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Männer bei der Arbeit

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Männer bei der Arbeit

geschrieben am 31.01.2020 08:04

Eine Designwerkstatt in Wien.


breadedEscalope. Es treffen sich in einer Wiener Werkstatt eine handwerklich unbegabte Brückenbauerin und die drei jungen Männer des Designkollektivs breadedEscalope namens Sascha Mikel, Martin Schnabl und Michael Moser (Tatschl). Am Anfang dieser Brücke stehe ich in Wien, ziehe vergebens und drücke dann mit vollem Körpereinsatz ein eisernes Gartentor. Die Scharniere quietschen, ich stöhne und die Tür öffnet sich. Eine zweite Tür öffnet sich leichter und ich bin in der Werkstatt angekommen. In der Hütteldorfer Straße 59 haben sich drei aus Villach stammende Gestalter eine moderne Werkstatt mit altem Charakter gebaut. Ein Mitte der 1920er errichtetes „Werk- und Wohnhaus“ haben sie renoviert und eröffneten das HDS59 im vergangenen Jahr als Gemeinschaftsatelier und Werkstätte unter ebendiesem hippen Namen.

Die Werkstatt ist noch neu, deshalb sauber und prinzipiell sehr hell. Auf einer Werkbank steht eine Klappleiter. Eine weiße Plane ist über sie gelegt und eine improvisierte Girlande aus glänzenden Metallteilen schmückt sie. Es ist ein Weihnachtsbaum. Auf einem alten Schmiedegerät kleben Kulleraugen; wir starren uns an und in einem alten Küchentopf steckt ein Strauß Rosen. Ich war noch nie in der Werkstatt eines Designers, also tue ich so, als wäre das alles ganz normal. „Im Prinzip sind wir drei Typen mit einem Gestaltungswillen. Die Leute sind sich oft nicht sicher, was wir eigentlich machen. Ist es Design oder ist es eine Kunstform. Vor kurzem waren wir in New York bei einer Ausstellung. Dort haben sie uns als ein ‚functional art collective‘ bezeichnet. Dafür waren wir sehr dankbar – einmal in der Kunst einen Namen erhalten zu haben.“

Mit dem Namen, den sie sich selbst gegeben haben, sind sie nicht allzu glücklich; vermutlich, weil sie von Reporter*innen ständig darauf angesprochen werden. breadedEscalope ist eine englische Übersetzung des Wiener Schnitzels. Bei der Gründung des Kollektivs im Jahr 2008 hatten sie während eines gemeinsamen Restaurantbesuchs in Hannover den Ausdruck auf der Speisekarte entdeckt. Heute ärgert man sich beim Buchstabieren übers Telefon. „Wir haben dann angefangen, irgendwelche Legenden über unseren Namen zu erfinden: das Wiener Schnitzel als ein Stück Fleisch, dessen Inhalt oder Qualität man mit einer dekorativen oder gestalterischen Form überbaut. Das ist eigentlich sehr entlarvend für Design“, sagt man gar nicht verärgert.

Aber vermutlich steht in meinem Gesichtsausdruck kleingeschrieben noch die Verwirrung und deshalb fügen sie hinzu: „Im klassischen Sinne wäre ein Designer jemand, der Fertigungsprozesse optimieren kann und durch Gestaltung auf funktionale und ästhetische Aspekte eines Produktes eingeht. Weil alles, was man im Alltag brauchen kann, schon im Überfluss vorhanden ist, differenzieren sich Produkte und damit die Möglichkeiten eines Designers oft nur durch geschicktes Marketing. Wir haben das Gefühl, als würde der Gestalter dann einfach zu so einer Art Konsumbeschleuniger werden, und finden es prinzipiell nicht gesund, dass wir so viele Sachen haben.“ Prinzipiell gesund für einen Designer und sein Überleben scheint es nicht, so zu denken. „Wie wir Design verstehen, ist in Wahrheit schon fast eine Art Lebensweise. Aus bereits vorhandenen Sachen etwas zu produzieren. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist für uns wichtig, das verfrühte Wegwerfen zu verhindern und Mechanismen zu schaffen, die einem Objekt eine emotionale Ebene verleihen.“

Immer Aufbruchsstimmung. Mittlerweile ist in der Werkstatt Ruhe eingekehrt und alle scheinen sich natürlich zu verhalten – spielen mit Bieröffnern oder checken kurz das Handy. So richtigen Werkstattcharakter hat das hier nicht, denke ich, bis ich merke, dass es nicht auf Ort und Umgebung ankommt. Die eigentliche Werkstätte ist die Gedankenwelt von breadedEscalope. „Letztlich ist unsere Werkstatt eine Art Fundus, der uns einen Platz gibt, um dort spontan Dinge auszuprobieren. Wichtiger noch ist die Metapher dahinter. Mit einem Fundus zu arbeiten heißt, keine Scheu vor Wiedererkennungswerten zu haben. Wir nehmen gerne Sachen her, die dem Betrachter schon aus einem anderen Kontext bekannt sind, und organisieren das dann zu neuen Chimären. Der Generation unserer Eltern ist das vermutlich fremd. Die sagen uns auch heute immer noch: „Das müsst ihr doch sofort patentieren.“ Müssen wir nicht, weil das nicht mehr relevant ist. Copy-Paste ist heutzutage ein anerkannter Workflow. Wir haben immer Aufbruchsstimmung, arbeiten nicht mehr in der stillen Kammer und versuchen alles geheim zu halten. Am Ende ist der Schaffensprozess nicht in der Werkstatt verortet. Irgendwann trägt man das Projekt aus der Werkstatt oder holt die Öffentlichkeit in die Werkstatt rein, um die Idee weiter zu verfeinern.“

Oder man lässt die Werkstatt selbst in die Öffentlichkeit gehen. Das Trio will dem Schaffensprozess eine Bühne bieten und inszeniert ihn deshalb als Performance. Bei „love me bender“ werden Buchenholzstäbe durch das Kochen in Wasserdampf gebogen und zu neuen Objekten zusammengefügt. „Die Werkstatt ist kein Ort, wo etwas fertig gemacht wird. Das Projekt muss nicht fertig sein. Es muss nur etwas da sein, das einen Diskurs ermöglicht, um die Werkstatt verlassen zu können. Prinzipiell ist es dafür nie zu früh. Beim ersten Versuch von ‚love me bender‘ haben wir in der Mittagspause den Dampf vom Nudelkochen verwendet. Und nur einen Monat später haben wir mit den gleichen Wasserkochern und Töpfen im MAK unsere erste Buchenholz-Performance durchgeführt. Das ist eine Art zu arbeiten, die man als unprofessionell betrachten könnte. Für uns ist das ein cooler, schlüssiger und persönlicher Prozess.“

www.breadedescalope.com

Lisa Omelko
jung und aus Kärnten, Brückenbauerin sowie Studentin der vergleichenden Literaturwissenschaft in Wien

ausstellungs.tipp

breadedEscalope: studio non grata
Vernissage: 27. Februar, 19 Uhr
zu sehen bis 20. März
Galerie Freihausgasse, Villach

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