Naturinstallation, jede Blüte hatte sie einzeln an einem Drahtgeflecht befestigt, bis zu dem Moment, in dem der Durchgangsbereich ein Raum zum Halt machen und Aufschauen wurde. Lesebergkristalle, unbehandelte, tropfenförmige Kristalle, die wie alle Bergkristalle als Heilsteine gelten, ergänzen das Meer von Blumen, dazwischen finden sich blaue Schmetterlinge. Die toten Schmetterlinge versinnbildlichen die Metamorphose – ein Aspekt der sich auch in den nach und nach trocknenden und zunehmend verblassenden Blüten findet. Die über.kopf Installationen halten nicht ewig, sie sind vergänglich, mit der Zeit verlieren die Blumen ihre Farben und beginnen zu bröckeln. Das ist ein wesentlicher Bestandteil der Naturinterventionen, denn mit den Pflanzen als organisches Naturmaterial bringt die Künstlerin ein Moment der Veränderung mit ein: Lebendigkeit, Vergänglichkeit und Tod spiegeln sich in den Arbeiten wider. Manchmal verwendet Katharina Steiner auch Pflanzen, die das Loslassen symbolisieren, wie den Löwenzahn. Sie hat eine eigene Technik entwickelt, die Pusteblumen haltbar zu machen, kein leichtes Unterfangen, denkt man schon alleine an die Schwierigkeit beim Einsammeln und Aufbewahren dieser. 

Neben den kopf.über Installationen fertigt die Künstlerin Zauberkästen in verschiedenen Größen, dabei bezugnehmend auf alte Setzkästen. In den mit Spiegeln oder vergoldetem Hintergrund versehenen Kästen arrangiert sie unterschiedliche Pflanzen zu beseelten Kunstwerken, auch dabei geht es ihr um Vergängliches und Erblühtes, Lebendiges und Gestorbenes. Kunstkartendrucke auf denen ihre Pflanzen zu sehen sind, gibt sie zusätzlich dazu heraus, kurz bringt sie so die Vergänglichkeit zum Stillstand. 

Heuer zeigt sie eingeladen von KUNST- radln in Millstatt über den Sommer eine über.kopf Installation, die in Hinblick auf einen alten, kargen, tonnengewölbten Raum noch stärker Vergänglichkeit thematisiert. Totenköpfe und Efeu sind neben anderen Pflanzen zu sehen. Efeu steht für Leben, Tod und Unsterblichkeit und für Liebe über den Tod hinaus. Man darf gespannt sein, welche Blüten und Gräser sie noch dabei verwendet und sich aufmachen zum Verweilen und Staunen und um sich „das Gras von unten anzuschauen“, wie sie es liebevoll nennt.
www.katharinasteiner.com

Nora Leitgeb
Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin für zeitgenössische Kunst, Graz und Klagenfurt | im Vorstand der Lend|hauer – Verein zur Belebung des Lendkanals und Kuratorin temporärer Kunstinterventionen im Lendhafen | Kuratorische Assistenz im kunstraum lakeside, Klagenfurt 

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