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Hermann Poschinger

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Hermann Poschinger

geschrieben am 01.03.2021 11:49

Serie zerstörter Brücken aus Oberkrain/Gorenjska


Hermann Poschinger (1886, Ferlach – 1965, Klagenfurt) war einer von vier Künstlern Kärntens, deren Bilder in der „Großen Deutschen Ausstellung“, der jährlichen, richtungsweisenden Ausstellung des Nationalsozialistischen Reiches in München, Aufnahme fanden.1 Seine traditionelle, realistische Gestaltungsweise entsprach der bevorzugten Ästhetik des NS-Regimes und seine Biografie macht seine ideologische Nähe zu diesem deutlich.

In der Kunstsammlung des Landes Kärnten/MMKK existieren sieben Gouachen auf Papier mit Darstellungen zerstörter Brücken aus dem Gebiet Oberkrain/Gorenjska von Hermann Poschinger. Sie zeigen die Reste von Eisenbahn- und Straßenbrücken, welche im April 1941 von der Jugoslawischen Armee auf deren Rückzug vor der eindringenden Wehrmacht beschädigt wurden. Auf einigen der Blätter sind zusätzlich die provisorischen Holzbrücken zu sehen, die von der NS- Besatzung anstelle der ehemaligen Stein- und Eisenbrücken errichtet wurden. Die Bilder stammen aus dem Jahr 1941, sind also in den Wochen oder Monaten nach dem Überfall NS-Deutschlands auf das Königreich Jugoslawien entstanden. Auf Grund des dargestellten Lichtes und der Vegetation lassen sie auf Frühsommer oder Sommer schließen. Die Ausführung als Gouache lässt ihre Ausarbeitung vor Ort vermuten. Ob der Künstler einen Auftrag zu den Blättern bekommen hat, ist nicht bekannt. Poschinger war als Kriegsmaler für das Deutsche Reich in Friaul, Slowenien und im hohen Norden Europas eingesetzt, wahrscheinlich aber erst ab 1942.

Die Darstellungen sind alle mit den eingedeutschten Ortsbezeichnungen beschriftet. Sie zeigen die Orientierung des Malers an der traditionellen Malerei des 19. Jahrhunderts. Im Vergleich zu den monumental wirkenden Gebirgsdarstellungen in Öl, die die Alpen in unterschiedlichen Stimmungen und Jahreszeiten, oft mit psychologisierenden Elementen, in einem gedämpften Kolorit wiedergeben, wirken diese sieben Gouachen Poschingers in ihrer lichten, fröhlichen Farbigkeit fast biedermeierlich gefällig. Die Idylle der schönen und friedlichen Landschaften wird aber durch die zerstörten Brücken, die im Zentrum der Bilder stehen und mehr oder weniger auf eine vergangene Dramatik verweisen, gestört. Manche von den Brückenüberresten wirken wie Ruinen aus längst vergangenen Zeiten, einem beliebten Topos der bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts, der auf die Romantik zurückgeht. Was dort jedoch als Symbol einer idealisierten Vergangenheit inmitten einer als bedrohlich empfundenen Gegenwart Eingang in die Malerei fand, wird hier umgekehrt: Die Vergangenheit war bedrohlich, die Zukunft wird besser und friedlich, worauf auch die Holzbrücken hindeuten. Hermann Poschingers Gouachen stehen sowohl stilistisch als auch inhaltlich in Einklang mit dem, was von der bildenden Kunst vom nationalsozialistischen Regime erwartet wurde und sie können – ob mit oder ohne Auftrag – als Kunst von der Front bzw. Kriegsmalerei im weiteren Sinne bezeichnet werden, als subtil ideologisch inszenierte Veduten von erbaulichem Charakter.

Magdalena Felice
Kunsthistorikerin/Museum Moderner Kunst Kärnten.

 

1 Michael Koschat, „Urgesund“ und „kerndeutsch“. Kärntens bildende Kunst im Schatten des Hackenkreuzes. Streiflichter und Gedankensplitter, Hermagoras- Mohorjeva, Klagenfurt/Celovec 2017, S. 428.

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