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Ein Beispiel für ein Leben

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Ein Beispiel für ein Leben.

geschrieben am 24.07.2018 09:42

Ein Dasein wie Christian Leitna. Erzählungen über einen Künstler.


Diese Geschichte hat einen Anfang, aber beginnt mit der Gegenwart. Hier lebt Christian Leitna. Er ist der diesjährige Stipendiat für künstlerische Fotografie und elektronische Medien. Er beschäftigt sich mit Geschichten – seiner eigenen, die ihn nach Klagenfurt bringt, und die der Menschen hier. Im Fokus seiner Arbeit steht das <Vor>Leben der Obdachlosen vor Ort. Den Grund dafür sollen jetzt die Geschichte und ihr Anfang erzählen.

977 wird in München Christian Leitna geboren. Er hat einen Vater, der kommt aus Kärnten, und eine Mutter, die nicht. Im Metnitztal gibt es ein altes Bauernhaus. Ein großes Grundstück, Wiese, Wald und sogar eine Urgroßmutter, die Christian Leitna gehört. Dieser ist noch ein Kind und besucht den Ort oft. Später ist er dann neun Jahre alt und seine Eltern trennen sich. Er bleibt in Bayern, als sein Vater nach Kärnten geht. Der Kontakt bricht ab. Dann ist er zwölf Jahre alt und steigt aus einem Fenster. Es ist nachts und klar, dass er dies heimlich tut. Am Rücken trägt er den Rucksack mit Lacksprühdosen. Er signiert Wände und Züge in dieser Nacht.

<In einem späteren> Jetzt ist Christian Leitna bei der Arbeit und wird zum Schriftenmaler ausgebildet. Hier ist er schon fast erwachsen und denkt gerade darüber nach, seinen Vater in Kärnten zu suchen. Der Gedanke verliert das Spiel, als Christian Leitna im Jahr 2001 von Behörden erfährt, dass sein Vater als Obdachloser in Klagenfurt tot auf einer Parkbank aufgefunden wurde.

Was die Geschichte als Nächstes weiß, ist, dass Christian Leitna in einem Hörsaal der Akademie der Bildenden Künste in München sitzt und später in einem ähnlichen Hörsaal in Manchester. In beiden studiert er die Bildhauerei, dann arbeitet er bildhauerisch und sieht darin Malerisches. Er hat meist ein Konzept und sagt: „Wegnehmen und dazu geben, aber meistens wegnehmen. Freilegen und im besten Fall zum richtigen Zeitpunkt aufhören.“ Er spricht über Grenzen. Die Grenzen zwischen Fotografie und Druck, Objekt und Installation vergisst er gerne. Die Grenzen zwischen Abstraktion und Figuration, Realität und Illusion sucht er vergebens. In den darauffolgenden Jahren beschäftigt Christian Leitna vieles. Erinnerung, Vergänglichkeit, Wahrnehmung – viele Aspekte gelebter Realitäten und deren Verlust. Er sammelt Bilder aus Zeitungen und Internet, schichtet sie übereinander, bis ein Bild dem anderen gleicht und man ihnen nicht mehr glaubt, einst in einer Flut an Bildern doch eigenständig gelebt zu haben.

Im Mai 2018 zieht Christian Leitna in das Wohnatelier im Europahaus Klagenfurt und findet sich erneut an dem Ort, der bisher nur seiner Kindheit gehörte. Erneut Wald und Wiese und befriedigte Sehnsucht. Berge, die umkreisen und vor Zerstreuung schützen. Letztlich sucht er doch nach seinem Vater, recherchiert und spricht mit Menschen. Es sind ausgegrenzte Menschen, für deren Geschichten sich Christian Leitna interessiert. Er sucht nach ihrem Blick auf eine Gesellschaft, in der sie keinen Platz zu finden scheinen. Seine eigene Geschichte bringt ihn nun zurück an den Hof seiner Urgroßmutter und er sitzt in einer Ruine, von der aus Christian Leitna arbeiten möchte. Das Haus ist eingefallen und was bleibt, gehört der Natur. In einem Heim ohne Menschen soll eine Plattform für Menschen ohne Heim geschaffen werden. Dabei helfen soll ihm die geplante Zusammenarbeit mit der JUNO Klagenfurt und der Caritas Wohnungslosenhilfe.

September 25 – in dieser Zukunft soll die Geschichte enden. Sie endet mit Ihnen als BetrachterInnen. Ab dem 25. September werden Christian Leitnas Arbeiten nämlich im Living-Studio der Stadtgalerie Klagenfurt zu sehen sein.

Lisa Maria Omelko
jung und aus Kärnten, Studentin der vergleichenden Literaturwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre in Wien. 

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