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„Wer sagt, dass ich es geschafft habe?“

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„Wer sagt, dass ich es geschafft habe?“

geschrieben am 29.01.2020 11:43

Ein Gespräch mit dem Fuzzman über Gott und die Welt in seinem Wiener Studio.


Man muss wissen, bei welcher Türklingel in der etwas vernachlässigten Seitengasse des trendigen 7. Wiener Gemeindebezirkes man läutet. Ein Schild gibt es nicht. Herwig Zamernik holt den Besucher persönlich ab, serviert Espresso auf einer Couchecke im Vintagestil. Man ist sofort per Du.

Wie war es, in Kärnten aufzuwachsen?
Nachdem ich als Fünfjähriger aus Wien kam und geredet habe wie ein G’scherter, war für mich klar, dass ich schnell Kärntnerisch lernen muss. Sonst hatte man hier einen schwereren Stand als ein Deutscher. So wurde ich kärntnerischer als jeder Kärntner. Ich habe mich als Kind nicht unwohl gefühlt, aber ab dem Zeitpunkt, wo ich als Jugendlicher eine andere Vorstellung vom Leben hatte, als zum Beispiel in Friesach Arzt zu werden, hat es mich in den Proberaum nach Klagenfurt gezogen, wo ich untergetaucht bin.

Ab wann hast du Musik ernsthaft betrieben?
Sobald ich ein Instrument in die Hände bekommen hab, mit vierzehn. Dann bin ich mit Disharmonic Orchestra um die Welt gefahren.

Wie ging das so schnell mit der Welttournee?
Das war eine weltweit funktionierende Szene mit einem Netzwerk, die auf Tape-Trading basierte. Man hat Kassetten hin und her verschickt und Konzerte ausgemacht. Wir sind mit Schlafsäcken um die Welt gefahren. Amerika, Europa, was weiß ich wo noch.

Was macht dieser Erfolg mit einem Teenager?
Es hat gemacht, dass ich die Schule schmiss und nicht mehr heimgekommen bin. In der Folge macht es, dass sich die Eltern Sorgen machen. Aber Erfolg ... Wir haben nicht in Stadien gespielt, sondern sind von Klub zu Klub getingelt, jeden Abend vor ein paar hundert Leuten. Auch cool, aber nicht gerade ein Welterfolg.

Fällt es leichter, Kärnten zu mögen, wenn man weg war?
Abhauen ist nie schlecht. Aus der Distanz betrachtet man immer alles anders, auch etwas verklärt. Dann tut es nicht mehr weh. Man kann wieder leichter lieben.

Woher kommt das Faible für Schlager?
Weil mein Vater gerne Schlager gehört hat. ABBA war meine erste Liebe. Einfache Melodien, die in einfachsten Sätzen Zustände beschrieben. Viele Indiebands sind mehr in Schablonen verhaftet als sie denken: von Wörtern, die sie verwenden dürfen, von Schreibweisen. Die Freiheit, zu tun was man will, muss man nicht in Schubladen packen. Das geht im Schlager genauso gut wie in jedem anderen Musikstil.

Steckt dahinter auch der Wunsch, ein neues Publikum zu erreichen?
Nein. Ich könnte es mir einfacher machen und für immer ein Indiegott bleiben, immer schön schreddel-schreddel machen und alles ist gut. Es geht mir nicht um Publikumsfang. Populismus funktioniert vor allem in der Politik, in der Musik weniger.

Warum fehlt ein Türschild am Eingang zum Studio?
Eine Mischung aus Absicht und egal. Ich habe hier im Hinterhof gerne meine Ruhe.

Es gibt auch keine Website.
Weil ich kein Mietstudio bin, es ist meine Werkstatt.

Was sind deine kommenden Projekte?
Ich mache Musik für einen Kärnten-Krimi von Daniel Prohaska, es gibt einen Kinofilm, der nächstes Jahr fertig werden soll, ich schreibe an einer neuen Platte, kuratiere das Popfest, spiele ein paar Konzerte.

Du hast es geschafft?
So habe ich das noch nie gesehen.

Sagen sie in Kärnten: „Der Fuzzman hat es geschafft.“
I waß net. Wer sagt das?

Eh alle.
Echt? Ich hab’s geschafft? Magst ein Bier?

Gern.
Es gibt ein super Lied von Postal Service: „Everything looks perfect from far away.“

Hast du jetzt die Bierflasche mit dem Ring aufgemacht?
Ja. Das lernt man, wenn man aufhört zu rauchen und kein Feuerzeug mehr dabeihat. Was heißt geschafft. Ich schaffe es, zu tun, was ich will und was mich interessiert.

Wolfgang Rössler
39, aus Steindorf am Ossiacher See, lebt in Wien, ist Korrespondent der NZZ am Sonntag.

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