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Villach Katzenmumie

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Villach Katzenmumie

geschrieben am 29.07.2020 16:53

Ein Souvenir aus dem Alten Ägypten.


Kätzisches Kuriosum. In den Beständen des Museums der Stadt Villach wird als exotisch-archäologisches Kuriosum eine 25 cm messende Katzenmumie aus der Spätzeit des Alten Ägypten aufbewahrt, die 1901 als Geschenk des Gustav Freiherrn von Seenuss an das Museum gelangt ist. Über die Hintergründe der Schenkung von mehreren altägyptischen Antiquitäten durch Gustav von Seenuss ist wenig bekannt – ähnlich wie über sein Leben. Lediglich seine Beisetzung in einer Mauergruft am Friedhof von Annabichl ist verlässlich dokumentiert. Vermutlich dürfte er die kleine Katzenmumie auf einer Ägyptenreise als Souvenir erworben und nach Kärnten mitgebracht haben. Sie ist Ausdruck der großen Verehrung diverser Tiere, die in der Spätzeit des Alten Ägypten ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Eine stattliche Reihe antiker Autoren – allen voran Herodot, Strabon und Diodor –, aber auch frühchristliche Texte berichten über die Wertschätzung der Katzen bei den Ägypter*innen. Das Zentrum der Verehrung war der Tempel der Katzengöttin Bastet im Delta, an den nur mehr die Ruinenstätte mit dem heutigen Namen Tell Basta in der antiken Stadt Bubastis bei Zagazig erinnert. Für die Katzen, die heiligen Tiere der Bastet, von denen besondere Exemplare im Tempel gehegt und gepflegt wurden, gab es ausgedehnte Begräbnisplätze. Ende des 19. Jahrhunderts bei Ausgrabungen entdeckt, wurden sie seither durch Überbauung und sonstige Devastierungen zerstört.

Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass die kleine Villacher Mumie aus dem Katzenfriedhof von Bubastis stammt. Unsere Spur führt nach Saqqara zu einer Gruppe von Felsengräbern, die arabisch von den Einheimischen „Abouab el-qotat“ („die Tore der Katzen“ bzw. „die Grabeingänge der Katzen“) genannt werden. Diese Felsengräber wurden in der Spätzeit neuerlich als Katakomben für die Bestattung von Katzen aus dem Bubasteion wiederverwendet. Auch der Ägyptologe Dieter Kessler von der Universität München hält Saqqara für den Herkunftsort der Katzenmumie in Villach: „... dafür spricht auch die Kassettenwicklung und das Gesicht. Ich würde die Mumie – ich nehme an, sie ist mit Teerstoffen behandelt worden – etwa in die Zeit der ersten Ptolemäer setzen.“ Eine eindeutige Klärung könnten wahrscheinlich die Sandspuren bringen, die sich in den Leinenstreifen der Umwicklung bis heute erhalten haben und die im Zuge der Untersuchung der Katzenmumie erst neulich festgestellt wurden – vorausgesetzt sie könnten mineralogisch-analytisch mit Bodenproben aus den Felsengräbern verglichen werden.

Enttäuschend war das Ergebnis der Röntgen-Untersuchung der Villacher Katze, das auch von einer Computertomographie bestätigt wurde. Ausgangspunkt war die Annahme, dass von den Balsamierern der vollständige Körper einer jungen Katze verhältnismäßig aufwendig behandelt worden sei, doch die Röntgenbilder lassen nur einzelne Knöchelchen, Füllmaterial und auch Fremdkörper erkennen, die zu einem kunstvollen kleinen Gebilde geformt, den Körper einer Katze vortäuschen sollen – was kein Einzelfall ist.

Totenkult. Es ist eindeutig erwiesen, dass es auch für Katzen und andere Tiere unterschiedliche „Klassen“ von Begräbnissen gegeben hat. An erster Stelle sind sorgfältig balsamierte Tempelkatzen und Tiere wohlhabender Leute anzuführen. Als Beispiel hierfür kann die besonders sorgfältig präparierte Katzenmumie der Ägyptensammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien herangezogen werden, deren Röntgenaufnahme ein vollständig erhaltenes Katzenskelett zeigt (Inventar- Nr. AEOS 267).

Nachdem die Katzen in kunstvoll geflochtene Leinenbinden eingewickelt waren, wurden sie in kleine bemalte Holzsärge oder auch in Steinsärge gebettet und mit den üblichen Ritualen zur Ruhestätte der Katzen gebracht. Doch auch für die Vielzahl der weniger privilegierten, aber von den Menschen sehr wohl geschätzten Katzen wurde gesorgt. So gab es für sie zum Beispiel in der Nähe der Tempel und Kultstätten der Bastet Futterplätze, die vom Tempelpersonal betreut wurden, das überdies tote Katzen aufsammelte oder entgegennahm, um sie den Taricheuten genannten Balsamierern und Mumifizierern zu übergeben, die auch ihnen nach den Vorstellungen der Ägypter ein Weiterleben im Jenseits ermöglichten. Offensichtlich wurden auch Tiere mitgenommen, bei denen die Verwesung im heißen Klima fortgeschritten war, oder die von Füchsen, Ratten und dergleichen angenagt waren. Solche Reste bekamen eine Behandlung wie vollständige kleine Körper, wobei die fehlenden Teile durch Füllmaterial ergänzt wurden, so dass nach außen hin kein Unterschied zu erkennen ist. Es wurde dafür in der Fachliteratur der Ausdruck „Scheinmumien“ geprägt.

Es ist davon auszugehen, dass die Herstellung der Katzenmumien Angelegenheit der dafür berufenen Leute im Tempel war – den Taricheuten –, aber dass Gläubige, die das Heiligtum der Bastet besuchten und ein der Gottheit wohlgefälliges Werk tun wollten, für die Bestattung einer Katze in den Katakomben gespendet haben.

Mysterium. Vergleicht man die gute, verhältnismäßig aufwendige Ausführung der Katzenmumie des Museums der Stadt Villach mit dem Inhalt – also kein vollständiges Skelett, sondern eine Scheinmumie –, so könnte auch eine etwas andere Erklärung gegeben sein. Ist es denkbar, dass hier das Kleine einer geliebten Hauskatze an irgendeiner der vielen lauernden Gefahren zu Grunde ging – vielleicht neugierig-verspielt einem Skorpion zu nahe gekommen, dann zu spät in schlechtem Zustand gefunden, aber trotzdem für ein Weiterleben vorgesehen, wofür die Taricheuten des Bubasteions entsprechend entlohnt wurden? Wir werden es nie mehr erfahren! Es muss das Geheimnis des Kätzchens bleiben.

Gottfried Hamernik
* 1935 in Wien, Ägyptologe, lebt seit 1964 in Kärnten.

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