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Zwei Sprachen, eine Botschaft

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Zwei Sprachen, eine Botschaft

geschrieben am 27.09.2018 09:40

Der Rosentaler Theatermacher Marjan Štikar (56) wird nicht müde, für ein besseres Miteinander der Volksgruppen zu kämpfen. Dass in Kärnten nun ein frischerer Wind weht, ist auch sein Verdienst.


Wenn Marjan Štikar, viertes von zehn Kindern einer Bauernfamilie, Schüler der ersten Klasse des Klagenfurter Lerchenfeld-Gymnasiums, sich Samstagnachmittag auf den Weg Richtung Bahnhof machte, musste er rennen. In der Innenstadt warteten Banden von Jugendlichen, die sich einen Jux daraus machten, „Tschuschen“ zu jagen. Nicht andershatten sie es von den Erwachsenen gelernt. Zuhause in St. Jakob im Rosental/Šentjakobv Rožu erzählten Štikars ältere Geschwister vom Mob, der Schilder mit slowenischen Aufschriften abmontierte. Manschrieb 1972, das Jahr des Ortstafelsturms. Seine Mutter, einst von den Nazis in ein Lager verschleppt, besprengte den Stall mit Weihwasser und murmelte: „Sie kommen wieder, sie kommen wieder.“

Das Unrecht, die Verunglimpfung des Slowenischen, die mitunter übergriffige Frömmelei der Landbevölkerung: DieseThemen treiben den Theatermacher Štikarum. Er lebt wieder in seinem Elternhaus und inszeniert grundsätzlich zweisprachig. Ein wichtiger Teil seiner Arbeit ist das Kinder- und Jugendtheater, das Heranwachsenden einen spielerischen Umgang mit den beiden Landessprachenvermitteln möchte. Und obwohl Štikar mitder katholischen Kirche nichts am Hut hat, werden viele Stücke – auch die religionskritischen – im örtlichen Pfarrhofaufgeführt. Monsignore Jurij Buch verpasstkeine Premiere, selbst wenn er ahnt, dass er einiges zu verdauen haben wird und wegen der vermeintlichen Häresie im Hause Gottes eine Kopfwäsche der Kirchenoberen riskiert. Die Zeiten haben sich geändert, in Kärnten weht ein frischerer Wind. Das ist auch ein Verdienst des Dramatikers aus dem Rosental, der allen Kränkungen zum Trotz das Verbindende über das Trennende stellt. Vor einigen Jahren wurde Marjan Štikar dafür der Menschenrechtspreis des Landes Kärntenzuerkannt.

Die ersten Bühnenerfahrungen machte Štikar als Kind beim Dorftheater. „Da bin ich rasch herausgewachsen“, erzählt er. Als dann aber in der Oberstufe des Gymnasiums eine Schul-Theatergruppe gegründet wurde, war er dabei. Als 17-Jähriger inszenierte er bereits. Nach einigen Studienversuchen habe es ihn immer mehr Richtung Theater getrieben. Erst nach Ljubljana, später mit Frau Rozka und dem ersten Sohn nach Paris, wo er sich für Pantomime und Bewegungstheater interessierte. Am Ende zwang ihn der Zivildienst zur Rückkehr. Nach einigen Jahren in Ljubljana kam er wieder zurück ins Rosental, wo er Anfang der 1990er-Jahre die Theatergruppe „teatr trotamora“ gründete. Für die Aufführung des gefesselten Prometheus von Aischylos stellte er sich selbst auf die Bühne: ein zorniges Statement des Kärntner Slowenen, der die Unterdrückung der Volksgruppe beklagt. Die Rückkehr nach Kärnten, sagen Freunde, sei bezeichnend für den hochtalentierten Künstler: Er habe bewusst eine internationale Karriere sausen lassen, um sich zuhause den Schatten der Vergangenheit zu stellen.

In diesen Herbstwochen steckt der Vielarbeiter in den Vorbereitungen für den Abschluss eines Großprojektes: Vor dem Pfarrhof wird mit einer Installation der „Vermessung“ gedacht – ein absurdes Projekt der Nazis, die anhand der Nasenlänge beweisen wollten, dass die Dorfbevölkerung arisch sei. Am 10. November erscheint darüber ein Buch, herausgegeben vom Kulturverein „roz“. Bald darauf startet das Literaturfestival „Anti-Freeze“, bei dem Künstler*innen aus aller Welt gegen den Frost anlesen. Stargast ist die palästinensisch-jüdische Schriftstellerin Widad Tamini. An bis zu 180 Veranstaltungen pro Jahr ist Štikar beteiligt, oft federführend. Darunter auch Großprojekte: Gemeinsam mit dem UNIKUM machte er 2012 das Wörthersee-Stadion zur größten Bühne des Landes, um ein Zeichen gegen Nationalismus zu setzen – inszeniert als Fußballmatch, mit Štikar als Trainer. Prometheus hat die Ketten gesprengt und spielt nun nach seinen eigenen Regeln.

Wolfgang Rössler
38, aus Steindorf am Ossiacher See, lebt in Wien,
ist Korrespondent der NZZ am Sonntag. 

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