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Ich lebe sparsam

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All That Jazz - Ich lebe sparsam

geschrieben am 29.07.2020 17:10

Jazz-Saxophonist Robert Unterköfler ist nach vielversprechendem Karrierestart unsanft im Lockdown gelandet. Gut, dass er so vielseitig aufgestellt ist.


Auf seiner Homepage findet sich ein karger Lebenslauf: die Stationen seiner Ausbildung, ein paar Musiker*innen, mit denen er zusammengespielt hat. Darunter einige Videos und Tondokumente. Wir „scrollen“ das Feld von hinten auf. Ganz unten findet sich ein etwa dreiminütiges Solo über Charlie Parkers Song „Confirmation“ – daheim in Wien aufgenommen, mitten im Corona-Lockdown, wie Robert Unterköfler später im Telefongespräch erklärt: sehr flüssig, geradezu fließend und doch die nervösen kurzen Phrasen des großen Vorbilds bewahrend. Eine erste Annäherung an einen erst 27-jährigen Musiker, für den es praktisch keine Grenzen zu geben scheint, weder technische noch stilistische. Ob er nun in Christian Muthspiels neuer Super-Bigband „Orjazztra Vienna“ im Bläsersatz am Tenor glänzt oder seine eigenen vielfältigen Projekte verfolgt.

Als Jazzmusiker*in muss man sich nach der Decke strecken, macht er im Gespräch schnell klar. Er lebe sparsam. Aber auch als eines der vielversprechendsten jungen Talente in Österreich habe er den Lockdown wirtschaftlich nur mit Hilfe seiner Familie überstanden. Papa Klaus daheim in Villach hat viel Verständnis für das Musikerdasein. Er spielt selbst die Posaune in der Kelag-Bigband und ist dort für Organisation und Kommunikation zuständig. Und er darf stolz auf seinen Filius sein. 2018 gewann der Junior das allererste Ö1 Jazzstipendium für ein Masterstudium an der Wiener JAM MUSIC LAB Private University. In der Jury saß Österreichs derzeit wohl international renommiertester Jazzmusiker, der Gitarrist Wolfgang Muthspiel, außerdem der Musikproduzent Jeff Levenson (Warner Bros und Sony). Wolfgang Muthspiel war schließlich auch einer von denen, die ihn für die Position des Tenoristen im „Orjazztra Vienna“ an Bruder Christian empfahl.

Keine Kulturnation. Unterköflers Karriere war gerade so vielversprechend gestartet, da kam der Lockdown – für alle freischaffenden Musiker*innen ein Schock. Selbst wenn man so breit aufgestellt ist wie Robert Unterköfler, der auch auf Bällen und Partys spielt und nebenbei privat unterrichtet. Die IGP-Ausbildung (Instrumental- und Gesangspädagogik, Musiklehrerausbildung) hat er so nebenbei nachgeholt. Im Lockdown haben sich die Prioritäten doch etwas verschoben. Was er vorher nicht für möglich gehalten hätte: Jetzt schaut sich der junge Musiker nach einer „coolen Unterrichtsstelle“ um. Aber die ist in seiner Homebase Wien gar nicht so leicht zu finden. Pro Bezirk gebe es gerade einmal zwei öffentliche Musikschulen. Die zusätzlichen privaten Einrichtungen seien die reine Abzocke: „Da ist man nicht einmal versichert und muss die Unterrichtsräume um teures Geld mieten“, spart er nicht mit Kritik. Für die prekären Verhältnisse, in denen freischaffende Musiker*innen hier leben müssen und die mangelnde Unterstützung in der Corona-Krise hat Unterköfler nur ein ebenso kurzes wie vernichtendes Verdikt übrig: „Österreich ist keine Kulturnation!“

Rote Welt. Aber auch die Vermarktung der Musik ist inzwischen ein Problem. Immer mehr Musiker*innen nehmen sie deshalb selbst in die Hand und gründen eigene Plattenlabels. Im Fall von Robert Unterköfler heißt es „Rote Welt Records“. Hier hat er auch seine zweite CD „Rote Welt“ herausgebracht. Mit ihm Kern der Band sind seine beiden langjährigen Freunde und Studienkollegen Robin Gadermaier am Bass und Valentin Duit an den Drums. Zusammen tauchen sie auch immer tiefer in die Tontechnik ein, um ihre musikalischen Vorstellungen exakt umsetzen zu können. Davon sollen bald auch andere Ensembles profitieren. Zurück zur Homepage: Immer wieder erstaunt die stilistische Vielfalt: Tenorsax, Sopransax, Klarinette, das Freejazz-Solo neben der supersauberen Ballade! Bei seinem Erasmus-Aufenthalt im holländischen Groningen habe er einmal seinen Lehrer Michael Moore gefragt, für welchen Ansatz er sich entscheiden solle. Der habe ihm schlicht empfohlen, sich situationsbezogen für den einen oder anderen zu entscheiden. Dem ist er treu geblieben. www.roteweltrecords.com

Gilbert Waldner

* 1959, lebt und arbeitet in Klagenfurt, Kulturjournalist und Jazz-Aficionado.

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