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Vom Werken zum Werk

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Vom Werken zum Werk

geschrieben am 09.12.2020 09:49

13 herausragende Persönlichkeiten aus Kunst und Wissenschaft werden vom Land Kärnten mit Kulturpreisen ausgezeichnet. Gesamtdotation: 66.300 Euro. Eine kleine Vorstellungs­Runde.


Ursprünglich hätte der Landeskulturpreis am 12. Dezember in Bleiburg/Pliberk vergeben werden sollen. Der Stadt, die dem Kulturpreisträger 2020 Johann Kresnik (79) immer Heimat war. Wie wohl der im Vorjahr Verstorbene auf das Krisenjahr 2020 reagiert hätte?

Regie-Berserker aus Unterkärnten. Was er gesagt hätte zu dem Terror, Corona und dem Wahlkrimi in den USA? Der international tätige Choreograf, Tänzer und Regisseur aus Südkärnten galt ja nicht nur als Pionier des modernen Tanztheaters, sondern auch als rabiater Gesellschaftskritiker und politischer Kopf. Vorlage für seine bildstarken und drastischen Inszenierungen waren oft die Biografien von Künstler*innen und Politiker*innen wie Ulrike Meinhof, Gustaf Gründgens, Frida Kahlo, Leni Riefenstahl, Ernst Jünger u.a.

Nach einer Lehre als Werkzeugmacher wurde Kresnik Statist an den vereinigten Bühnen Graz, absolvierte eine Ballettausbildung und begann schließlich seine Tanz-Karriere in Graz und Köln. Die führte ihn als Choreograf und Regisseur nach Bremen, Heidelberg und schließlich Berlin, wo er bis 2002 an der Volksbühne sein choreografisches Theater in Szene setzte. Es folgten fünf Jahre in Bonn und danach seine Tätigkeit als freischaffender Choreograf und Regisseur für Oper und Schauspiel. Tanz als kompromisslos kritische Kunst zu etablieren war seine Lebensaufgabe, der er auch mit der Unterstützung des Choreografischen Zentrums in Bleiburg/Pliberk nachkam. Das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien hatte Kresnik bereits. Jetzt wird er mit dem Kulturpreis des Landes Kärnten für die Sparte darstellende Kunst (14.500 Euro) posthum geehrt.

Freie Kulturarbeiterin. Neben Kresnik werden noch 12 weitere Preisträger vor den Vorhang geholt. Ebenfalls den Bereich zeitgenössischer Tanz betrifft der Anerkennungspreis für besondere Leistungen im Bereich der freien Kulturarbeit (5.000 Euro), den Andrea K. Schlehwein für ihr in Millstatt beheimatetes „Netzwerk AKS, Platform for Contemporary Dance + Art“ erhält. Schlehwein ist als Choreografin, Regisseurin und freie Kuratorin tätig, arbeitet international in den Bereichen Tanz, Installation, Bühnenbild, Licht- und Sounddesign. Die in Japan aufgewachsene deutsche Künstlerin hat seit 2012 eine Professur für Tanz an der Kunstuniversität in Seoul/Korea inne. Über den Anerkennungspreis meint sie: „In unserem Fall wird ein Künstlerkollektiv gewürdigt, das es vor 15 Jahren in Kärnten nicht gab, das mit Kontinuität und Biss ein engagiertes, neugieriges Publikum gewonnen hat, welches ebenfalls einen Preis verdient hätte, weil es Kraft seiner Präsenz immer wieder zum Ausdruck bringt, welch hohen Stellenwert spannende, zeitgenössische Kunst haben kann.“

Ermutigung für die Sprachkünstlerin. Drei Würdigungspreise (je 6.000 Euro) betreffen die Literatur, die Architektur und Baukultur sowie die Geistes- und Sozialwissenschaften. Was bedeutet der in Wien lebenden Klagenfurterin Lydia Mischkulnig, die mit ihrem jüngsten Roman „Die Richterin“ derzeit oft im deutschsprachigen Feuilleton zu finden ist, die Auszeichnung? „Ich habe mich selber gefragt, was ein Würdigungspreis bedeutet. Mit dieser Auszeichnung erhält mein bisheriges Werk eine Anerkennung, die das Werken als Werk zu begreifen erlaubt, denke ich. Die Auszeichnung ist eine Ermutigung weiter zu überlegen, weshalb das Arbeiten mit der Sprache betrieben werden muss, und zwar ganz persönlich gemeint, auch durch mich, und wie kann man heute erzählen, also ich, warum gerade ich?“ Sie, für die das Schreiben und das Lesen „identitätsstiftend“ ist, sagt über ihre Arbeit: „Meine Literatur ist ein Sound im Kopf und in diesem schwinge ich mit, freilich um nicht allein zu sein, sondern begleitet in diesen Klängen oder in diesem Lärm.“

Kulturaffiner Bau-Meister. Das „Werken als Werk begreifen“ kann man auch beim Völkermarkter Architekten Josef Kling­ bacher, dessen Handschrift einst die Landesausstellungen in St. Paul (Schatzhaus Kärntens), Ferlach (alles Jagd) und Friesach (Die Stadt im Mittelalter) trugen. Aber auch diverse Umbauten (z. B. das Kulturzentrum im umgestalteten Pfarrstadel von Maria Rojach), seine Wohn- und Industriebauten (z. B. von „Wild“ in Völkermarkt, wo neben der medizintechnischen Produktion ein Teil der Kunstsammlung von Eigentümer Herbert Liaunig zu sehen ist) prägen das Land.

Oberkärntner Geschichtsforscher. Den Bereich der Wissenschaft betrifft der dritte Würdigungspreis. Er geht an den gebürtigen Lienzer Historiker und Politikwissenschaftler Peter Pirker, der in Berg im Drautal aufgewachsen ist und aktuell am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck zu Deserteuren aus der Wehrmacht forscht: „Welche Möglichkeiten haben speziell Gebirgsjäger genutzt, um beispielsweise während der Besatzung in Slowenien und Oberitalien aus der Wehrmacht zu flüchten? Wie wurden sie von der Wehrmachtsjustiz verfolgt und wie wurden sie von der Nachkriegsgesellschaft behandelt?“ Als langfristige Auswirkungen der Corona-Krise befürchtet Pirker „tiefe Einschnitte in die sozialen, kulturellen und auch geistes- und sozialwissenschaftlichen Budgets“ und eine „verstärkte gesellschaftliche Spaltung“. Die Auszeichnung sieht er als „Anerkennung meiner Arbeit, die ich in Kooperation mit vielen anderen durchgeführt habe, im Oberen Drautal mit Hans Peter und Anita Profunser und dem Kulturverein kuland!“.

Internet-Forscherin. Ebenfalls dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften ist die Arbeit von Elena Pilipets zuzurechnen. „Für mich ist dieser Preis ein Zeichen dafür, dass meine Entscheidung, in der akademischen Welt zu bleiben, richtig war“, freut sich die Klagenfurter Medienwissenschaftlerin. Sie ist eine der acht Förderungspreisträger*innen (je 3.600 Euro) und beschäftigt sich mit Internet-Forschung: „In der Lehre ist es mir wichtig, das Interesse dafür zu wecken, was der alltägliche Umgang mit digitalen Medien gesellschaftlich bewirken kann. Was passiert zum Beispiel, wenn wir Inhalte auf verschiedenen Plattformen taggen, teilen und liken?“

Filmemacherin aus Wolfsberg. Mit elektronischen Medien, Fotografie und Film beschäftigt sich die Wolfsbergerin Elsa Kremser, die 2016 mit Partner Levin Peter in Wien die Produktionsfirma „Raumzeitfilm“ gründete. Als Regie-Duo arbeiten die beiden aktuell an ihrem ersten Spielfilm („Der grüne Wellensittich“), der den Berlinale Kompagnon Drehbuchpreis erhielt. Doch die Pandemie hat für sie „wirklich alle Planungen überworfen“. Bis zum ersten Lockdown war sie mit ihrem Film „Space Dogs“ weltweit auf Festivals unterwegs. „In Österreich kommt Space Dogs nun in die Kinos – also im besten Fall als erster Film nach dem zweiten Lockdown – jedoch ohne jede Sicherheit, ob bis dahin die Kinos wieder geöffnet werden dürfen.“

Digitale-Medien-Künstlerin. Mit digitalen Medien, wie Fotografie, Video und Sound arbeitet die aus Gmünd stammende und in Linz lebende Laurien Bachmann (28), die heuer einen Förderungspeis für bildende Kunst erhält. Durch das „Changieren zwischen Wirklichkeit und Fiktion“ will sie die Wahrnehmung der Betrachter*innen „herausfordern“. Aktuell arbeitet Bachmann an einem Festivaltrailer für ein österreichisches Filmfestival und an einem Bildband, der sich mit dem Thema Overtourism auseinandersetzt. Doch auch sie fühlt sich durch Corona gestresst: „Der Beruf als freischaffende Künstlerin war vor der Pandemie schon sehr unstet und erfordert ein hohes Maß an Flexibilität – in den vergangenen Monaten hat sich das aber nun noch mal um einiges verstärkt und potenziert.“

Naturwissenschaftler aus Cambridge. Maturiert hat er am BRG Viktring, studiert Medizin und Biochemie in Graz und Berlin, dazu noch Biophysik Biophysik in Kaiserslautern und Dresden: Der Förderungspreis für Naturwissenschaften/ Technische Wissenschaften wird Georg Krainer zugesprochen, der mit „summa cum laude“ promovierte und zur Zeit an der Universität Cambridge forscht. Hier beschäftigt er sich mittels Anwendung neuer methodischer Ansätze mit der Erforschung von Proteinen, um die Entwicklun von Medikamenten gegen Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson voranzubringen.

Musiklehrerin aus der Brass-Band. „Als der Anruf kam, konnte ich es gar nicht glauben und dachte, man hat sich verwählt ... Ich war im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos!“, freut sich die Musikschullehrerin, Tubistin und Sängerin Martina Lexer­-Schwager aus Hermagor über den Förderungspreis für Volkskultur. Sie hat die Vorspielstunden ihrer Schüler*innen im November zwar coronabedingt absagen müssen, bemüht sich aber derzeit vor allem um die Motivation ihrer Schützlinge – auch wenn das nur durch Fernunterricht möglich ist. Seit 2002 unterrichtet sie an der Musikschule Hermagor in den Fächern Violine, Viola und Tuba, daneben engagiert sie sich im Kirchenchor Liesing, beim Lesachtaler StreichXong und in der Brass-Band Kärnten.

Junge Meister-Harfenistin. Mit der 23-jährigen gebürtigen Innsbruckerin Hannah Senfter erhält eine Studentin der Gustav Mahler Privatuniversität in Klagenfurt den Förderungspreis für Musik. Die junge Harfenistin hat mehrfach erfolgreich am Musikwettbewerb „Prima la Musica“ teilgenommen und bereits im Kärntner Sinfonieorchester, der Jungen Philharmonie Wien, dem Bruckner Orchester Linz und anderen mitgespielt. Sie ist Mitglied beim Gustav Mahler Jugendorchester und Preisträgerin beim Wettbewerb „Meister von morgen“.

Zweisprachiger Lyriker. Neben Lydia Mischkulnig wird auch Dominik Srienc für sein literarisches Schaffen ausgezeichnet. Der Kärntner Slowene ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Musil-Institut und Schriftsteller, er erhält einen Förderungspreis für Literatur. „Das Schreiben verlangte bei mir immer nach mehr als einer Sprache, mehr als einer Muttersprache“, erläutert der Lyriker, der mit seiner Familie in Klagenfurt lebt. „Aber ich habe keine Hintergedanken beim Schreiben, das Schreiben sucht eher mich auf, ich kann nicht anders ... Forschung betreibe ich nicht nur in meiner sich im Entstehen befindlichen Dissertation, sondern auch in meiner Lyrik.“ Kommt die Rede auf seine Zweisprachigkeit differenziert Srienc genau: „Es gab und gibt für Schreibende in beiden Landessprachen nicht viele Preise und Förderungen“, stellt er fest. „Ich freue mich sehr, stelle mich aber nur ungern in die Rolle eines dankbaren Menschen, der unterwürfig sein müsste, besonders aus der Position eines Autors heraus, der in beiden Landessprachen schreibt.“ Auch im Hinblick auf das krisenhafte Corona-Jahr will er wachsam bleiben: „Besonders in diesen Zeiten ist es erforderlich, den Blick stets geschärft zu halten, nicht abzustumpfen, die Dinge und die Welt in Frage zu stellen.“

Irrlichternde Komödiantin. Die Dinge und die Welt zu hinterfragen ist auch die Intention des Theaters. Die gebürtige Oberösterreicherin und Wahlkärntnerin Nadine Zeintl verkörperte die Sally Bowles aus „Cabaret“ und die Eliza Doolittle aus „My Fair Lady“, spielte in Wien, München, Mörbisch und Klagenfurt, ist regelmäßig bei Uraufführungen des klagenfurter ensembles zu sehen und zog im Sommer auf der Heunburg alle Register ihres komödiantischen Könnens als Florence Foster Jenkins, die schrille US- Millionärin, die unbedingt Opernsängerin sein wollte. Die ausgebildete Tänzerin und Musicaldarstellerin Zeintl kann wie ein Pferd wiehern („Hennir“ von Antonio Fian) und zu Tränen rühren („Das Mädchen aus der Streichholzfabrik“ nach Aki Kaurismäki), ist einmal stimmgewaltiges Energiebündel, dann wieder irrlichternde Elfe, ihre Ausdruckskraft deckt ein großes Spektrum ab. Nun erhält sie einen Förderungspreis für darstellende Kunst.

Was wohl Hans Kresnik sagen würde? Ihre unbändige Energie und Körperlichkeit hätte sicher auch dem verstorbenen Kulturpreisträger 2020 gefallen, der am Tag der Preisverleihung (12.12.) seinen 81. Geburtstag gefeiert hätte. Dem engagierten Künstler, dessen Wut im Bauch sich immer wieder in starken Bildern entladen hat, wäre wohl so einiges eingefallen zu diesem fordernden Jahr und ganz sicher hätte er Nadine Zeintl applaudiert – und mit ihr all den anderen ausgezeichneten Künstler*innen und Wissenschaftler*innen Kärntens.

Karin Waldner-Petutschnig
(56) ist freie Kulturjournalistin in Klagenfurt. Neben ihrer fast 30-jährigen Tätigkeit bei der „Kleinen Zeitung“ leitete sie zwölf Jahre den Carinthia-Verlag und drei Jahre das Museum Liaunig.

kultur.tipp

Space Dogs. Foto: © RAUMZEITFILM

Space Dogs

Laika war eine authentische Heldin der ersten und echten Odyssee im Weltraum. Ihre Reise war dunkel, beängstigend und leise, ohne begleitenden Soundtrack von Johann Strauss. Ihr Leben nach dem Tod wird nun in Space Dogs von Elsa Kremser und Levin Peter thema­tisiert. Die Eroberung des Weltraums war von Anfang an mit dem Heldenmythos verbunden. „Die Reise in den Weltraum ist ganz eindeutig der Traum der Menschen und nicht der Tiere. So wirft der Film die Frage auf, ob Laika nicht viel mehr als Heldin benutzt wurde und weniger als reines biologisches Testobjekt“, erzählen die Autoren. Laika kehrte von ihrer unfreiwilli­gen Reise ins Weltall zurück (als Geist? als kol­lektive Erinnerung?) und lebt unerkannt als Straßenhund mit ihren Rudelfreunden in der postsowjetischen Tristesse von Moskau. Mit Menschen teilen sie sich die Gehsteige, die Wiesen und die Lichter der Stadt. Das Hundele­ben erlaubt ihnen allerdings mehr Freiheiten und Möglichkeiten des gesellschaftlich akzepta­blen Handelns. Sie haben mehr Spaß und machen sich weniger Sorgen als Menschen. „Die heutigen Straßenhunde, die man in Space Dogs kennenlernt, sind für uns ein Symbol für ein ungezähmtes Leben mitten unter uns Men­schen. Es ist geprägt von Brutalität aber auch von Schönheit.“ Der Film funktioniert auf zwei Ebenen, wie eine Doku über den Überlebens­kampf in einer fast postapokalyptischen Welt, aber auch wie ein Spielfilm mit Laiendarstel­ lern, die nicht sprechen können und in dem starke Bilder und feine, lange Einstellungen die Geschichte erzählen. Trotz der Pandemie lief der Film mittlerweile auf über 60 Filmfestivals weltweit und hatte einen Kinostart in den USA, Kanada und Deutschland. Kremser und Peter verbrachten die Zeit des Lockdowns vor allem mit der Arbeit an zukünftigen Projekten. Neben dem zweiten Teil einer geplanten Hunde­Trilogie widmeten sie sich der Drehbuchentwicklung ihres ersten Spielfilms Der grüne Wellensittich, der 2022 gedreht werden soll. Elsa Kremser ist heuer die Preisträgerin des vom Land Kärnten verliehenen Förderungspreises in der Sparte elektronische Medien/Fotografie/Film.

Slobodan Žakula
Cineast und Sendungsmacher bei radio AGORA 105,5.

Space Dogs | Regie: Elsa Kremser und Levin Peter Produktion: RAUMZEITFILM in Koproduktion
mit IT WORKS Medien | Kinostart in Österreich: voraussichtlich Anfang 2021

Aktuelle Infos: www.spacedogsfilm.com

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