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Musik: kein Entkommen

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Musik: kein Entkommen

geschrieben am 01.02.2019 09:10

Aleksander Simić ist ein über die Landesgrenzen hinaus gefeierter Nachwuchscellist. Der 15-Jährige denkt in Musik.


Ende letzten Jahres spielte im Musikgymnasium Viktring eine Big Band auf. Die Musiker*innen waren ausgezeichnet, die meisten Schülerinnen und Schüler von den Jazzklängen sehr angetan. Nur einem war unwohl. Aleksander Simić, 15 Jahre alt und der erfolgreichste Nachwuchscellist des Landes, musste sich zuweilen die Ohren zuhalten. „Es war so laut“, sagt er. „Die Band hat gut gespielt, aber es war zu laut.“

Eine Welt ohne Musik? Aleksanders Wahrnehmung der Welt ist von Musik durchdrungen. Vom morgendlichen Weg zur Schule bis zum Liegen im Bett denkt er an Klänge, Etüden, Variationen und die Vorschläge, die sein Professor bei der letzten Übungsstunde machte. Wenn seine Eltern schon schlafen gehen, hört er noch heimlich Platten oder geht seine Konzertstücke im Kopf durch. Eine Welt ohne Musik? „Das wäre für mich eine Welt ohne Menschen. Überall gibt es Musik, egal was man macht.“ Undenkbar, ihr zu entkommen. „Ich glaube nicht, dass eine Welt ohne Musik funktionieren würde.“ Dieser junge Mann ist nicht wie die meisten seiner Altersgenossen. Er übt jeden Tag sechs Stunden lang am Cello und nimmt allerhand weitere Strapazen auf sich, weil er nach Perfektion strebt. Nach Perfektion, von der er gleichzeitig weiß: „So etwas existiert nicht. Es ist wichtig, zu wissen, dass man nie ausgelernt hat. Auch Rückschläge sind wichtig, damit man weiterkommt und ein tieferer Mensch wird. Um beim nächsten Mal mit mehr Gefühl zu spielen.“

„Cello zu spielen bedeutet mir alles.“ Wie man Cello spielt, hat er schon als Dreikäsehoch von seiner Mutter, einer ungarischstämmigen Profimusikerin, gelernt. „Sie hat mir etwas vorgezeigt, und dann habe ich das Gleiche gespielt. So habe ich automatisch die Töne gelernt“, erzählt er. Damals war er vier Jahre alt und konnte bereits Noten lesen. Und nein, spielerisch sei daran nichts gewesen. „Meine Mutter hat mich von Anfang an sehr gefordert. Sie hat die Musik ernst genommen und mich auf einen Weg vorbereitet.“

Seine Zielstrebigkeit zahlt sich aus: Er hat schon einige internationale Wettbewerbe gewonnen. Auf YouTube finden sich zahlreiche Konzertvideos von ihm. Auf manchen ist er zwölf Jahre alt und einen Kopf kleiner als das Cello zwischen seinen Knien. Bei einem Talentwettbewerb rührt sein Spiel das Publikum zu Tränen. „Cello zu spielen bedeutet mir alles“, sagt er, ganz unironisch, mit der Ernsthaftigkeit eines Heranwachsenden, der davon überzeugt ist, dass er seinen Platz im Leben gefunden hat. In zehn Jahren will er den Durchbruch als Solocellist geschafft haben und auf den Konzertbühnen der Welt spielen. Wie sich das anfühlen könnte, weiß er bereits. Schon jetzt reist er zu Auftritten im In- und Ausland. Unter Musiker*innen und im Internet wird das Ausnahmetalent als aufsteigender Stern gefeiert. 

Frühen Ruhm hatte er sich zuvor bereits in einer anderen Disziplin erworben. Vor einigen Jahren wurde er in Tennis Kärntner Landesmeister seiner Altersklasse. Doch hier muss er nun kürzertreten. Zum einen ist die Zeit knapp, zum anderen ist Profisport für einen Streicher riskant – zu groß ist die Gefahr einer Handverletzung. Jetzt spielt er noch manchmal mit seinem jüngeren Bruder, und Sport bleibt sein wichtigster Ausgleich. Für Freundschaften bleibt wenig Zeit, die Einsamkeit der Hochbegabten kenne er dennoch nicht. „Es gibt Nachteile“, sagt Aleksander. „Aber ich habe mir das selbst ausgesucht.“ 

Über Grenzen hinauswachsen. Seit einiger Zeit pendelt der junge Cellist regelmäßig nach Wien, wo er an der Universität für Musik und darstellende Kunst einen Hochbegabtenkurs besucht. Am liebsten würde Aleksander jetzt schon in Wien bleiben und sich ausschließlich auf sein Cellospiel konzentrieren. Noch aber muss er auch Mathematik, Deutsch und Englisch pauken. So kommt es, dass er oft bis zu elf Stunden am Tag mit Lernen beschäftigt ist. Und wenn er wieder einmal im Zug sitzt, während seine Klassenkamerad*innen Unterricht haben, lässt er sich per Handy über den Stoff am Laufenden halten. Später holt er alles im Eigenstudium nach. 

Aleksander ist es gewohnt, an Grenzen zu gehen – auf seine Art. „Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen. Hervorragende Technik allein kann nichts. Man muss eine eigene Vision haben. Es reicht nicht, die Vorlage zu spielen, die in den Noten steht. Man muss darüber hinauswachsen.“

Patricia Kurucz
1978 in Budapest geboren, lebt als Dolmetscherin und Lektorin in Wien. 

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