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edition B kunst.aus.druck

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edition B kunst.aus.druck

geschrieben am 30.01.2019 10:34

Lorenz Friedrich
Rasenmäher | Globuli Golfer 


Lorenz Friedrich, 1988 in St. Veit an der Glan geboren und auf der Simonhöhe aufgewachsen, hat schon mit 12 Jahren seine ersten kleinen Figuren und Tiere geschnitzt. Durch seinen Vater, ein Restaurator, wurde er mit dem Material Holz vertraut und ist durch die vielen Kunstbücher seiner Mutter seit der Kindheit mit Kunst verbunden. Die Figürchen haben ihn nicht mehr losgelassen, nach wie vor gestaltet Lorenz Friedrich kleine Figuren in unterschiedlichsten Posen, die er in verschiedenen Settings platziert. Nach der Oberstufe ist er nach Oberösterreich gezogen, dort wurde er an der Höheren Technischen Bundeslehranstalt Hallstatt in der Abteilung für Bildhauerei aufgenommen. Von Hallstatt ging es direkt nach Wien zum Studium an die Akademie der bildenden Künste, wo er in der Klasse von Heimo Zobernig Textuelle Bildhauerei studierte und 2015 sein Diplom ablegte. Seitdem arbeitet und lebt er als freischaffender Künstler in Wien und Kärnten. 2013 war er mit einer seriellen Arbeit zum Thema „Fremde Federn“ Bank Austria Kunstpreisträger, ein Preis der seit Anfang der 2000er Jahre jährlich von der Galerie 3 (Klagenfurt) in Kooperation mit der Bank Austria an junge Künstler*innen vergeben wird. 2016 wurde ihm das halbjährliche Paris- Stipendium der Landeshauptstadt Klagenfurt zugesprochen, das mit 5000 Euro dotiert und mit einer Atelierwohnung in der „Cité internationale des Arts“ in Paris verbunden ist. 

Der Künstler als Beobachter von Bewegungsmustern und Körperhaltungen. In Paris entstanden in Fortführung seiner Arbeitsweise zahlreiche Betrachter und Betrachterinnen: winzige, geschnitzte menschliche Figuren, inspiriert von den vielen Besucher*innen des Louvres, die Lorenz Friedrich ebenso nebst der Exponate beobachtet und betrachtet hatte. Er fragt sich, welche Menschen Ausstellungen besuchen, wie sie sich verhalten, sich auf die Kunstwerke einlassen und sich durch die Räume bewegen. In den Jahren zuvor fotografierte sich der Künstler selbst in allerlei Posen, sozusagen als Vorlage für seine eigenen Holzfiguren. Nach hunderten Figuren ist das allerdings nicht mehr nötig, mittlerweile skizziert er die verschiedenen Körperhaltungen direkt auf das Holz. 2010 fertigte er jeden Tag eine Figur, ohne Sockel nicht größer als sechs Zentimeter, in einem abfolgenden Bewegungsmuster. Die dargestellten Handlungen entstanden während des Arbeitsprozesses und bilden einen improvisatorischen Bestandteil des Konzeptes. Die 365 Holzfiguren präsentierte er erstmals in einer Reihe von neunzehn Metern Länge, in den darauf folgenden Jahren entstand ein Animationsfilm mit ihnen. Die vielen Figuren erschließen sich dann in der Abfolge zunächst als eine: sie läuft, fällt, steht wieder auf, bückt sich, schmeißt einen Schneeball, fährt Schi und springt. Dann kommt eine Frauenfigur hinzu mit der herzhaft getanzt wird, ein Kopfstand und ein bisschen Breakdance schließen das Projekt ab. Spannend dabei ist, über die handwerkliche Qualität der einzelnen Figuren hinausgehend, wie Lorenz Friedrich die klassische Bildhauerei in der seriellen Arbeitsweise und in der filmischen Umsetzung um neue Medien erweitert. Ergänzend zur animierten Darstellung, die der hölzernen Figur Lebendigkeit verleiht, entstehen in weiterer Folge kinetische Objekte, manuell betriebene Drahtkonstruktionen und Maschinen wie „Fremde Federn in Bewegung“, eine Aufeinanderfolge von Zugvögeln, für die er den Bank Austria Kunstpreis erhielt.

Alltägliche Settings. Regelmäßig stellt er bestimmte Situationen und Handlungen nach, dafür nimmt er Alltagsgegenstände, in die oder mit denen er seine kleinen Menschen arrangiert. So liest eine mit einem gelben Bikini bekleidete Frau in einer Glühbirne ganz entspannt wie am Strand ein Buch, die Arbeit ist mit „Leselampe“ betitelt. Ein anderer, dagegen Fleißiger hat den „Durchblick“, er ist gerade dabei, kniend die matte Glühbirne zu reinigen. Ein weiterer mäht mit einem „Rasenmäher“ die grüne Schicht von einem gelben Abwaschschwamm. Der andere hingegen, der „Globuli Golfer“, widmet sich anstelle der Hausarbeit seinem Freizeitvergnügen und spielt auf der grünen Fläche seines Putzschwammes Golf mit kleinen Globulikügelchen. Die „Weinflasche“ beherbergt einen in der halbvollen Weißweinflasche auf einem Korken sitzenden, genüsslichen Weintrinker. Dann wieder – nomen est omen – liegt ein Mann anstelle des Hochprozentigen flach in einem „Flachmann“. Die „Schlaftabletten“ sind keine Pillen, sondern in rosa und hellblaue Schlafanzüge gekleidete Männer und Frauen in gemütlichen Schlafpositionen, die anstelle der Tabletten in der Blisterpackung verpackt sind. Lorenz Friedrich stellt mit großer Genauigkeit und viel Witz alltägliche Situationen her. Doch ganz traut man den harmlosen Zuständen nicht, vielmehr schwingt die Angst mit, dass die Alltagsidyllen doch noch einmal kippen. 

Raster und Texte. In anderen Arbeiten kommen deutlich gewissenhafte Anordnungsprinzipien zum Vorschein. Dann bedient sich der Künstler geometrischer Raster und Strukturen, in die er seine „Betrachter“ und „Betrachterinnen“ setzt. Entweder in Kartons arrangiert oder als Setzkasten inszeniert gibt es immer wieder den einen oder anderen Ausreißer. Seine „Strukturenformeln“ erinnern an die Darstellungsweise chemischer Verbindungen, allerdings werden die Verbindungen mit skizzierten menschlichen Körpern zusammengehalten. Manchmal überzieht Lorenz Friedrich auch die ganze Figur mit einem Raster oder er beschreibt die Figur gleich mit einem Text. Überhaupt ergänzen oftmals handgeschriebene Texte seine Arbeiten. Das sind Gedanken zu seinen Arbeiten als auch Überlegungen zu anderen ihm nahestehenden Künstler*innen. Oder er zitiert Texte, die für seine eigenen Arbeiten gültig sind. Die Texte sind allerdings so klein geschrieben, wie auch seine Figuren klein sind. Damit zwingt er uns nahezu, genau hinzusehen, sich anzunähern und sich darauf einzulassen und dadurch vielleicht auch hinter die Kulissen zu schauen.

www.lorenzfriedrich.com

Nora Leitgeb
Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin für zeitgenössische Kunst, Graz und Klagenfurt | im Vorstand der Lend|hauer – Verein zur Belebung des Lendkanals und Kuratorin temporärer Kunstinterventionen im Lendhafen | Kuratorische Assistenz im Kunstraum Lakeside, Klagenfurt. 

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