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Dreifaches Gastspiel

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Dreifaches Gastspiel

geschrieben am 29.05.2019 11:44

schrift.bild.tanz. Drei Künstlerinnen folgen ab April der Einladung nach Klagenfurt und werden als artists in residence in, an und mit Kärnten arbeiten – neue Perspektiven inklusive. Eine Verortung.


Wortgewaltige Ent-Deckerin. Beim Bachmannpreis 2018 startete sie von der Poleposition aus ins Rennen – und sorgte als Eröffnungs-Leserin für einen der stärksten Auftakte seit Jahren: Raphaela Edelbauer, die mit Das Loch die Jury in hitzige Diskussion und das Publikum in Staunen versetzte. Zurecht ging sie als Gewinnerin des Publikumspreises aus dem Wettlesen hervor und sicherte sich das damit verbundene Stadtschreiber- Stipendium in Klagenfurt. Die 1990 in Wien geborene Newcomerin weiß, wie sie überzeugt. Auch weil ihr Mix aus sprachlicher Imposanz, penibler Recherche und gedanklicher Tiefe einen Nerv unserer Zeit trifft. Edelbauers Texte schreiben angegen eine Literatur, die es sich zu einfachmacht. Nicht umsonst wird ihr neuer Roman im renommierten Klett-Cotta-Verlag erscheinen: Das flüssige Land, in dem Edelbauer nichts weniger als die Vermessung der österreichischen (Mentalitäts-) Landschaft ab den 1950er-Jahren unternimmt, die mit ihrer vorgeblichen Unschuld und gesuchten Idyllik vor allem eines ist: ein Mechanismus der Ab- und Ausgrenzung, mit dem kaschiert, zugedeckt und verschwiegen wird. Umso mehr ist die Literatur gefordert, als buchstäbliche Ent-Deckerin den Mantel des Schweigens zu entfernen und Ursachen freizulegen, die in die Zeit des ZweitenWeltkriegs und davor zurückreichen – um daran die Frage zu knüpfen, wie diese Gräuel in unserer heutigen Gegenwart immer noch nachwirken. Nach der Suche auf die Antwort macht sich auch die Protagonistin Ruth, die eigentlich ein Begräbnis für ihre Eltern in der fiktiven Gemeinde Groß-Einland organisieren muss. Mit ihrer Ankunft tritt sie in einseltsames Zeitgefüge ein, in dem Anachronismen unheimlich präsent sind und sich die Bruchlinien zwischen Vergangenheit und Gegenwart allmählich auflösen. Wie überwunden ist das überwunden Geglaubte wirklich? Und vor allem: Was braucht es, damit die Anti-Heimat von Gestern zur Heimat der Zukunft werden kann?

Raffinierte Bild-Ingenieurin. Dass sie zu den Ausnahmetalenten der zeitgenössischen Kunstfotografie gehört, hat Agnieszka Kozłowska mit Ausstellungenund Residenzen quer durch Europa längst unter Beweis gestellt. Der Kern ihres künstlerischen Programms ist dabei vor allem einem Grundwert verpflichtet: der gleichermaßen spielerischen wie konsequenten Suche nach neuen Möglichkeiten des Ausdrucks. So hat die polnische Künstlerin für ihre Serie Carved by Light, zuletzt im Unterengadin ausgestellt, ein eigenes künstlerisches Verfahren entwickelt. Durch mehrstündige Belichtungsdauer in einer Spezialkamera brennt sich das gewählte Motiv in eine extrem lichtempfindliche Aufnahmeplatte und es entsteht so als Relief in Goldfarbe. Licht- Schabungen, mit denen Kozłowska jene Alpengipfel künstlerisch nicht nur auf, sondern direkt ins Papier gebracht hat, die während des Goldenen Zeitalters des Alpinismus im 19. Jahrhundert erstmals bezwungen wurden. Das vereint auf originelle Weise Abbild, Abstraktion und historischen Überbau.

Der Besonderheit der Landschaft widmet sie sich als Trägerin des Fotografie- Stipendiums des Landes Kärnten und der Stadt Klagenfurt auch während ihres Aufenthalts in Kärnten – und erweist sich dabei einmal mehr als künstlerisches Multitalent, das die Grenzen des Mediums erweitert und als regelrechte Bild- Ingenieurin mit unterschiedlichsten Materialien experimentiert. Für Erosion / sedimentation / flow wird sie auf den Spuren des zurückgewichenen Draugletschers wandeln und seine Um- und Transformationen der Landschaft festhalten. Als Pigment für die Fotografien dient das vom Gletscher zu Pulver gemahlene Gestein – daraus entsteht eine bis ans Abstrakte reduzierte Bildsprache, in der sich das scheinbar Widersprüchliche aus archaischem Material und avancierter Technik schlichtweg auflöst. Und die gleichzeitig ein „Mehr“ an Wirklichkeit ins Bild hineinholt – mehr als es selbst die hochauflösendste Bildtechnik je könnte.

Kompromisslose Selbst-Tänzerin. Wer jemals eine von Akemi Takeyas Bühnenperformances erlebt hat, weiß: Sie kann nicht nicht tanzen. Und wenn sie tanzt, dann ist sie kompromisslos. Kompromisslos in ihrem künstlerischen Ausdruck, mit ganzer Spannkraft und einer Mimik, die oftmals ans Schmerzerfüllte grenzt – ohne dass in dieser Radikalität auch nur eine Spur an Eleganz verlorengehen würde. Kompromisslos ist sie auch in ihrer Themenwahl, schonungslos sich selbst gegenüber: Bereits 1997 setzte sie sich in Imeka auf eindringliche Weise mit der Frage ihrer künstlerischen Selbstständigkeit in Europa auseinander und widmete dieses Solo ihrem verstorbenen Vater. Nur wenige haben die österreichische Tanzszene derart bereichert wie die gebürtige Japanerin,die seit 1991 in Wien lebt. Nicht nur weil ihr hochreflektierter Performance-Stil –ein Crossover aus Bewegung, Musik, Licht,Videokunst und Text – ein Maßstab für avancierte Tanzkunst an sich ist, sondern weil sie den Tanz immer als Möglichkeit der Annäherung an komplexe Themenfelder aufgefasst hat: Eine Annäherung, die letztlich doch auf das eigene Selbst als Bezugspunkt zurückkehrt. Das Ich steht für Takeya im Zentrum der Diskurse. Für ihre Residenz als Stadttänzerin 2019 in Klagenfurt hat sie ZZremix ausgewählt, eine Neufassung der ZZ-Performance von 2003. Schon damals ging es auch um die Gefangenschaft im Lichternetz der Elektronik, unterlegt von der Soundkulisse des eigenen Atemgeräuschs. Für die Neufassung steht eine Selbstbefragung unter den geänderten Verhältnissen des Jahres 2019 auf dem Plan, was wohl auch eine Auseinandersetzung mit der Prozesshaftigkeit – oder genauer: der Vergänglichkeit – des eigenen Körpers beinhalten wird. Was sich nicht geändert haben wird, ist Takeyas ungebrochene Hingabe an ihr Werk und den Tanz.

Andreas Peterjan
1988 in Klagenfurt, aufgewachsen in Feldkirchen in Kärnten, Studium der Germanistik an der Alpen-Adria- Universität Klagenfurt und der Karl-Franzens-Universität Graz, ist journalistisch und wissenschaftlich tätig.

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