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Brücken, die verbinden

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Brücken, die verbinden

geschrieben am 01.03.2021 11:35

Gerhard Leeb lässt Brücken im ehemaligen Abstimmungsgebiet künstlerisch gestalten.


Der zehnte Oktober ist kein Datum, an das man sich in Slowenien gemeinhin gerne erinnert. Daher hatte der Künstler, Journalist und Aktivist Gerhard Leeb ein mulmiges Gefühl, als er 2019 im Büro der Bürgermeisterin von Dravograd, gut 20 Autominuten von Neuhaus entfernt, aufkreuzte. Leeb wollte Marijana Cigala für ein Projekt im Rahmen von CARINTHIja 2020 gewinnen: Für die Kärntner Landesausstellung sollten zahlreiche Brücken künstlerisch gestaltet werden. Mit dabei war auch der Neuhauser Bürgermeister Gerhard Visotschnig, der seine Amtskollegin auf slowenischer Seite ins Boot holen wollte. Auch eine Brücke aus Dravograd sollte gestaltet werden.

Doch Leeb war skeptisch. Nicht zuletzt deshalb, weil er kaum ein Wort Slowenisch spricht, er konnte sich mit Cigala nur über einen Übersetzer unterhalten. Also wählte er seine Worte mit Bedacht: „Wir sind nicht verantwortlich dafür, was unsere Väter und Großväter gemacht haben“, sagte Leeb. „Aber wir sind verantwortlich für unsere Handlungen, in jeder Sekunde in der wir leben.“ Die Dravograder Bürgermeisterin hielt kurz inne. Dann stand sie auf, ging zum Fenster und winkte Leeb zu sich. Sie deutete auf die Fußgänger- und Radfahrbrücke und sagte zu dem Künstler: „Die hier wird es.“

Für die Gestaltung der Brücke wurden die beiden Künstler Feliks Frühauf und Helmut Blažej gewonnen. Frühauf ist Slowene, Blažej Kärntner: „Das war das Tüpfelchen auf dem i“, sagt Leeb. „Ein Kärntner mit slowenischem Namen und ein Slowene mit deutschem.“

Die Idee mit den Brücken kam Leeb vor bald zwei Jahren, bei der Auftaktveranstaltung für CARINTHIja 2020. „In einer Tageszeitung stand ein falscher Termin, also kam ich eine Stunde zu früh.“ Die Zeit nutzte er, um in den herumliegenden Katalogen zu blättern. Kurz vor Beginn hatte er einen Geistesblitz: Kunstschaffende sollten alle Südkärntner Brücken zwischen Lavamünd und Rosegg gestalten. Er sei, sagt Leeb, zeitlebens mit Brücken bauen beschäftigt gewesen. Als Künstler und Journalist sucht er nach dem Verbindenden – zwischen Menschen ebenso wie zwischen Nationen. Umso besser passte das Projekt zu ihm. Als gelernter Kärntner habe er per Einschreiben an das Land alle Brücken für sein Projekt reserviert. Ein gutes halbes Jahr später bekam Leeb den Zuschlag.

Er selbst machte sich daran, die Jörg-Haider-Brücke neu zu gestalten. Dabei orientierte er sich weniger am Namensgeber, dem verstorbenen Landeshauptmann, als an der Künstlerin Kiki Kogelnik. „Wäre sie noch am Leben, würde sie jeden Tag über die Brücke fahren“, sagt Leeb. Die Jörg-Haider-Brücke sollte zu einer Hommage an die große Künstlerin werden.

„Rosen über Gräben“, nennt Leeb das Projekt. Der Sockel des Heiligen Nepomuk, dessen Statue die Brücke ziert, wurde von Leeb mit Rosen unter einem dünnen Plexiglasschutz ummantelt. Auf den Brückenboden kam ein Teppich aus Rosen, selbstklebend und rutschfest.

Mit dem Artefakt will Leeb nicht nur Kogelnik ehren. Er hatte noch etwas Anderes im Sinn: Denn die hohe Brücke wurden in den letzten Jahren zunehmend zu einem Hotspot für Menschen, die sich das Leben nehmen möchten. Wer weiß, vielleicht haben die Rosen schon einen oder eine Verzweifelte in letzter Sekunde daran erinnert, dass das Leben jedenfalls besser ist, als es in den dunkelsten Stunden erscheint. Es gibt Hoffnung. Auch dafür stehen Brücken.

Wolfgang Rössler
40, aus Steindorf am Ossiacher See, lebt in Wien,
ist Korrespondent der NZZ am Sonntag.

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