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Im Rampenlicht

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Im Rampenlicht

geschrieben am 29.03.2019 09:19

Vorhang auf für ein farbenreiches Ensemble an Theatermenschen aus Kärnten. Gegenwärtigen und vergangenen. Konservativen und innovativen. Seriösen Mimen und schrägen Vögeln. Eine subjektive Rundschau ohne Anspruch auf Vollständigkeit. 


„Denn die einen sind im Dunkeln
und die andern sind im Licht.
Und man sieht nur die im Lichte
die im Dunkeln sieht man nicht.“
<Bertolt Brecht, Dreigroschenoper> 

Ja, Kärnten ist ein Land der Chöre und Blasmusikkapellen. Aber es ist auch ein Land der Dichter*innen und Darsteller- *innen, der Literatur- und Theater-Menschen. Nicht nur der rege, hiesige Amateurtheaterverband setzt die Bühnenbegeisterung der Leute im Lande in Szene, auch eine Fülle von institutionellen und freien Kompagnien lockt das Publikum das ganze Jahr über zu den Brettern, die die Welt bedeuten. Und so manche internationale Karriere nahm hier am südlichen Rand des deutschen Sprachraumes ihren Ausgang.

KARRIEREN. Ob Martin Kušej, der im September vom Münchner Residenztheater nach Österreich zurückkehren und die Direktion des Burgtheaters übernehmen wird oder Johann Kresnik, der mit seinem choreographischen Theater und einem brachial-verstörenden Regiestil unter anderem an Frank Castorfs Volksbühne Berlin reüssierte – viel an kreativer Kraft stammt aus dem zweisprachigen Amalgam der slowenisch-deutschen Grenzregion Südkärntens. Nicht zufällig hat es wohl auch die Dichterin und spätere Bachmann- Preisträgerin, die Kärntner Slowenin Maja Haderlap, nach ihrem Studium für 15 Jahre als Dramaturgin an das Stadttheater Klagenfurt verschlagen, wo sie mit einem weiteren überregional bedeutenden Theatermacher, dem Regisseur und Intendanten Dietmar Pflegerl zusammenarbeitete. Ihr jüngerer Bruder Zdravko Haderlap hatte in den 1990er Jahren zeitgenössisches Tanztheater im Sinne seines Landsmannes Johann Kresnik nach Kärnten gebracht (sich 2001 aber auf den elterlichen Bauernhof nahe Eisenkappel/Železna Kapla zurückgezogen). 

Dass die einstige Dramaturgin Maja Haderlap mittlerweile auch als Dramatikerin und Autorin im Rampenlicht steht, verdankt sie dem Erfolg ihres preisgekrönten autobiographischen Romans „Engel des Vergessens“, mit dem sie 2011 den Bachmann-Preis gewann. Vier Jahre danach wurde die Bühnenfassung im Wiener Akademietheater uraufgeführt, und auch das slowenische Nationaltheater in Ljubljana setzte das Stück auf seinen Spielplan (ein umjubeltes Gastspiel der Slowen*innen war im Stadttheater Klagenfurt zu sehen). 

Die „Mutter“ in der Burgtheater-Produktion des „Engels des Vergessens“ verkörperte die Kärntnerin Petra Morzé. Sie erinnert sich gerne an eine Art fact-finding-mission vor der Premiere mit Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann, dem Schauspieler-Ensemble und Maja Haderlap in deren Heimat in Südkärnten. Wie eine „Spurensuche in der eigenen Vergangenheit“ sei das gewesen, erzählt die im Weinviertel aufgewachsene Enkelin von Inge Morzé, einer der Grandes Dames der Kärntner Kunstwelt. „An meinem Geburtstag, dem 10. Oktober, habe ich in Kärnten immer gedacht, die Fahnen hängen wegen mir.“, erinnert sich die vielbeschäftigte Theater- und Film-Schauspielerin heute schmunzelnd. Fürs Theater „sozialisiert“ wurde sie nach eigenen Worten „durch die Omi“, die sie immer ins Stadttheater und im Sommer zu den Komödienspielen Porcia mitgenommen hatte. Das war damals die Ära eines weiteren großen Namens der heimischen Theatergeschichte: Herbert Wochinz, der geprägt war von seinen Eindrücken im Frankreich der 1950er Jahre, damals das Zentrum der europäischen Avantgarde, und in Wien das Theater am Fleischmarkt gegründet hatte. Das sprichwörtliche „leichte Lachen von Porcia“ hilft Petra Morzé vielleicht über eine große Enttäuschung hinweg, ist sie doch eines jener Burgtheater-Ensemble-Mitglieder, deren Verträge vom designierten Direktor Martin Kušej nicht verlängert werden. „Nach 17 Jahren am Haus ist das schade“, findet sich die 54-Jährige als „eine der wenigen Österreicherinnen im Ensemble“ mit der ungewohnten Situation ab und ist neugierig auf den neuen Lebensabschnitt. Wer weiß, vielleicht kann man sie in Zukunft ja auch einmal mit ihrem zweiten Standbein, dem Kabarett-Programm „Amourhatscher“ in ihrer alten Heimat Kärnten sehen. Dabei steht sie mit Freundin Angelika Hager (Kolumnistin „Polly Adler“), Burg-Kollegin Maria Happel und ab Herbst Ulrike Beimpold (statt bisher Andrea Händler) auf der Bühne und lässt eine szenische Lesung zur komödiantischen Tour de force durch zwischenmenschliche Krisengebiete werden. Heuer ist Petra Morzé aber noch in mehreren Produktionen des Burgtheaters zu sehen, u.a. im „Besuch der alten Dame“ (Friedrich Dürrenmatt), „Mephisto“ (Klaus Mann), „Willkommen bei den Hartmanns“ (Simon Verhoeven/Angelika Hager) und in „Der Kandidat“ von Carl Sternheim. 

In dieser Komödie nach einer Vorlage von Gustave Flaubert verkörpert Petra Morzé eine Mutter und die junge Klagenfurterin Christina Cervenka deren Tochter. Ausgebildet an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz spielte die heute 25-Jährige bereits im Wiener Theater in der Drachengasse und in Kinderproduktionen in der Burgtheater-Dependence Kasino am Schwarzenbergplatz. Sie setzt damit eine Reihe prominenter Kärntner Schauspieler*innen am Theater-Olymp in Wien fort, man denke nur an den verstorbenen Wolfgang Gasser (u.a. in Thomas Bernhards „Heldenplatz“) oder den aus St. Veit stammenden Heinz Trixner, dessen Gesicht und Stimme ebenso aus Film und Fernsehen bekannt sind. Aber auch nicht so prominente, nicht weniger wichtige Mitarbeiter der Burg stammen aus Kärnten und lieben das Theater. Unter ihnen: Monika Brusenbauch, eine von sieben Souffleusen des Hauses am Ring, die seit 1990 den Bühnenstars zur Seite steht und seitenweise Bühnentexte aus dem Gedächtnis rezitieren kann.

Auch die aus Unterloibl stammende Valerie Voigt-Firon, nur wenige Jahre älter als Christina Cervenka, hat es ans Burgtheater geschafft. Die 32-jährige Kärntnerin gab 2017 ihr Regie-Debüt im Vestibül („Drei sind wir“ von Wolfram Höll). Dass die Sprache für sie eine Hauptrolle spielt, hört man Voigt-Firon an – so wohlgesetzt und überlegt formuliert sie im Gespräch nach kurzem Nachdenken. Autor*innen wie Elfriede Jelinek, Ferdinand Schmalz oder Ewald Palmetshofer schätzt sie ebenso wie Wolfram Höll, dessen Sprache sie als „musikalisch komponiert“ liest: „Das ist fast wie eine Partitur!“ 

FREIE SZENE. Die unmittelbare Heimat dieser Jung-Regisseurin stand übrigens im Zentrum einer aufwühlenden Produktion 2016 in der Klagenfurter theater- HALLE 11: In der „Loibl-Saga“ thematisiert Autor Erwin Riess „Ermordung, Verfolgung und Solidarität im KZ Loibl Nord“. Den Theatermacher und Kärntner Slowenen Marjan Štikar (teatr trotamora) mit der Umsetzung zu betrauen, erwies sich dabei als Glücksgriff, denn er und sein rund 40köpfiges Team schufen die starken Bilder zu den Fakten. Beheimatet ist das teatr trotamora in St. Jakob im Rosental/Šentjakob v Rožu im dortigen Kulturverein Rož. 

Nicht weit davon entfernt, in St. Johann im Rosental/Šentjanž v Rožu, findet man das k & k (Kultur & Kommunikationszentrum) in einer ehemaligen Schule. Auch hier stehen immer wieder Theater-Produktionen der freien Szene auf dem Spielplan, u.a. von Alenka Hain, die 2017 den Würdigungspreis des Landes Kärnten für Darstellende Kunst erhielt. In den vergangenen Jahren unterrichtete Alenka Hain an der Pädagogischen Hochschule in Klagenfurt Sprachmethodik für zweisprachige Lehrer. Die Zeit an der „School for New Dance Development“ in Amsterdam und ihre aktive Tanzkarriere liegen schon lange zurück. Doch auch in ihrer Arbeit als Regisseurin achtet die gebürtige Slowenin sehr auf den Bewegungsausdruck der Schauspieler*innen: „Die Bewegung muss im Einklang mit dem gesprochenen Wort sein!“ 

Fast ohne Worte kam im Vorjahr ihre Produktion „5&20 udarcev/Schlagzeilen“ aus, in der anhand der 25 Buchstaben des slowenischen Alphabetes die Mechanismen von Macht dekliniert wurden. Der Wort- und Verführer ist dabei männlich und ganz in Rot (Aleksander Tolmaier). Mit ihm ringen und um ihn buhlen vier Frauen, die Fixgrößen der Kärntner freien Szene sind: Yulia Izmaylova, Magda Kropiunig, Lara Vouk und Katarina Hartmann spielten sich dabei durch die ganze Palette menschlichen Verhaltens zwischen Anziehung und Abstoßung, zwischen Devotheit und Drill. Diese Produktion zeigte exemplarisch: Alenka Hains poetisches Bühnenspiel setzt vor allem auf Mimik, Gestik, Körperhaltung, bietet choreographisches Theater, das keine Sprachbarrieren kennt.

Brennpunkt der Off-Szene ist seit Jahren das klagenfurter ensemble (ke) mit seiner Spielstätte theaterHALLE 11 – ein freies Theater mit eigenem Gebäude. Hausherr Gerhard Lehner, ehemaliger Wiener Sängerknabe, Blasmusiker und Multitalent, bespielt das Haus am Klagenfurter Messegelände mit jährlich rund fünf Eigenproduktionen, unter denen viele Uraufführungen zu finden sind. In Antonio Fians „Owe den Boch“ war eine der Stamm-Schauspielerinnen des klagenfurter ensembles ebenso zu sehen wie in der Produktion „Clarisse und ihre Dämonen“ nach Robert Musils Roman „Mann ohne Eigenschaften“: Nadine Zeintl, die das Kärntner Publikum auch vom Stadttheater, von der neuebuehnevillach und von Produktionen des Theaters Wolkenflug kennt. Die gebürtige Oberösterreicherin verkörperte voriges Jahr außerdem die Eliza Doolittle in „My fair Lady“ im Gärtnerplatz-Theater München. Mit Oliver Vollmann ist sie beruflich und privat ein eingespieltes Team, Marcus Thill, Gernot Piff sowie Michael Kuglitsch sind weitere Stammgäste bei den Produktionen des ke. Immer wieder in der theaterHALLE 11 zu sehen sind außerdem Maximilian und Markus Achatz, die mit ihrem Theater WalTzwerk hauptsächlich im Kinder- und Jugendtheaterbereich tätig sind so wie Sabine und Miha Kristof-Kranzelbinder mit dem Theater KuKuKK. Aber auch Koproduktionen (siehe oben mit Marjan Štikar), Konzerte und Gastspiele stehen das ganze Jahr über auf dem Programm. Ein Beispiel: Johanna Orsini-Rosenberg, die mit ihrer kunstsinnigen Familie im Rahmen des Carinthischen Sommers auf Schloss Damtschach szenische Konzerte und Lesungen veranstaltet, war mit ihrer von der Kritik euphorisch gelobten Konrad-Bayer-Revue im ke zu Gast. Die mit dem Schauspielpreis der Diagonale 2013 ausgezeichnete Künstlerin machte zuletzt mit ihren Filmrollen auf sich aufmerksam (u.a. „Murer – Anatomie eines Prozesses“). Und Schauspielerin und Regisseurin Angie Mautz und ihr Verein „Junges Theater Klagenfurt“ sind in der theaterHALLE 11 jeden Sommer ebenso beheimatet wie im Herbst das zeitgenössische Tanz- und Performancefestival „Pelzverkehr“. 

Tanz ist auch die Sprache der jungen Völkermarkterin Martina Rösler. Als Teil des Wiener Theaterkollektivs makemake erhielt sie mit der getanzten Vertonung von jüdischen Witzen („Muttersprache Mameloschn“) im Vorjahr den Theaterpreis „Nestroy“ für die beste Off-Produktion, 2015 wurde das von ihr choreografierte Tanzstück „Das ist ja ein Ding!“ mit einem „Stella-Award für junges Publikum“ ausgezeichnet. Die gebürtige Kärntnerin lebt in Wien, wo sie ihr Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität und nebenbei zeitgenössische Theaterpädagogik am Konservatorium studierte. 

WIEN und die WELT. Landsmänner und -frauen mit Hang zum Scheinwerferlicht kann Martina Rösler in beinahe allen Veranstaltungsstätten in Wien finden: Tanja Raunig etwa, bekannt als Tochter des Tatort-Kommissars Harald Krassnitzer, ist oft im Theater der Jugend anzutreffen, zuletzt etwa in der Hauptrolle von E.T.A. Hofmanns „Nussknacker“. Der Villacher Günther Wiederschwinger ist beim Volkstheater beheimatet, Markus Kofler ist Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt so wie Elfriede Schüsseleder, in Kärnten bekannt aus der Ära Wochinz. Auch Maximilian Müller, den man aus der TV-Serie Rosenheim-Cops kennt, war sieben Jahre lang Ensemble-Mitglied beim Theater in der Josefstadt, wo außerdem die Schauspielerin Ruth Rieser auf der Bühne stand (so wie in Klagenfurt und Stuttgart), bevor sie sich ihrer Karriere als Filmemacherin widmete. Ein weiterer Villacher, Peter Raffalt, leitete mit seiner Frau Annette jahrelang das Projekt „Die junge Burg“ – er ist übrigens der Schwager des einstigen Burgtheater-Direktors Matthias Hartmann. 

Doch nicht nur in die Bundeshauptstadt verschlägt es das fahrende Volk aus Kärnten. Der Gailtaler Schauspieler Hannes Flaschberger spielt seit 2013 den „Dicken Vetter“ Jedermanns bei den Salzburger Festspielen am Domplatz – zuerst mit Cornelius Obonya in der Titelrolle, danach mit Tobias Moretti. Das Wanderleben gehört zu Flaschbergers Natur, auch wenn er sich nach wie vor in Kärnten zuhause fühlt. Zum Festspiel-Engagement kam er über Umwege. Denn der britische Regisseur Julian Crouch, der ab 2013 mit seinem US-Kollegen Brian Mertes für die Regie des Klassikers am Domplatz verantwortlich war, brachte den Kärntner quasi aus London mit. Dorthin hatte es Flaschberger schon 1993 verschlagen, dort hatte er mit seiner Partnerin, der britischen Schauspielerin und Cellistin Tamzin Griffin, gelebt und gearbeitet, dort hat er sein Handwerk gelernt. Als 26-Jähriger war er für zwei Jahre nach Paris gegangen, um bei Marcel Marceau die Kunst der Pantomime zu erlernen, dem war ein Aufenthalt in Barcelona gefolgt. Zurück in Wien „stand ich mit 31 erstmals richtig auf der Bühne“, erinnert sich Flaschberger, der sich zwischendurch immer wieder mit diversen Jobs über Wasser halten musste. 

Der Viktring-Absolvent und gebürtige Tiroler Alexander Kubelka studierte Musiktheater am Konservatorium in Wien und gründete 1992 mit Stefan Pfeistlinger das Theater K.L.A.S. auf der Heunburg, das anspruchsvolles Sommertheater von „Woyzeck“ bis Arthur Miller bot. Nach Stationen bei Dietmar Pflegerl am Stadttheater Klagenfurt, im Düsseldorfer Schauspielhaus (bei Anna Badora) und Wiener Volkstheater (bei Emmy Werner) übernahm Kubelka 2009 als Intendant und Regisseur das Vorarlberger Landestheater in Bregenz. Bis zu seinem freiwilligen vorzeitigen Abgang 2017 konnte er dort eine 40%ige Steigerung der Zuseher*innenzahlen erreichen. Mittlerweile ist der Theatermacher mit seiner Familie in die Nähe von Wien gezogen, wo ihm im Theater in der Josefstadt mit seiner hochgelobten Inszenierung von Turrinis „Josef und Marie“ 2018 ein fulminanter Einstand gelungen ist. Daneben versucht sich der 50-Jährige freie Regisseur erstmals als Bühnenautor: Sein Stück „Caspar“, ein Polit- und Medien-Krimi, wird vom Wiener Sessler-Verlag vertreten. 

Im Sessler-Verlag ist übrigens auch das Debüt-Werk von Michael Weger gelandet. Der Villacher Tausendsassa ist jetzt also nicht nur Intendant der neuebuehnevillach (einst Studiobühne Villach), Regisseur, Schauspieler, Emotionstrainer ... sondern auch Dramatiker. Seine Komödie „Adios Muchachos“ hatte im Dezember Premiere. Dabei spielte der schreibende Schauspieler auch und inszenierte gleich selbst sein Stück – was durchaus Synergien bedeutete: „Was ich als Regisseur streichen würde, lasse ich als Autor gleich weg.“ 

Gesellschaftskritisches und humanistisches Theater wollen er und sein Dramaturg Martin Dueller das ganze Jahr über mit dem 13köpfigen Team machen, „nah dran sein“ (so der vielsagende Hausslogan) an Publikum und Themen. Lehrer ist er übrigens auch noch. Denn seit 2006 ist Michael Weger zusätzlich Professor der Schauspielabteilung am Kärntner Landeskonservatorium.

Dass mit Lisa Maria Sommerfeld eine seiner Schülerinnen mittlerweile das dritte Jahr am renommierten Max-Reinhardt- Seminar in Wien studiert, ist ihm eine große Freude. Für künstlerischen Nachwuchs ist also gesorgt. Mit dem 22jährigen Julian Waldner steht heuer außerdem wieder ein junger Kärntner nach vier Jahren Ausbildung vor dem Abschluss an der Wiener Kaderschmiede.

Manfred Lukas-Luderer ist ebenfalls Absolvent des Reinhardt-Seminars und ein langjähriger Wegbegleiter Michael Wegers. Als Schauspieler und Regisseur ist er der neuebuehnevillach seit Jahren verbunden, aber auch am Stadttheater Klagenfurt, an den Schauspielhäusern in Graz und Zürich sowie in zahlreichen Film- und TV-Produktionen war er zu sehen. Eindrucksvoll verkörperte er 2010 die Titelrolle in Lessings „Nathan der Weise“ im Krastaler Steinbruch – ein atmosphärisch starker Spielort, der für das Kärntner Publikum leider nicht mehr zugänglich ist. 

SPIELORTE. Doch an originellen und stimmigen Spielorten ist abseits der festen Häuser kein Mangel. In Kärnten wurde und wird in Steinbrüchen, auf Burgen (Heunburg, Friesach), Schlössern (Porcia) und Ruinen (Finkenstein) gespielt; in Stiftshöfen (Eberndorf) und Stadeln (Albeck, Tonhof), auf einem Drauschiff (Theaterfestival Spectrum), einer (mittlerweile abgetragenen) Seebühne und einem Theaterwagen (Porcia), in einem einstigen Kino (Jazzclub Kammerlichtspiele) und einem Jugendstilpavillon (Vada). 

Die „Zugmaschine“ für alle Theaterfreunde in Kärnten ist natürlich das Stadttheater Klagenfurt, das mit knapp zehn Millionen Euro auch den größten Anteil am Kulturbudget des Landes hat. Der Deutsche Florian Scholz, der in Berlin und Paris lebte und arbeitete (u.a. bei Gerard Mortier), legt seit der Saison 2012/2013 ein solides und kulinarisches Programm vor, das nicht zuletzt mit hochklassigen Operninszenierungen punkten kann. Im Sommer macht das Stadttheater Pause und dann sind es die vielen Sommertheater-Initiativen und Freiluft-Bühnen, die zu originellen und atmosphärischen Aufführungsorten laden und auch für den Tourismus eine wesentliche Rolle spielen. Manche von ihnen beschwören regelmäßig den Wettergott, damit die Vorstellungen nicht ins Wasser fallen mögen: Vom Villacher Theaterfestival Spectrum (künstlerische Leitung: Katrin Ackerl Konstantin und Erik Jan Rippmann), das sich in der Innenstadt, auf den Drauterrassen und auf einem Fluss-Schiff abspielt, über die Burghofspiele Friesach unter der langjährigen Leitung von Publikumsliebling Adi Peichl bis zu den Südkärntner Sommerspielen in Eberndorf, die nach rund 20 Jahren Jörg Schlaminger seit 2017 von Patrick Steinwidder geleitet werden. Der einstige Assistent am Stadttheater Klagenfurt absolvierte als erster deutschsprachiger Student das Masterstudium in Theaterregie an der Royal Academy of Dramatic Art in London und ließ im Vorjahr mit einem unkonventionellen „Sommernachtstraum“ (mit Flüchtlingen als Darstellern) aufhorchen. 

Einen Generationswechsel gab es auch bei den traditionsreichen Komödienspielen in Spittal an der Drau: Die Tiroler Schauspielerin und Regisseurin Angelica Ladurner löste 2015 Peter Pikl (verstorben 2018) als Intendantin des Ensembles Porcia ab und führte zum Gaudium des Publikums einen Theaterwagen ein, mit dem das fahrende Volk landauf landab mit Kurzfassungen klassischer Komödien neugierig auf die Komödienspiele macht. 

Gerhard Fresacher, innovativer Theatermacher an der Schnittstelle zwischen darstellender und bildender Kunst, bespielt hingegen mit dem Raum8 seit einigen Jahren ein leer stehendes Geschäftslokal in der Klagenfurter 8.-Mai-Straße als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum. Der 46-jährige, bei Erich Wonder an der Akademie der bildenden Künste in Wien geschulte, Bühnenbildner ist einer der vielseitigsten Kreativköpfe des Landes. Ob seine Kirschgarten-Inszenierung in der Wiener Garage X, eine Musik-Performance rund um Kafkas Landarzt-Erzählung für das Wiener Radiokulturhaus, ob Kunstvideos oder die Organisation des Kunst- und Theaterfestivals Diorama, stets ist Fresa- cher das Mastermind hinter genre- und spartenübergreifenden Kunstaktionen. Verheiratet ist der Vater zweier Töchter übrigens mit der Theater- und Film-Schauspielerin Magda Kropiunig. Die Kärntner Slowenin aus Suetschach im Rosental spielte im Stadttheater Klagenfurt, in der neuebuehnevillach und im Slowenischen Nationaltheater in Ljubljana, trat in Wien bei den Festwochen auf, im Rabenhof und in der Garage X. Zusätzlich ist sie immer wieder als Sprecherin bei TV-Dokumentationen und als Moderatorin im ORF-Landesstudio Kärnten tätig. 

Ein weiteres Power-Couple der heimischen Theaterlandschaft sind Ute Liepold und Bernd Liepold-Mosser mit ihrem 2003 gegründeten Theater Wolkenflug, das auf zeitgenössisches Theater an besonderen Orten spezialisiert ist. Der aus Griffen stammende Theater- und Opern-Regisseur Bernd Liepold-Mosser erhielt für seine Produktion „Amerika“ am Stadttheater Klagenfurt 2011 den Theaterpreis Nestroy als beste Bundesländeraufführung, 2016 folgte eine Nestroy-Nominierung für „Lavant“. Nominiert wurde 2013 auch seine Frau Ute Liepold für ihre Inszenierung der Uraufführung von Robert Woelfls „wir verkaufen immer“ im Landesmuseum Kärnten. Die gebürtige Vorarlbergerin inszenierte u.a. bereits im Wappensaal des Kärntner Landhauses, im Amphitheater Virunum, im Archäologiepark Magdalensberg und zuletzt im Innenhof der Klagenfurter Burg. 

Die Klosterruine Arnoldstein ist nur einer der vielen Veranstaltungsorte im In- und Ausland, die Regisseur Herbert Gantschacher und „arbos“, seine 1992 gegründete „Gesellschaft für Musik und Theater“, bespielen, zuletzt etwa mit Ausstellungen und Symposien rund um den Ersten Weltkrieg und den Komponisten Viktor Ullmann. Ihm widmet sich auch eine der großen Produktionen von arbos, mit der Gantschacher weltweit Aufhorchen erlangte: „Der Kaiser von Atlantis“, jene Kammeroper, die Viktor Ullmann als Häftling im KZ Theresienstadt geschrieben hatte. Der 62-jährige Herbert Gantschacher ist in der heimischen Kulturszene eine Klasse für sich: Er organisiert nicht nur Symposien, Workshops und Forschungsprojekte, er initiiert auch Kompositionsaufträge und Schulprojekte, inszeniert Musiktheaterproduktionen und leitet „Visual“, ein internationales Festival des Visuellen Theaters mit gehörlosen und hörenden Theaterschaffenden.

Kuriosum am Rande: Gantschacher, der von 1977 – 1980 an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Graz Regie studierte, hielt dort ein Jahr nach seinem Abschluss als Gastdozent ein Seminar über Goethes „Faust“. Einer seiner Studenten damals: der zukünftige Burgtheaterdirektor Martin Kušej.

Karin Waldner-Petutschnig
(54) ist freie Kulturjournalistin in Klagenfurt. Neben ihrer fast 30-jährigen Tätigkeit bei der „Kleinen Zeitung“, leitete sie 12 Jahre den Carinthia-Verlag und drei Jahre das Museum Liaunig. 

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