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Vom Jazz leben

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Vom Jazz leben

geschrieben am 30.11.2018 08:50

Beim diesjährigen Carinthian International Jazz Award hat der Kärntner Saxophonist Martin Gasser den dritten Platz erreicht. In der Kölner Jazzszene ist er ebenso eine Größe wie im Glenn Miller Orchestra. 


Renaissance des Jazz. Anfang August 2017 hat die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ ihr dem Großformat beigelegtes Magazin ausschließlich der Renaissance des Jazz gewidmet. Immer mehr junge Leute würden sich dafür begeistern. Ob der seit Jahren in Köln vom Jazz lebende 28jährige Saxophonist Martin Gasser das nachvollziehen könne, will ich von ihm wissen. Gassers Antwort fällt differenziert aus. Natürlich komme es darauf an, wo man spiele. Aber, ja, der Altersschnitt sei inzwischen gesunken. Das liege seiner Ansicht daran, dass es etwas mit einem mache, wenn man bei einem Konzert sei. Und gleich darauf schlägt der Pädagoge in ihm durch, der er eineinhalb Tage pro Woche auch ist: „Die Schwierigkeit ist es, den Leuten, die den Jazz noch nicht kennen, einen Anreiz zu bieten, hinzugehen, ihnen zu erklären, worum es dabei geht.“ Man dürfe das Publikum nicht sich selbst überlassen. 

Martin Gasser weiß, wovon er redet, ist er doch in einem wenig musikaffinen Haushalt in Treffen bei Villach aufgewachsen. Als er zunächst die Blockflöte blies, konnte niemand ahnen, in welche Richtung es ihn verschlagen würde. Mit ungefähr 10 Jahren wechselte er zum Saxophon. In den Musikschulen von zuerst Treffen (Gegendtal), dann Villach, weckte sein Lehrer Harald Simschitz die Begeisterung für den Jazz. Der kleine Martin fiel auf, weshalb sein Unterrichtspensum per Begabtenförderung gleich verdoppelt wurde. Schon damals bildeten sich kleinere Combos, die verschiedenste Stile ausprobierten. Man orientierte sich an den Brecker Brothers (Saxophonist Michael und Trompeter Randy Brecker) oder an den Working Bands von Bassist Charles Mingus. 

Noch während der Gymnasialzeit wechselte Gasser dann zum Vorstudium ans „Konse“ nach Klagenfurt und zu Saxophonist Michael Erian. So richtig in die Szene eintauchen konnte Martin Gasser damals nicht, weil er schulbedingt nur ein bis zwei Nachmittage Zeit für die Musik hatte und die in erster Linie mit Theoriestunden belegt waren. Nach der Matura folgten Gardemusik und Konservatorium in Wien bei Thomas Huber und Andy Middleton, schließlich der Sprung nach Köln. Denn Gasser wollte nach so viel Instrumentalunterricht endlich auch Komposition studieren. 

Die Kölner Szene entpuppte sich für ihn als Volltreffer. Sie sei offener und weniger traditionell als die in Wien. Dazu gebe es gleich vier, fünf größere Ensembles oder Big Bands, mit denen man seine Kompositionen ausprobieren könne. Inzwischen hat Gasser sein eigenes Quartett mit Felix Hauptmann am Klavier, Reza Askari am Bass und Thomas Sauerborn am Schlagzeug. Stilistisch beschreibt er das Projekt als Modern Jazz, ein bisschen in Richtung des berühmten deutschen Plattenlabels ECM. Eine CD namens „Blaues Gebet“ ist seit 2016 veröffentlicht. Daneben gibt es aber auch noch starke Bindungen in Richtung Wien und zum Ensemble Booxy‘s Box sowie zum Quartett des Crossover- Pianisten Roland Batik.

Seine Begeisterung für Big Bands kann Gasser übrigens im berühmten Glenn Miller Orchestra ausleben, wo er als Erster Altsaxophonist demnächst wieder auf Tournee in Russland auftreten wird. Im Jänner ist er damit in Klagenfurt zu hören. In einer Big Band hat er vor einigen Jahren auch seine Lebensgefährtin, eine Bassposaunistin, kennen gelernt. Die Blechblasinstrumente schweißen offenbar zusammen. Gegen Ende des Gesprächs kommt Gasser noch einmal auf seine Begeisterung für den Jazz zu sprechen: Es sei eine so abwechslungsreich sich immer neu erfindende Musik, die im Moment entstehe. Schade, dass die Auftrittsmöglichkeiten eher weniger als mehr werden und das, obwohl über die vielen Ausbildungsstätten immer mehr professionelle Musiker*innen auf den Markt kommen. Dass die Existenz als freiberuflicher Musiker bei ihm funktioniere, erachte er als kleines Wunder. Und das sagt einer, der alle seine Ausbildungen mit Auszeichnung absolviert hat und bei gleich mehreren Wettbewerben Top-Platzierungen erreichte! Nach Kärnten kommt er inzwischen leider fast nur noch auf Urlaub oder zu vereinzelten Auftritten. 

Gilbert Waldner
Der gebürtige Klagenfurter ist Jahrgang 1959 und arbeitet als Pressereferent in der Industriellenvereinigung Kärnten. Er begann sich in der Schulzeit für Jazz zu interessieren und hat später als Kulturjournalist in der Volkszeitung, der Kleinen Zeitung und dem Magazin Jazzthetik Texte und Fotos darüber veröffentlicht. 

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