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Kreuzigungsseminar

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Kreuzigungsseminar

geschrieben am 24.07.2018 09:55

*frei ist der Blick und offen das Herz in den Bergen der Heimat*


Am Rande einer Gesellschaft, die in Kursen, Seminaren und Workshops sich selbst, Arbeit, Sinn und Partner sucht und wieder sucht und doch viel zu oft nichts dergleichen findet, begibt sich Erich Pacher auf einen noch unbetretenen Pfad und skizziert auf dieser Via dolorosa den allerletzten Bildungsweg.

Am Gipfel der Profanität ein Kreuz. Mit farbenprächtigen Digitalfotografien vor dem Hintergrund der heimischen Berglandschaft, die manierlich als alpines Golgatha posiert, erteilt Pacher dem beruflichem Erfolg dienenden Aus- und Weiterbildungszwang eine Absage, kündigt seine Mitgliedschaft und läutet das Ende des Karrieredenkens ein: Es gibt kein Weiterkommen. 

Hoch oben, am (vermeintlichen, denn welchen Vermessungen kann man noch Glauben schenken?) Gipfel (Ist es der Karrieregipfel, der Gipfel des Erfolges oder doch der Gipfel der Verzweiflung? Und ist das nicht in Wahrheit längst einerlei?) angekommen, kann nur noch die Kreuzigung, die Marter, die leidvolle und langsam voranschreitende Vernichtung des Körpers geleistet werden. Das Menschenmaterial als Rohstoff, das Fleisch selbst und nicht die Faktor-Funktion, die einzelne humane Ressource als kleinste Einheit im großen Apparat, der letzte Rest der Arbeitskraft wird ohne Rücksicht auf Angebot und Nachfrage hingegeben, an die Lüfte, an das Weite verschenkt, nicht etwa auf dem Markt feilgeboten und das ist auch besser so. Denn eine Ökonomie, die sich nicht an unseren Bedürfnissen orientiert, ist es nicht wert, dass wir uns nach den ihren richten. Diese letzte Offenbarung widmet sich nur noch der freien Natur und dort ist der Blick klar und weit. 

Der unaufhaltsame Aufstieg des Wolkentänzers. Dahinter steht die eigene Biografie als Exempel. Als Tänzer hat Erich Pacher schon lange das naturgegebene Ablaufdatum überschritten. Für die weitere berufliche Zukunft stellen sich keine Weichen. 

Was es vorzuweisen gibt: Einen Lehrabschluss in einem Beruf, der längst ausgestorben ist. Sonst keinerlei Zeugnisse, die dieser Arbeitsmarkt akzeptiert. Nicht einmal einen Führerschein. 

Dafür aber: Viel vertanzte Zeit ... bis hin zur Preisgabe des letzten Sicherheitsbedürfnisses. Viele Gespräche mit Hinz und Kunz. Trotz allem nicht das Zeug zum Callcenter-Manager und so gar keine Ambition, im letzten Auffangbecken des Netzwerkmarketings zu reüssieren. Keine Volkshochschule und kein WIFI können da noch etwas tun. Nur ein Kreuzigungsseminar bietet sich hier noch als einzig sinnvolle Weiterbildungsmaßnahme an und führt den allseits lauten Life-Long-Learning-Appell ad absurdum. Denn eines steht fest: Das Teilnahmezertifikat kann für nichts garantieren – keine besseren Jobaussichten, keine Beförderung, weder Geld noch Macht.

Nulla poena sine lege. Wenn Kreuzigung als Strafe gilt, so wird verbotenes Tun vorausgesetzt, so muss erst ein Bruch des Rechts stattgefunden haben, doch man ist ahnungslos: Welches Gesetz bindet uns? An das Kreuz. An den Marterpfahl. Doch wenn es hier oben endet, dann ist alles gut, es ist nur eine Sache des richtigen Trainings.

Lernen von den Besten – in der Kaderschmiede der unbeugsamen Kreuzigungselite. Horizontale meets Rückgrat.

Anna Woellik
Mitarbeiterin der Unterabteilung Kunst und Kultur 

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